Mythos Flutlicht

Warum Freitagabendspiele in der Bremen-Liga so beliebt sind

Die Freitagabendspiele werden in der Bremen-Liga immer beliebter. Aber warum eigentlich? Ein Streifzug durch den Amateur-Fußball.
22.11.2018, 21:59
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
Warum Freitagabendspiele in der Bremen-Liga so beliebt sind

Flutlichtspiele haben einen besonderen Charme.

123RF

Nun geht das Flutlicht wieder an in der Bremen-Liga. An diesem Freitagabend stehen die Partien zwischen dem Brinkumer SV und Vatan Sport sowie dem FC Oberneuland und dem SC Borgfeld auf dem Programm. Eine Seltenheit sind die Duelle unter künstlichem Licht schon lange nicht mehr. Bereits seit einigen Jahren, vor allem aber in der laufenden Spielzeit, wird es am Freitag hell auf den Plätzen der Stadt. Denn unter Flutlicht Fußball zu spielen, bleibt eben etwas Besonderes, weil Außergewöhnliches. Dann macht das künstliche Licht aus dem Fußballplatz fast so etwas wie eine Bühne.

"Geduldete Ausnahmen"

„Es ist mehr geworden“, bestätigt Jens Peters. Der Spielausschussvorsitzende des Bremer Fußball-Verbandes erinnert in diesem Zusammenhang aber gleich mal daran, dass Spiele am Freitag lediglich „geduldete Ausnahmen“ sind – als Regelspieltage legt die Spielordnung schließlich den Sonnabend und den Sonntag fest. „Es dürfen nicht mehr Freitagspiele werden“, betont Peters. Eine Ausweitung ist offenbar auch nicht zu befürchten: Die Gründe für den Flutlicht-Boom sind unterschiedlicher Art und längst nicht jeder Verein tritt aus reiner Begeisterung am Freitag an.

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Der FC Oberneuland allerdings schon. „Hier hat das Tradition“, sagt Kristian Arambasic. Der FCO-Trainer, seit 2017 im Amt, musste den Gepflogenheiten in seinem neuen Verein also nur noch zustimmen. Das tat er gern: „Ich finde es gut, unter Flutlicht zu spielen.“ Es schafft ja auch eine besondere Atmosphäre, wenn der Platz hell erleuchtet ist und die großen Masten im Stadion am Vinnenweg schon von Weitem zu erkennen sind – sofern diese funktionieren. Zuletzt gab es nämlich Probleme mit der Anlage, es war Wasser eingedrungen in einen der großen Scheinwerfer. Deshalb musste der FCO öfter mal auf den benachbarten Kunstrasenplatz ausweichen, beleuchtet zwar, aber längst nicht so imposant. „Unser Flutlicht ist alt, aber nächstes Jahr gibt es LED“, sagt Arambasic.

„Ausgeruht ist keiner“

Sind die neuen Scheinwerfer erst einmal installiert, werden sie immer im Stadion spielen. Die mittlerweile niedrigen Temperaturen können das nicht verhindern. „Wir sind am Ende ja keine Frostbeulen“, so Arambasic. Einen Nachteil sieht er gleichwohl im frühen Freitag-Termin: „Ausgeruht ist keiner.“ In der Regel haben seine Kicker – und ihre Gegner natürlich auch – einen Arbeitstag oder einige Stunden an der Uni hinter sich. Das würde sich dann schon auf die Konzentration auswirken. „Ich selbst bin nach dem Spiel fix und fertig“, sagt Kristian Arambasic. Dafür hätten er und seine Spieler dann „das komplette Wochenende frei“ und könnten sich erholen.

Auch für Ralf Voigt vom Konkurrenten Bremer SV besteht darin ein Vorteil von Freitagabendspielen. „Wir laufen am Samstag noch aus und haben dann frei – ich spiele liebend gern am Freitagabend“, sagt der BSV-Coach. Nun hat sein Verein allerdings ein Problem: Die angestammte Spielstätte am Panzenberg verfügt nicht über eine Flutlichtanlage. Die gibt es nur auf dem Kunstrasenplatz am Hohweg. Der ist allerdings ähnlich unbeliebt wie das künstliche Grün in Oberneuland und deshalb „keine Option“, wie Voigt sagt.

Voigt fürchtet keine Auswirkung auf Leistungsfähigkeit

Sein Bremer SV tritt also seit einigen Wochen wieder am Nachmittag an. Erst im kommenden Frühjahr ist eine Rückkehr auf den Freitagstermin denkbar. Dabei sieht Ralf Voigt allerdings keine Auswirkungen auf die Konzentration oder die Fitness seiner Spieler. „An Trainingstagen müssen sie auch abends leistungsfähig sein“, sagt der Trainer. Etwas anderes gelte vielleicht, „wenn einer den ganzen Tag im Stahlwerk arbeitet“.

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Etwas anderes sind die vielen Freitagstermine auch bei Vatan Sport. „Wir haben so viele Mannschaften auf der Bezirkssportanlage West und nur einen Kunstrasenplatz“, sagt Cengiz Cakir, der Sportliche Leiter der Gröpelinger. Er weiß, dass sich viele Zuschauer an den Partien unter Flutlicht stören. „Ich muss diese Spiele ehrlich gesagt auch nicht haben“, so Cakir. Aber Besserung ist in Sicht: Schon bald wird ein weiterer Kunstrasen fertiggestellt. Dann ist Vatan flexibler und eine Rückkehr auf die Nachmittagsstunden des Wochenendes möglich.

Eher gezwungenermaßen trat auch der Habenhauser FV zuletzt zu einigen Heimpartien am Freitagabend an. „Wir haben die Spiele meist aufgrund von gegnerischen Wünschen verlegt“, sagt HFV-Trainer Wilco Freund. Er hat den Anliegen allerdings gern entsprochen. Schließlich schaffen die Flutlichtspiele auch für Freund eine „besondere Atmosphäre“. Allerdings verbindet auch er eine gewisse Belastung mit den späten Terminen am Ende der Werktage: „Die Spieler haben dann einen ganzen Arbeitstag in den Knochen, und das ist sicher ein Nachteil.“ Insofern tritt der HFV-Coach schon ganz gern am Nachmittag an. „Ich komme ja auch noch aus einer Generation, in der immer sonntags gespielt wurde“, sagt Wilco Freund.

Ihm geht es damit ähnlich wie Jens Peters. Der Spielausschussvorsitzende hat manchmal sogar „Ansetzungsprobleme“, wenn in der Woche und freitags gespielt wird. Er kann den Flutlichtterminen auch aus persönlichen Gründen nichts abgewinnen: „Für die Spieler mag das anders sein, aber ich habe gerade in dieser Zeit keine Lust, an einem Freitagabend am Platz zu stehen.“

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