Carlo Ancelotti wurde von Fans und Spielern warm aufgenommen – weil er ergebnis- und nicht stilorientiert spielt Was die Bayern vermissten

München. Die Sätze der Saison sind vielleicht schon ausgesprochen worden, noch bevor die Saison begonnen hat. Nach dem Supercup und der ersten Runde im DFB-Pokal setzt sich der Prolog der neuen Spielzeit an diesem Donnerstag fort, mit der Auslosung der Champions League am Abend in Monaco.
25.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maik Rosner

München. Die Sätze der Saison sind vielleicht schon ausgesprochen worden, noch bevor die Saison begonnen hat. Nach dem Supercup und der ersten Runde im DFB-Pokal setzt sich der Prolog der neuen Spielzeit an diesem Donnerstag fort, mit der Auslosung der Champions League am Abend in Monaco. Erst am Freitagabend (20.30 Uhr) steht der wahre Auftakt an, wenn der Meister FC Bayern den SV Werder Bremen zum ersten Spiel der Bundesligasaison 2016/17 empfängt.

Aus Sicht der Münchner soll dann eingeleitet werden, was der Großteil des Publikums inzwischen als gegeben betrachtet: Dem Rekord des vierten Meistertitels hintereinander soll der Rekord des fünften Meistertitels hintereinander folgen. Allerdings nur vordergründig, wenn es nach Thomas Müller geht, der für die Sätze der Saison zuständig ist: „Es geht nicht um Rekorde, es geht um Erfolgserlebnisse. Der Mensch will geliebt werden. Er will Hormone ausschütten, Glückshormone. Darum geht es. Deshalb spielen wir Fußball und schauen es uns an.“ Was das Motiv angeht, geliebt zu werden, befindet sich der neue Trainer des FC Bayern auf einem sehr guten Weg. Schon bei seinem ersten Testspiel gegen Manchester City wurde Carlo Ancelotti einige Begeisterung zuteil. Und das, obwohl er bis dahin nicht viel mehr vollbracht hatte als eine kleine Modesünde zu begehen mit einer etwas zu hoch sitzenden Trainingshose. Dennoch ist er vom Münchner Publikum sofort besungen worden, was Guardiola ohne Modesünden in drei Jahren nicht untergekommen ist.

Nahbar wirkt Ancelotti auch auf seine Kicker. „Sehr positiv. Jeder, der ihm begegnet, merkt: Sehr sympathisch, sehr ruhig und mit viel Erfahrung, wie er mit den Spielern umgeht“, berichtete Jérôme Boateng in dieser Woche. Franck Ribéry hatte Ancelotti zuvor gar als „Geschenk für den Verein“ bezeichnet. Bei Ancelotti „spüre ich endlich wieder Vertrauen, ich brauche solche Trainer wie ihn, Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld.“ Ancelotti sei ein „guter Mensch, eine große Persönlichkeit. Das haben wir vorher vermisst.“ Allerdings hält auch der neue Trainer wenig von Ribérys Unbeherrschtheiten, mit denen er sich zum Gegenstand der Debatten vor Beginn jener Saison gemacht hat, in der er sich für einen neuen Vertrag empfehlen will.

Neben Ribérys wiederholten Scharmützeln mit Gegenspielern sind für das Publikum vor allem Ancelottis Modifikationen sichtbar geworden. Er wolle „keine Revolution“ anzetteln, hat er gesagt, sondern auf Guardiolas Basis aufbauen. Doch vertikaler legt er das Spiel im Vergleich zum Ballbesitzstil des Katalanen schon an, zielstrebiger und schneller, mit Steilpässen und gezielt provozierten Kontern. Damit sich diese ergeben, ordnen sich die Bayern in der Defensive tiefer an. Gut zu beobachten war dies bei Borussia Dortmund im Supercup, den die Münchner mit Guardiola nie gewinnen konnten und mit Ancelotti auf Anhieb. Erstmals seit April 2012, als der FC Bayern noch von Heynckes trainiert wurde, hatte der Gegner dabei sogar mehr Ballbesitz. Die Regel soll das zwar nicht werden, und durchweg überzeugend traten die Bayern beim BVB nicht auf. Doch wenn nötig, stellt Ancelotti pragmatisch den Zweck über die Mittel. Er lässt ergebnis- und erfolgsorientiert agieren, nicht stilorientiert. Es zeichnet sich beinahe so etwas wie die Rückkehr des alten FC Bayern ab. Dazu passt, dass sich Uli Hoeneß im Herbst wieder zum Präsidenten und wohl auch Aufsichtsratsvorsitzenden wählen lassen will.

Zuvor aber geht es sportlich darum, die Basis zu legen für eine Saison, an deren Ende jenes Triple stehen soll, das Guardiola in seinen drei Münchner Jahren verfehlte. Von den Zugängen kann an diesem Freitag aber wohl nur Mats Hummels, 27, helfen. Renato Sanches, 19, hatte sich im EM-Finale einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen und ist erst in dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Sicher fehlen werden Boateng, Robben, Costa, Coman und Holger Badstuber. Sie müssen sich nach ihren Verletzungen noch gedulden, ehe sie wieder mitkicken können. Den ganz großen Schwall von Glückshormonen erhoffen sich die Münchner aber ohnehin erst für den 3. Juni. Dann steigt das Finale der Champions League in Cardiff.

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