Personeller Umbruch bei Werder

Was die neuen Werder-Aufsichtsräte bewegen wollen

Am Montagabend ist der Aufsichtsrat von Werder Bremen zur Hälfte ausgetauscht worden. Kurt Zech, Thomas Krohne und Andreas Hoetzel wurden in einer gemeinsamen Wahl mit großer Mehrheit gewählt.
23.11.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Was die neuen Werder-Aufsichtsräte bewegen wollen
Von Nikolai Fritzsche
Was die neuen Werder-Aufsichtsräte bewegen wollen

Ein letzter Abend auf dem Podium (von links): Für Hans Schulz, Werner Brinker und Willi Lemke endet eine Ära im Aufsichtsrat von Werder Bremen.

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Am Montagabend ist der Aufsichtsrat von Werder Bremen zur Hälfte ausgetauscht worden. Kurt Zech, Thomas Krohne und Andreas Hoetzel wurden in einer gemeinsamen Wahl mit großer Mehrheit gewählt.

Der personelle Umbruch bei Werder geht weiter. Nach den Neubesetzungen der Sportchef- und Trainerposition im Sommer ist nun der Aufsichtsrat zur Hälfte ausgetauscht worden. Der Bauunternehmer Kurt Zech, der Sportrechtevermarkter Thomas Krohne und BLG-Unternehmenssprecher Andreas Hoetzel ersetzen die scheidenden Aufsichtsräte Willi Lemke, Hans Schulz und Werner Brinker.

Zech, Krohne und Hoetzel wurden bei Werders Mitgliederversammlung am Montagabend in einer gemeinsamen Wahl mit großer Mehrheit gewählt. Vereinspräsident Hubertus Hess-Grunewald hatte zuvor für die Kandidaten geworben und die Ballung personeller Veränderungen bei Werder als „historische Chance, uns für die Zukunft zu positionieren“ bezeichnet.

Die Kandidatenkür

Von den 348 stimmberechtigten Mitgliedern im Saal stimmten elf dagegen, 19 enthielten sich; ein einstimmiges Ergebnis, wie es früher durchaus mal vorkam, verpassten die Kandidaten. Dazu passte die kontroverse Diskussion über die Art der Kandidatenkür, die der Wahl vorausging. Ein 16-köpfiger Wahlausschuss hatte die drei Männer ausgesucht, ihre Namen aber nicht vorab bekannt gegeben. Mit den Neulingen musste sich auch Aufsichtsratschef Marco Bode zur Wahl stellen; er wurde im Amt bestätigt.

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Der Prominenteste unter den neuen Männern im Aufsichtsrat ist Kurt Zech. Der 59-Jährige hat aus dem kleinen Betrieb seiner Eltern den weltweit tätigen Bau- und Immobilienkonzern Zech Group gemacht. Dass Zech auch mit Werder große Ziele hat, zeigte sich nach seiner Wahl.

Der Anspruch müsse sein, mindestens im Mittelfeld zu stehen, sagte Zech. „An Eintracht Frankfurt sieht man, dass es nach einem Fast-Abstieg schnell weit nach oben gehen kann.“ Ein finanzielles Engagement bei Werder schloss Zech, dessen Vermögen auf 600 Millionen Euro geschätzt wird, aus. „Ich bin nicht hier, um Geld in den Verein zu stecken“, sagte er. Seine Aufgabe sehe er darin, Kontakte und Erfahrungen einzubringen.

Kontakte in die spanische und portugiesische Liga

Das will auch Thomas Krohne tun, der Einzige unter den drei Neulingen, der das Fußballgeschäft gut kennt. Durch seine langjährige Arbeit als Sportrechtevermarkter habe er Kontakte zum Beispiel in die spanische und portugiesische Liga. Sie könnten Werder helfen, „den Blick über den Tellerrand zu richten“, sagte der 54-Jährige, der auch Präsident des Deutschen Volleyball-Verbands ist.

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Während der gebürtige Bremer Krohne auf seinen ersten Besuch des Weserstadions im Alter von zehn Jahren verweisen konnte, erzählte Andreas Hoetzel davon, wie er sich am 6. Dezember 1989 beim Europapokalspiel gegen den SSC Neapel „das Werder-Virus eingefangen“ habe. Hoetzel, im Münsterland aufgewachsen, war ein Wunschkandidat von Marco Bode.

Ex-Aufsichtsratschef Willi Lemke wurde von Hubertus Hess-Grunewald herzlich verabschiedet. „Du warst der Frontmann, du musstest häufig den Kopf hinhalten“, sagte der Präsident. „Willi Lemke hat Werder nicht nur als Manager, sondern auch im Aufsichtsrat gutgetan.“ Lemke bekam ein Trikot mit der Nummer 17 – für 17 Jahre Zugehörigkeit zum Aufsichtsrat.

Ein Generationswechsel

Bekanntlich hätten es von ihm aus ruhig noch ein paar Jahre mehr werden können, doch Lemke sagte, er akzeptiere, „dass ein Generationswechsel gewünscht war“. Trotzdem konnte er es sich nicht verkneifen, den neuen Aufsichtsräten vor laufenden Kameras einen pointierten Rat mitzugeben: „Fußballspiele gewinnt man aufgrund von Fehlern des Gegners. Die neuen Köpfe müssen dafür sorgen, dass die Mannschaft hinter der Mannschaft keine Fehler macht, damit die Mannschaft auf dem Rasen fehlerfrei arbeiten kann.“

Kein Trikot, dafür aber Blumen gab es für Ex-Profi Hans Schulz und Ex-EWE-Chef Werner Brinker. Über Brinker sagte Hess-Grunewald, er habe „maßgeblichen Anteil daran, dass wir das Stadion ausbauen konnten. Und ohne EWE würde das Stadion nicht mehr Weserstadion heißen.“ Zu Hans Schulz hatte Hess-Grunewald eine charakteristische Anekdote parat: „Als damals für Mesut Özil das Angebot über 14 Millionen kam, hat keiner was gesagt. Und dann kamst du: ‚14 Millionen sind zu wenig.‘ Da war das Eis gebrochen, und es war klar: Für dieses Geld würden wir ihn nicht gehen lassen.“

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