Wasserspiele Teil 8 Rudern als eine Art Meditation

Beim Rudern ist viel Kraft in den Armen, Beinen und dem Rücken gefragt. Auch was meditatives ist in der sich ständigen wiederholenden Ruderbewegung zu finden.
30.08.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Rudern als eine Art Meditation
Von Rebecca Sawicki

Vier Ruder, genauer gesagt Skulls, liegen angelehnt an eine Bank vor dem Bootshaus des Bremer Rudervereins von 1882. Josephine Seeber und Luca Reinshagen schrauben daran herum. Die Skulls sind neu, deswegen müssen sie von den beiden Ruderinnen angepasst werden, ehe sie sie auf dem Werdersee testen können. Seeber und Reinshagen rudern in der Junioren-Trainingsmannschaft. Trainiert werden sie unter anderem von der Landestrainerin Christina Einert und der Weltmeisterin Anja Noske.

„Die Boote und die Skulls gehören dem Verein“, sagt Noske. Einige der Boote und der Ruder dürften alle Mitglieder nutzen, andere seien den Trainingsmannschaften vorbehalten. Die Ruder, die gerade frisch eingestellt werden, können also zunächst so bleiben. Rumschrauben gehöre zum Start einer jeden Trainingseinheit. Nicht nur die Ruder müssen auf Länge gebracht werden, sondern auch die Stemmbretter und Ausleger an und in den Booten. Ausleger, das sind die Metallstäbe, die an der Außenseite des Bootes angebracht sind. An ihnen werden die Skulls befestigt. „Wenn die Ausleger zu hoch oder zu niedrig sind, ist das nicht nur ungemütlich, sondern kann auch bei der Ruderbewegung der Arme stören“, sagt Noske.

Beine, Körper, Arme

Die Ruderbewegung startet mit dem Beinknick. Die Beinkraft muss über den Rücken an die Arme übertragen werden. Dafür sind die Ruderboote mit Rollbahnen ausgestattet. Die Grundreinfolge: Beine, Körper, Arme. Wenn man die Skulls wieder nach vorne bringen will, muss die Reihenfolge umgedreht werden – also Arme, Körper, Beine. Sitzen die Sportler als Team in einem Boot, gibt der Ruderer den Takt, also die Schlagfrequenz vor, der im Heck des Bootes sitzt. Das ist der Tatsache geschuldet, dass mit dem Rücken nach vorne gerudert wird.

Fertig mit der Einstellung ihrer neuen Ruder legen Seeber und Reinshagen diese und das Boot auf einen kleinen Wagen. Da Noske noch keinen Motorbootführerschein hat, findet das Training auf dem Werdersee und damit auf der anderen Seite der Werderhalbinsel statt. „So werden die Ruderer und Ruderinnen schon ein bisschen warm, während sie alles über die Insel schieben“, sagt Noske. Begleiten wird sie das Training mit dem Fahrrad. „Wir fahren knapp 75 Minuten zwischen dem Wehr und dem Zielturm hin und her. Die Strecke ist ganz gut, die kann man vom Fahrradweg aus gut sehen“, sagt sie.

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Neben Seeber und Reinshagen sind an diesem Tag noch zwei weitere Boote der Trainingsmannschaft auf dem Wasser. Da Noske Unterstützung von ihrem Co-Trainer Till Cleve bekommt, ist die Boot- und Betreuer-Verteilung ausgewogen. „Ich versuche natürlich allen gerecht zu werden. Es gibt aber immer Tage, da läuft es bei dem einen super und beim anderen schlechter. Da habe ich ein besonderes Auge auf den, bei dem es nicht so läuft“, sagt Noske. Da sie die meiste Zeit auf den See statt auf den Weg schaut, trägt sie einen Helm. Als vorausschauende Fahrerin bringt sie trotzdem weder sich, noch andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr. Gepöbelt wird manchmal trotzdem. „Guck nach vorne, Grete“, ruft ihr ein älterer Herr entgegen obwohl mehr als genug Platz auf dem Radweg ist. „Damit muss man einfach klarkommen. Ich kenne ihn nicht, mein Zweitname ist auch nicht Grete, aber das ist mir egal“, sagt Noske.

Während Seeber und Reinshagen sich warm rudern, rast Noske mit ihrem Fahrrad zur anderen Seeseite in Richtung des Wehrs davon. Sie hält die Augen offen nach dem Einer. Einer, so nennt man ein Ruderboot, dass nur von einem Sportler gefahren wird. Die anderen Sportler und Sportlerinnen fahren in diesem Training Doppelzweier: Das bedeutet, dass die Boote von zwei Sportlern mit jeweils zwei Rudern gefahren werden. „Ich schaue erst zu, achte auf die Ruderbewegung. Danach gibt es Feedback“, ruft sie dem Ruderer im Einer entgegen. Ob es problematisch ist, nichts zu sehen? „Man gewöhnt sich dran. Irgendwann schaut man sich nicht mehr bei jedem Schlag um. Vor allem nicht, wenn das Boot gut läuft“, sagt Noske. Verzwickt könne es auf Werdersee werden, wenn Brustschwimmer ohne Schwimmkappe oder Boje auf der Mitte des Sees unterwegs seien. „Da kann es schon vorkommen, dass wir Ruderer mal eine Vollbremsung hinlegen müssen, weil die Schwimmer schlecht zu sehen sind“, sagt Noske. Auf dem See müssen alle aufeinander achten. „Es bringt nichts, wenn nur die Ruderer aufpassen. Genauso wenig funktioniert es, wenn nur die Schwimmer vorsichtig sind.“ Da der See gerade im Hochsommer besonders voll sei, trommelt Noske ihre Gruppe während dieser Zeit schon in den frühen Morgenstunden zusammen. Bei diesem Training am letzten Ferientag haben sich die Sportler schon um neun Uhr getroffen.

Abstimmungen wie bei einer Maschine

„Und, wie laufen die Skulls?“, fragt die Trainerin. „Ungewohnt. Ein bisschen härter beim Einstechen, aber dann laufen sie gut durch“, antwortet Seeber. „Gut, dann sind das jetzt eure Skulls“, sagt Noske. Die Ruderinnen üben sich an schnellen Starts, und auch diese klappen mit den neuen Rudern. „Orientier dich mehr an Josie“, ruft Noske Luca Reinshagen vom Ufer aus zu. Reinshagen nimmt diese Anweisung an: Wie bei einer eine Maschine stimmen sich beide aufeinander ab.

Das Zusammenspiel in der Mannschaft, gemeinsam an sich arbeiten, sich anpassen, das begeistert Noske am Rudersport. „Das wichtigste ist, dass man ehrlich miteinander sprechen kann“, sagt sie. Ein gutes Team funktioniere wie eine Lokomotive. Jeder hat seine Funktion. Jeder muss für den Erfolg seine Aufgabe erfüllen. Die größte Faszination liege für sie in der wiederkehrenden Bewegung im Einklang mit der Natur. „Es hat etwas Meditatives. Die Bewegung ist gleichermaßen ästhetisch wie kraftvoll“, sagt Noske.

Reinshagen und Seeber haben genug Kraft aufgewandt. Ihr Training ist vorüber, sie können ihr Boot wieder auf den Wagen legen. Die jungen Frauen wirken zufrieden mit ihrer Tagesleistung. Sie schieben ihren Wagen zurück zum Bootshaus. Dort müssen sie das Boot putzen, ehe sie es wieder verstauen können. Viel Zeit für Regeneration bleibt den Ruderinnen nicht: Am nächsten Tag wird es Krafttraining geben. „Wir trainieren fünfmal die Woche“, sagt Noske, „ich achte darauf, dass wir neben dem Training auf dem See auch genug Kraft- und Konditionstraining an Land machen.“

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Eine Sportart der Region

Durch Bremen fließt ein großer Fluss, der Rudersport hat hier seit Langem eine Heimat. Die olympische Traditionssportart gehört hier einfach dazu. Kein Wunder also, dass etliche Vereine den Wassersport anbieten.

So unter anderem der Bremer Ruderverein von 1882. Nähere Informationen zur Mitgliedschaft und Trainings gibt es auf der Homepage www.wp.brv1882.de.

In direkter Nachbarschaft: der Bremer Ruderclub Hansa. Auch hier gibt es nähere Informationen auf der Homepage www.brc-hansa.de.

Ebenfalls auf der Werderhalbinsel befindet sich das Bootshaus des dritten großen Clubs, dem Bremer Sport Club. Nähere Informationen gibt es ebenfalls im Internet auf der Webseite www.rudern-bsc.de.

Der Bremer Norden muss hinter der Werderhalbinsel nicht zurückstecken. So bietet der Vegesacker Ruderverein die Möglichkeit, der Sportart auch außerhalb des innenstadtgebietes nachzugehen. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage www.vrv.de.

Auch im niedersächsischen Umland kann gerudert werden, so unter anderem beim Ruder-Verein Osterholz-Scharmbeck von 1901. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.neu.rv-osch.de.

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