Leichtathletik

Weltmeister Niklas Kaul ist das Vorbild

Der Anfang ist gemacht. Und er ist vielversprechend. Der Leichtathlet Benjamin Heideman hat bereits gute Ergebnisse eingefahren. Und er will nichts Geringeres werden als: Profi.
26.03.2021, 13:47
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Weltmeister Niklas Kaul ist das Vorbild

Niklas Kaul (Bild) ist das Vorbild für Benjamin Heideman.

MICHAEL KAPPELER

Viele Kinder träumen davon, eines Tages Fußballprofi zu werden. Benjamin Heideman vom LAV Bokel möchte auch Profi-Sportler werden, allerdings in der Leichtathletik. „Ich will es auf jeden Fall probieren“, versichert der 14-Jährige. Ausgesucht hat sich der Youngster dabei die Königsdisziplin in der Leichtathletik, den Zehnkampf.

Da denken viele sofort an den im vergangenen Jahr verstorbenen Olympiasieger von 1964, Willi Holdorf, an den dreifachen Weltrekordler Jürgen Hingsen oder an den früheren Top-Zehnkämpfer Frank Busemann. „Von denen habe ich auch schon gehört“, so Heideman. Der Niederländer wird im Sommer die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen. „Ich möchte ja bei Deutschen Meisterschaften antreten. Dafür benötige ich auch den deutschen Pass“, gibt Benjamin Heideman zu bedenken. Seine Familie war vor knapp neun Jahren aus dem niederländischen Ommen in den Ortsteil von Hollen, Hollenerkamp, in der Gemeinde Beverstedt gezogen. Vater Adrian Heideman fungiert hier als Co-Betriebsleiter auf einem Bauernhof. „Dadurch, dass ich hier direkt in den Kindergarten gekommen bin, habe ich die deutsche Sprache sehr schnell erlernt“, erklärt der Nachwuchssportler. Weil an den niederländischen Schulen auch Deutsch auf dem Stundenplan stehe, könne er sich auch prima in seiner neuen Sprache mit den Daheimgebliebenen verständigen. „Deshalb kann ich mich auch mit meiner Oma auf deutsch unterhalten. Ich spreche aber nach wie vor auch fließend holländisch“, so Heideman.

Seine Sportlaufbahn begann ganz klassisch mit Fußball. Mit sechs Jahren schnürte Benjamin Heideman seine Stiefel für den TSV Hollen/Süd. „Das hat mir aber nicht so gut gefallen“, teilt der Teenager mit. Also erinnerte er sich an die Sportart, die seine Tante Sanne De Ruicer in den Niederlanden ausgeübt hatte, also an die Leichtathletik. „Dabei hat sich schnell herausgestellt, dass ich alles ganz gut kann. Deshalb bin ich auch auf den Zehnkampf gekommen“, berichtet der Siebtklässler. Nur das Diskuswerfen liege ihm nicht besonders. „Daran muss ich deshalb noch arbeiten“, lässt der Schüler der Oberschule Beverstedt wissen.

Im Hochsprung wollte das große Talent dafür im vergangenen Jahr so richtig durchstarten. „Ich bin gleich mit 1,60 Metern angefangen und wollte mich bis 1,70 Metern vorarbeiten“, informiert Heideman. Doch durch das mangelnde Training im Zuge der Corona-Pandemie sei es nicht mehr höher gegangen. Überrascht hat Benjamin Heideman vor allem im 60-Meter-Hürdensprint. Hier führt dieser auch in 9,84 Sekunden mit einem deutlichen Vorsprung auf die Konkurrenz die Bestenliste des Niedersächsischen Leichtathletikverbandes (NLV) bei den Jungen M13 für das vergangene Jahr an. Auch im Hammerwurf (25,38 Meter), im Speerwurf (40,35) sowie in den Blockwettkämpfen Sprint/Sprung (2538 Punkte), Lauf (2282) und Wurf (2465) nimmt Heideman Platz eins in der Bestenliste ein. Bei diesen Blockwettkämpfen wurden jeweils fünf Disziplinen zusammengefasst. Einen Zehnkampf gibt es in dieser Altersklasse indes noch nicht.

Seit vier Jahren hat Bokels Coach Rudi Lunk Benjamin Heideman unter seinen Fittichen. Der 71-Jährige hält zwar sehr viel von seinem Schützling, muss diesen aber manchmal auch ein bisschen vor sich selbst schützen. „Man darf es mit dem Training auch nicht übertreiben“, sagt Rudi Lunk. Dieser möchte auch nicht, dass sich Benjamin Heideman im Training mit längeren Läufen beschäftigt. „Dabei werden die falschen Muskeln beansprucht. Die kann er besser beim Fahrradfahren trainieren“, so Lunk. Die Wege zwischen den beiden werden sich aber wohl demnächst ohnehin trennen. „Ich möchte zum SV Werder Bremen wechseln. Da habe ich einfach bessere Möglichkeiten und bessere Trainingsbedingungen“, teilt Benjamin Heideman mit. Aufgrund der nicht gerade kurzen Anfahrt in die Hansestadt ist dieser auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen. Seine Mutter Miriam Heideman ist aber bereit, ihren Sohn künftig vier bis fünf Mal in der Woche nach Bremen zu fahren. „Irgendwann werde ich dann aber auch den Zug nehmen“, verspricht Benjamin Heideman. Dessen Körper verändert sich gerade durch die Pubertät erheblich. Alleine im vergangenen Jahr legte der Schüler sieben Kilogramm an Gewicht zu und schoss um zehn Zentimeter in die Höhe.

„Weil ich so schnell gewachsen bin, habe ich auch eine nervige Knieentzündung bekommen“, berichtet der junge Aktive. Er habe deshalb auch eine Bandage tragen und Tabletten nehmen müssen. Ansonsten habe er aber noch keine nennenswerten Blessuren hinnehmen müssen. „Zweimal im Jahr lasse ich mich auch von einem Arzt in Bremerhaven untersuchen. Das gehört einfach zu einem sehr guten Sportler dazu“, urteilt der Noch-Niederländer. Sein großes Ziel in diesem Jahr stellen die Deutschen Meisterschaften in der U16, die für den 10. und 11. Juli in Hannover beziehungsweise für den 7. und 8. August (Blockwettkampf) in Markt Schwaben vorgesehen sind, dar. Dafür möchte er noch an bisschen an der Schnellkraft im Sprint feilen. „Ich bin nicht der Schnellste beim Start. Nach etwa 20 Metern läuft es dann aber für mich“, so der Fan von Niklas Kaul, der mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften in Doha im Jahre 2019 als jüngster Weltmeister in die Geschichte des Zehnkampfes eingegangen ist. „Niklas ist ja auch erst 23 Jahre alt und damit gar nicht so viel älter als ich“, sagt Benjamin Heideman.

Um sich die Karriere als professioneller Leichtathlet finanziell leisten zu können, kann sich Heideman gut vorstellen, später zur Polizei oder zur Bundeswehr zu gehen, um seinen Beruf mit dem Sport zu verbinden. „Da wird dann viel von mir gefordert werden. Doch das ist alles kein Problem für mich. Hoffentlich ist es aber bald mit Corona vorbei. Das ist echt schade wegen des eingeschränkten Trainings“, so Heideman. Auch dessen fünf Jahre jüngerer Bruder Fabian Heideman betreibt Leichtathletik beim LAV Bokel. Dieser verzeichnete bereits im Kugelstoßen eine Weite von sieben Metern. „Das ist ganz schön gut für sein Alter“, findet Benjamin Heideman, der in dieser Disziplin bei 11,39 Metern steht. Während seine Tante irgendwann mit ihrem Sport aufhörte, so möchte sich dieser durch nichts aufhalten lassen. „Ich bleibe auf jeden Fall dabei“, verspricht der 14-Jährige. Dadurch, dass er für den Zehnkampf so viele verschiedene Disziplinen übt, müsse er aber gut auf seine Muskeln aufpassen. „Zweimal in der Woche mache ich auch noch Krafttraining“, teilt Heideman mit, der in der Fußball-Bundesliga durchaus Werder Bremen die Daumen drückt, den FC Bayern München aber sogar noch einen Tick besser findet.

In seiner Freizeit fährt der Sportler liebend gerne Trecker auf dem von seinem Vater bewirtschafteten Hof. „Ich muss auch mal etwas anderes machen als zur Schule zu gehen oder für die Leichtathletik zu trainieren“, gibt der Bokeler zu bedenken. Wenn im Fußball die deutsche auf die niederländische Mannschaft trifft, sind seine Sympathien klar verteilt. „Ich halte auf jeden Fall zu Deutschland. Aber leider ist das Team ja gerade nicht so gut“, bedauert Heideman.

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