53. Sixdays in Bremen

Wenn der Käpt’n schießt

Werder-Profi Clemens Fritz und Unterhalter Martin Rütter haben als Startschützen die 53. Bremer Sixdays eröffnet.
12.01.2017, 23:30
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Wenn der Käpt’n schießt
Von Nico Schnurr
Wenn der Käpt’n schießt

Vor dem großen Auftritt am Abend gab es einiges zu bereden: Moderator Markus Rudolph mit den Sixdays-Startschießern Clemens Fritz (links) und Martin Rütter (rechts).

Frank Thomas Koch

Werder-Profi Clemens Fritz und Unterhalter Martin Rütter haben als Startschützen die 53. Bremer Sixdays eröffnet.

Es gibt Anrufe, auf die reagiert Martin Rütter seit einer ganzen Weile „etwas neurotisch“. Er hat schlechte Erfahrungen gemacht. Der Unterhalter wurde reingelegt. Ein paar Jahre ist das inzwischen her, als plötzlich Moderator Guido Cantz am anderen Ende der Leitung war und schließlich auflöste: Willkommen bei „Verstehen Sie Spaß?“. Seitdem ist Rütter skeptisch, wenn er den Hörer abnimmt, zumindest manchmal.

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Kürzlich war Rütter mal wieder besonders skeptisch. Die Verantwortlichen der Bremer Sixdays waren am Telefon. „Als die Anfrage kam, habe ich das erst für einen Witz gehalten“, sagt er. „Verstehen Sie Spaß?", die zweite? Kurz dachte Rütter das. Dabei war der Anruf aus Bremen kein Scherz für eine Unterhaltungsshow im Fernsehen, sondern durchaus ernst gemeint: Er, der Hundetrainer und TV-Unterhalter, soll zusammen mit Clemens Fritz, dem Werder-Profi, die 53. Sixdays eröffnen. Mit dem Finger am Abzug des Platzpatronen-Revolvers, ganz traditionell eben.

Dabei war sie ja durchaus verständlich, Rütters anfängliche Skepsis beim Anruf aus Bremen, auch ohne die Vorgeschichte. Denn Rütter und Fritz, das ist schon ein ungewöhnliches Duo für so einen Startschuss eines Radrennens. Könnte man jedenfalls meinen – wenn man denn nicht bei den Sixdays wäre. Hier nämlich gehört der Zweiklang aus Show und Sport seit Jahrzehnten zur DNA der Veranstaltung. Dabei war das allein gar nicht der Grund für den Anruf aus Bremen. Die Sixdays-Veranstalter hatten sich schon ihre Gedanken gemacht bei der Auswahl ihrer prominenten Schützen.

"Feines Gespür für den Leistungssport"

Beide sind sie vorbelastet. Beide kamen sie schon häufiger mit Radsport in Verbindung, an verschiedenen Punkten ihres Lebens. Martin Rütter, ein „Kind des Ruhrpotts“, besuchte regelmäßig das frühere Sechstagerennen in Dortmund. Als Jugendlicher kam er, weil er „vor allem die Party, die Atmosphäre und das Drumherum liebte“. Später, als Rütter anfing, Sportpublizistik zu studieren, änderte sich das. Rütter kam weiterhin nach Dortmund. Nun aber kam er, der „sich ein feines Gespür für Leistungssport“ attestiert, wegen des Geschehens auf der Bahn. Wer so nah an den Fahrern und an der Bahn sei, dem werde irgendwann ganz automatisch bewusst, „was die Jungs da auf dem Holz eigentlich abfeuern“, sagt Rütter. „Das ist eben nicht nur ein bisschen Radfahren im Kreis. Und so nah dran spürt man, wie viel Explosivität, Ausdauer und Kraft eigentlich hinter diesem irren Sport steckt.“

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Clemens Fritz teilt diese Begeisterung. Bei Werders Kapitän liegt eine „gewisse Faszination für Radsport“ in der Familie. Fritz’ Mutter war Kunstradfahrerin, sein Onkel Radballspieler. Ihn hat er einige Mal spielen gesehen – „und da war ich immer beeindruckt“. Denn, das stand für Fritz immer fest: „Mir fehlt für so einen Sport einfach ein bisschen das Geschick.“ Beendet war seine Verbindung zum Radsport mit dieser Erkenntnis allerdings noch nicht. Schließlich verfolgt ihn das Rad noch immer. In seinem Trainingsalltag bei Werder hat es einen festen Platz. Gerade erst, im Trainingslager in Spanien, war das Rad sein ständiger Begleiter – „um vom Hotel zum Platz hin und her zu pendeln, aber auch für konditionelle Einheiten und fürs Lockern der Muskeln“.

Aufs Rad musste Fritz am Donnerstag nicht. Er blieb vor dem Pulk aus Rädern – und schoss, zusammen mit Rütter. Für beide war es „das erste Mal mit so einem großen Ding in der Hand“, wie Fritz es formulierte. Vorab hatten sie eine Einweisung bekommen – denn: „So eine Knarre ist echt nicht ohne“, befand Rütter. „Das wummst schon ordentlich, ziemlich spektakulär.“ Vielleicht kein ganz schlechtes Omen für die 53. Sixdays in Bremen.

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