Wildeshausen

Wenn der Krandel zur großen Bühne wird

„An so einem besonderen Tag, geben wir unser Feld natürlich gerne her.“ Wildeshausens Stürmer Lennart Feldhus Wildeshausen.
10.10.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Daniel Cottäus
Wenn der Krandel zur großen Bühne wird

Voll konzentriert: Philipp Bargfrede und die Bundesliga-Profis von Werder Bremen boten im Wildeshauser Krandelstadion einen beherzten Auftritt. Am Ende bezwangen sie den Zweitligisten RB Leipzig mit 3:0.

Ingo Moellers

Normalerweise steht er selbst auf dem Platz, geht im Krandelstadion auf Torejagd, heute hat Lennart Feldhus allerdings eine andere Aufgabe: Er ist Ordner. Die gelbe Warnweste über der Jacke, die Arme vor der Brust verschränkt, sorgt der 1,95-Meter-Mann dafür, dass keiner in den Kabinentrakt kommt, der dort nicht hingehört. „Ich würde lieber selbst spielen“, schmunzelt der 22-jährige Mittelstürmer, „aber an so einem besonderen Tag, geben wir unser Feld natürlich gerne her“. Der Tag, er ist deshalb besonders, weil Fußball-Bundesligist SV Werder Bremen und Zweitligist RB Leipzig für ein Benefizspiel im Stadion des VfL Wildeshausen zu Gast sind.

15.14 Uhr: Der Leipziger Bus fährt vor. Kurze Zeit später spazieren Trainer Ralf Rangnick und seine Spieler weitestgehend unbehelligt in Richtung Kabine, vorbei an Hella Eckhoff, die sich kurz umgedreht hat. „Schon toll, dass wir so ein Spiel erleben dürfen“, sagt sie, die sonst bei den Landesliga-Heimspielen des VfL Wildeshausen an der Kasse sitzt. „Heute muss ich nicht. Die Karten waren ja alle schon vorher weg“, schmunzelt Eckhoff, seit 1974 im Verein. Dann ermahnt sie zwei kleine Mädchen, die mit Block und Stift bewaffnet zu den Leipziger Spielern wollen. „Autogramme erst hinterher.“

15.22 Uhr: Christian „Stolli“ Stoll ist Werders Stadionsprecher, führt alle zwei Wochen gemeinsam mit Arnd Zeigler durch die Bundesliga-Nachmittage im Weserstadion. Heute ist er in Wildeshausen im Einsatz. Auswärtsspiel, wenn man so will. Headset und Werder-Mütze auf dem Kopf, Trikot an – Zeit für die erste Sprechprobe. Ein paar Sätze an die Fans, kurze Rücksprache mit dem Stadion-DJ, „Stolli“ wirkt zufrieden. Dass er konsequent bei seinen Moderationen „Red Bull“ anstatt „Rasenballsport“ Leipzig sagt – der Zweitligist dürfte es verschmerzen.

15.30 Uhr: Werder fährt vor. Anders als vor wenigen Minuten bei Leipzig wird es nun das erste Mal unruhig unter den Zuschauern. 4500 sind es insgesamt. Ein Mann mit grauer Schirmmütze entdeckt Philipp Bargfrede und stellt sich ihm in den Weg. Ob er vielleicht ein kurzes Foto? – darf er. Nach dem Profi kommt offenbar ein Bekannter des Mützenträgers vorbei, und wieder fragt er, ob er vielleicht – das Gelächter ist groß. Nun sind fast alle Bremer Profis in der Kabine. Bis auf Fin Bartels und Santiago Garcia. Der Offensivspieler und der Linksverteidiger mühen sich noch mit zwei großen Gepäckboxen ab. Ziemlich viel, was eine Profi-Mannschaft so mit auf Reisen nimmt.

16.05 Uhr: Die Teams kommen zum Aufwärmen auf den Rasen, und Hella Eckhoff schiebt ihre rote, von der Sonne ziemlich verblichene VfL-Schirmmütze ein Stück aus dem Gesicht. Ein Mann, offenbar Leipziger, möchte von ihr wissen, wie viele Einwohner Wildeshausen hat. „Knapp 20 000“. Es folgt ein kurzer Plausch, Hella hat hier schon viel erlebt.

16.19 Uhr: Einige Jugendspieler treten nach dem Aufwärmen der Profis die Grassoden wieder fest. Das Stadion ist inzwischen rappelvoll, und Wildeshausen hat sich chic gemacht, ganz dem Anlass entsprechend. Ein Mann trägt ein altes Werder-Trikot von Mario Basler, ein anderer von Raphael Wicky. Schals, Mützen und Fahnen – überwiegend in grün-weiß – stehen ohnehin hoch im Kurs.

16.25 Uhr: Marcel Bragula ist normalerweise Cheftrainer von Wildeshausens Landesliga-Elf, heute ist er Chef-Ordner und weist seine Spieler ein. Kurz nach dem Einlass habe es ein kleines Problem bei den VIP-Plätzen gegeben, aber alles kein Problem. „Ich koordiniere die Jungs per Handy. Das klappt schon“, sagt er, ehe er sich auf einen letzten Kontrollgang macht.

16.28 Uhr: Die Profis kommen aus der Kabine, direkt an Lennart Feldhus vorbei. „Besser kann man nicht stehen“, sagt er, „auch wenn ich Hannover-Fan bin.“

16.30 Uhr: Anpfiff.

Spielbericht siehe Sportteil Seite 25

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