Hausbesuch bei Andreas Petersen / Jugendleiter des Blumenthaler SV hat für frischen Wind am Burgwall gesorgt Wenn er aufwacht, denkt er an Fußball

Blumenthal. Der Swimmingpool ist sein Mittelmeer. Und weil er nur noch wenig Zeit zum Angeln hat, entspannt sich Andreas Petersen bisweilen am Gartenteich. Mit Blick auf die Goldfische. Der 48-Jährige denkt nach eigenen Worten bereits an Fußball, wenn er aufwacht. Seit knapp zwei Jahren ist der Ehemann und zweifache Vater aus der Richard-Jung-Straße Jugendleiter beim Blumenthaler SV. Er hat dem Jugendfußball beim nordbremischen Traditionsverein in kurzer Zeit auf große Sprünge geholfen. Obwohl er sich eigentlich nie zu dem "Fulltime-Job" gedrängt habe, schmunzelt Petersen.
21.07.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Klaus Grunewald

Blumenthal. Der Swimmingpool ist sein Mittelmeer. Und weil er nur noch wenig Zeit zum Angeln hat, entspannt sich Andreas Petersen bisweilen am Gartenteich. Mit Blick auf die Goldfische. Der 48-Jährige denkt nach eigenen Worten bereits an Fußball, wenn er aufwacht. Seit knapp zwei Jahren ist der Ehemann und zweifache Vater aus der Richard-Jung-Straße Jugendleiter beim Blumenthaler SV. Er hat dem Jugendfußball beim nordbremischen Traditionsverein in kurzer Zeit auf große Sprünge geholfen. Obwohl er sich eigentlich nie zu dem "Fulltime-Job" gedrängt habe, schmunzelt Petersen.

Die Doppelhaushälfte in der Richard-Jung-Straße 14 ist in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts gebaut worden. Zu einer Zeit, als die Bremer Woll-Kämmerei zum größten deutschen Unternehmen seiner Art aufstieg. Unter der Leitung des später zum Blumenthaler Ehrenbürger ernannten und der nach ihm genannten Straße Richard Jung. Andreas Petersen ist bei Bremens größtem Arbeitgeber Mercedes beschäftigt, im Schichtbetrieb der Qualitätskontrolle. Zu mehr Qualität hat er in kurzer Zeit auch dem Jugendfußball des Blumenthaler Sportvereins verholfen. Gerade ist die 1. C-Jugend aus Beckedorf als 19. Nachwuchsteam zu den Blau-Roten vom Burgwall gestoßen. Die brandneuen Trikots befinden sich noch in großen Taschen, die in Petersens Arbeitszimmer unter dem Dach des Anbaus stehen. Dort befindet sich die Schaltzentrale der BSV-Jugendarbeit, dort verbringt der 48-Jährige Stunden am Computer, damit der Vereinsbetrieb nicht ins Stottern gerät und alle Kicker, von der F- bis zur A-Jugend, sich

heimisch fühlen in der großen Blumenthaler Fußballfamilie.

Ein Blumenthaler Junge

Andreas Petersen ist ein Blumenthaler Junge. Im Haus seiner Großeltern und Eltern flügge geworden, an der Fresenbergstraße und Eggestedter Straße zur Schule gegangen, auf der Bahrsplate an der Weser gebolzt, wo Karl Reichelt auf dem Fahrrad nach Fußballtalenten Ausschau hielt. Und so stieß der Siebenjährige aus der Richard-Jung-Straße zu dem Verein, den er fünf Jahre später zwar wieder verließ, zu dem er aber schließlich zurückkehrte. Nachdem er die Stiefel unter anderem für den Neurönnebecker TV, die Sportfreunde Heilshorn, für DJK Germania und den 1. FC Burg geschnürt hatte.

Das Mittelmeer im Garten präsentiert sich hellblau und spiegelglatt, die Goldfische flitzen im Teich umher. Andreas Petersen schenkt auf der Terrasse Kaffee nach und wirft einen Blick ins Wohnzimmer. Er war gerade 18, als er das behütete Nest verließ und nach Grohn zog. Bereits mit Kathrin, seiner "Sandkistenliebe" und späteren Ehefrau. Mit der er seinem Großeltern- und Elternhaus ein komplettes neues Innenleben verschaffte, als beide 1995 in die Richard-Jung-Straße 14 zurückkehrten. Die Räume erhielten einen neuen Zuschnitt und modernes Interieur, der Dachboden wurde in den Wohnbereich einbezogen, das Gebäude um einen Anbau erweitert. Das alles erforderte viel Arbeit. Soviel, dass man auch ein neues Haus hätte bauen können. Aber das wäre nicht das Haus aus der Zeit gewesen, in der Blumenthal dank Richard Jung regelrecht aufblühte.

So wie in jüngster Vergangenheit die Jugendabteilung des nordbremischen Traditionsvereins. "Eigentlich wollte ich nur noch Ehemann und Vater sein, als mein Ältester geboren wurde", erzählt Petersen. Adrian ist heute 17 Jahre alt, sein Bruder Fabian zwölf. Und der sorgte dafür, dass der Vater wieder den Weg ins Stadion fand. Fabian wollte im Verein kicken, also musste der Papa mit. Und schnell wurden die Bande zu den Jugendtrainern und -betreuern geknüpft, ließ sich der Blumenthaler zunächst für organisatorische Unterstützung einspannen.

Noch aber hatten für den Mercedes-Mann und -fahrer die Fahrten mit Frau und Söhnen zu den Werderspielen Priorität. Wobei der Wochenendtrip nach München zum Beispiel auch zu einem Besuch des Englischen Gartens genutzt wurde. Andreas Petersen bietet frischen Butterkuchen an und schwärmt von Werders 5:2-Sieg bei den Bayern. Die nur deshalb zu zwei Anschlusstoren kamen, weil der damalige Ex-Bremer Tim Borowski sie erzielte. Doch die Fantouren sind selten geworden. Heute verbringt der 48-Jährige die Wochenenden meistens auf Fußballplätzen in der Region, vor allem aber am Burgwall. Und wenn dort ein Turnier ansteht, packen auch Ehefrau und Söhne mit an. Als Petersen sich 2008 überreden ließ, Trainer der 1. F-Jugend zu werden, hatte ihn das BSV-Fieber erwischt. Ließ er sich anstecken von dem Engagement und der Begeisterung eines Torsten Hennecke und Mohammed Chaaban, die den Blumenthaler A-Jugend-Fußball zu einem Aushängeschild haben werden lassen.

Seit dem 1. Oktober 2010 ist Petersen Jugendleiter beim Blumenthaler SV. Damals liefen neun Jugendteams im blauroten Trikot mit der Raute auf, heute sind es 19. Der neue Mann am Jugend-Ruder reagierte sofort, als in Lüssum die Fußballlichter ausgingen. Nach Gesprächen mit Betreuern und Eltern wechselten einige Juniorenteams ebenso komplett zum BSV wie die Frauenmannschaft, die in der Landesliga spielt. Alle ehemaligen Lüssumer Teams können übrigens weiterhin am Bockhorner Weg trainieren. Die Plätze dort werden inzwischen vom Blumenthaler SV genutzt und gepflegt. Ebenfalls ein Verdienst des Mannes, dessen erfolgreiche und engagierte Arbeit sich schnell in Bremen-Nord herumsprach und weitere Jugendteams anlockte. Zum Beispiel von der SG Aumund-Vegesack oder unlängst aus Beckedorf. Petersen weiß, dass es Neider gibt, bekräftigt aber, dass letztlich die Konkurrenz ebenfalls von seinem Konzept profitiere. Eines Tages würden gut ausgebildete Spieler auch für andere Vereine interessant sein.

Doch Petersen orientiert sich nicht nur an Spitzenleistungen. Jugendfußballer, sagt er, müssten Spaß haben und sich wohlfühlen im Verein. Auch diejenigen, denen das Talent nicht in die Wiege gelegt worden sei. Der 48-Jährige schaut ein wenig versonnen in den Garten. Als träume er davon, auch einmal Abstand von Arbeit, Haus und Fußball zu nehmen. "Ja", antwortet Andreas Petersen auf die Frage, ob er manchmal den Alltag abschalten möchte. "Meine Frau und ich werden irgendwann eine Kreuzfahrt machen." Um mit Blick auf den Pool hinzuzufügen: "In die Karibik."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+