Volleyball: Britta Weiner und Philipp Mandel vom Verbandsliga-Aufsteiger SC Weyhe im Interview 'Wer macht?s, wenn nicht wir?'

Wachwechsel im Kreis-Diepholzer Volleyball: Nach langen Jahren mit dem TuS Varrel verzeichnet der Herrenbereich einen neue Nummer eins. Der SC Weyhe schaffte als Aufsteiger den Durchmarsch in die Verbandsliga. Es ist das Werk der 23-Jährigen Trainerin Britta Weiner. Micha Bustian sprach mit ihr über die Weyher Zukunftsperspektiven und mit Damen-Coach Philipp Mandel darüber, ob ein ähnlicher Höhenflug nun auch bei den Frauen zu erwarten ist.
29.04.2010, 01:40
Lesedauer: 6 Min
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Wachwechsel im Kreis-Diepholzer Volleyball: Nach langen Jahren mit dem TuS Varrel verzeichnet der Herrenbereich einen neue Nummer eins. Der SC Weyhe schaffte als Aufsteiger den Durchmarsch in die Verbandsliga. Es ist das Werk der 23-Jährigen Trainerin Britta Weiner. Micha Bustian sprach mit ihr über die Weyher Zukunftsperspektiven und mit Damen-Coach Philipp Mandel darüber, ob ein ähnlicher Höhenflug nun auch bei den Frauen zu erwarten ist.

Frage: Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg! Dürfen wir jetzt mit dem nächsten Durchmarsch rechnen?

Britta Weiner: Nein. Wir hatten eine Teambesprechung und gefragt, was die Spieler erreichen wollen. Wir haben uns darauf geeinigt, den frühzeitigen Klassenerhalt anzupeilen und dann zu gucken, wie weit wir noch hochrutschen können. Nach der Staffelreform stellt sich ja auch die Frage: Wie stark ist die Liga?

Philipp Mandel: Die Verbandsliga ist spielerisch stärker als die Landesliga, wir werden in jedem Spiel gefordert. Außerdem wissen wir ja auch noch nicht genau, wie die Mannschaft aussehen wird.

Wird sich die Mannschaft denn groß verändern?

Weiner: Wir werden berufs- und studienbedingt einige Abgänge haben. Dafür bin ich aber auch schon an einigen Spielern dran. Allerdings war jetzt erst das Relegationswochenende, jetzt stehen erst die Spielklassen fest. Danach erst werden Vereinswechsel konkreter. Wenn ich ganz ehrlich bin, hoffe ich eher auf unsere Langzeitverletzten David Arndt und Stefan Wolsdorf.

Mandel: Wir haben ja auch einen Standortnachteil. Weyhe ist von Bremen aus etwas weiter weg vom Schuss. Da können wir nur hoffen, dass die Verbandsliga einige Spieler reizt.

Nun wollten Sie mit dem Aufstieg ja erreichen, dass die vielen talentierten Weyher Jugendlichen einen adäquaten Leistungsbereich bei den Herren vorfinden. Sind Sie da angekommen, wo Sie hinwollten?

Weiner: Ich denke, wir haben mit den beiden Aufstiegen gut was erreicht. Die ersten Talente sind in die Mannschaft reingerutscht und können mithalten. Und es ist ja auch ein ordentlicher Anspruch, Verbandsliga spielen zu wollen.

Nun spielt die Zweite weiter nur in der Bezirksliga, und das auch eher schlecht als recht. Ist da der Abstand nicht zu groß?

Weiner: Nein. Und so schlecht war die Saison auch nicht. Gegen einige Spitzenteams haben wir gut mitgehalten, das Potenzial für eine gute Bezirksligamannschaft ist vorhanden. Und wir wollen jetzt auch die Landesliga in Angriff nehmen. Um diesen Stand allerdings länger halten zu können, brauchen wir einen Trainer und einige neue Spieler.

Mandel: Der Kader muss größer werden. Es waren viele Spieler dabei, die nicht immer konnten. Wir haben 18 Pässe beim Verband eingereicht, aber darunter sind auch einige Schichtarbeiter und Väter.

Gibt es denn schon wieder Talente, die den Sprung direkt in die Erste schaffen können?

Weiner: Max Lange und Jan-Henrik Radeke aus dem 96er-Jahrgang haben schon bei der Ersten mittrainiert und bei der Zweiten in in den Spielbetrieb hineingeschnuppert. Beide sind Stammspieler in der Bremer Landesauswahl und werden einfach schneller besser, wenn sie stärkere Mitspieler haben. Im Herrenbereich geht es deutlich härter zu als bei den Jugendlichen. Da ist es sinnvoll, wenn der Nachwuchs sich langsam daran gewöhnen kann.

Mandel: In den Bremer Jugendligen herrscht auch kein konstant hohes Niveau. Jeder kann einfach in jeder Klasse melden, es gibt zu wenig Mannschaften, und einzelne Vereine haben immer mal wieder nur einen Jahrgang, der mitmischen kann. Bei diesen Vereinen gibt es meistens nur einen Trainer, und der schafft halt nicht mehr als eine Mannschaft. Außerdem spielen manchmal 13-Jährige gegen 18-Jährige - das macht auch keinen großen Sinn.

Weiner: Und andere Jugendliche finden wiederum überhaupt keinen adäquaten Gegner mehr und werden so unterfordert.

Was kann der SC Weyhe mit seinen Bordmitteln erreichen?

Weiner: Wir machen die Arbeit momentan zu zweit. Mit Markus Walther, Leonie Berendt und Katharina Wohlert unterstützen uns drei Jugendliche bei der Trainingsarbeit im Nachwuchsbereich. Mehr ist da nicht.

Mandel: Für uns ist das Limit erreicht.

Weiner: Auf jeden Fall. Ich trainiere ja auch noch die Bremer Auswahlmannschaft und übergangsweise die zweite Herren.

Mandel: Auch bei den Hallen geraten wir an Grenzen.

Weiner: Es gibt zu wenig späte Hallenzeiten für die Herrenmannschaften. Außerdem trainieren wir in der Erichshofer Grundschulhalle, die ist eigentlich viel zu niedrig. Ich hätte gerne eine höhere Halle, aber es ist schwierig einen Platz in der KGS Leeste oder Kirchweyhe zu bekommen.

Der SC Weyhe hat auch bei den Bremer Landesmeisterschaften der Mädchen bewiesen, dass er im oberen Leistungsbereich mithalten kann. Allerdings gibt es hier keine Verbandsligamannschaft. Wie halten Sie die Talente?

Mandel: Die talentiertesten können wir nicht halten. So wie Nina Lange, die jetzt schon zur BTS Neustadt in die Oberliga gewechselt ist.

Weiner: Die hat aber auch richtig Talent, ist Leistungsträgerin in Landeskader. Die muss einfach in der Oberliga spielen. Und für die Jugendarbeit des SC Weyhe ist das ja auch eine Auszeichnung.

Mandel: Der Rest der Damenmannschaft spielt seit Ewigkeiten zusammen. Die sind alle erst 15, 16 Jahre alt, werden also zumindest noch zwei Jahre in Weyhe bleiben. Also werden wir jetzt einen dritten Versuch starten, in die Bezirksliga aufzusteigen.

Wäre es nach zwei gescheiterten Versuchen nicht sinnvoll, die Mannschaft mit externen Neuzugängen zu verstärken?

Mandel: Ganz ehrlich - wer kommt denn für die Bezirksklasse nach Weyhe? Ich habe jetzt eine Spielerin an der Angel, die ich an der Universität kennengelernt habe. Sie hat früher in der Oberliga Hessen gespielt, das gäbe einen totalen Schub, wenn sie käme. Das ist einfach Erfahrung, die fehlt, denn die Weyher Damenmannschaft ist sehr jung.

Weiner: Ich denke, den Aufstieg in die Bezirksliga schafft ihr auch ohne Neuzugänge. Aber wenn ihr noch höher wollt, braucht ihr mehr Erfahrung.

Noch höher? Wo soll es denn hingehen mit dem Damenbereich?

Mandel: Da sind unsere Ansprüche entspannter. Es ist ja auch meine erste Trainerstation, da will ich viel ausprobieren und gucken, was klappt. Unser Ziel ist der Aufstieg in die Bezirksliga, dann schauen wir mal. Wir denken bei den Damen eher kurzfristig. Bei den Herren war das einfach eine bessere Konstellation. Das war ein Bombenglück, dass das alles so gelaufen ist.

Was wäre nötig, um eventuell wieder Landesligavolleyball im Damenbereich anbieten zu können?

Mandel: Als ich die Mannschaft übernommen hatte, waren es acht, neun Mädels - das reicht nicht für eine Saison. Jetzt sind es 14 Spielerinnen, aber der Qualitätsunterschied zwischen den Alten und den Neuzugängen ist noch zu groß. Weil Volleyball ein technischer Sport und schwer zu erlernen ist, wird das auch noch ein wenig dauern. Wir müssten noch ein paar Mädels mit Spielpraxis rankriegen. Und ich hätte gerne einen Betreuer.

Weiner: Wenn es länger bestehen soll, brauchen wir auch einen vernünftigen Unterbau. Wir haben die Damen und viele Kleine, aber dazwischen ist nichts. Diese Lücke müssten wir schließen.

Wäre eine Zusammenarbeit mit den Schulen da nicht sinnvoll?

Weiner: Bei dem Alter, das wir gerade suchen, wäre das Mittel- oder Oberstufe, aber da ist das zu spät. Und in der Grundschule wird gar kein Volleyball mehr angeboten, die Kinder wussten gar nicht, was das ist. Trotzdem habe ich versucht, an der Grundschule Werbung zu machen. Dadurch haben wir viele Mädchen neu hinzubekommen. Bei den Jungs ist das schwieriger. Die haben sich in dem Alter meist schon auf Fußball oder Handball festgelegt.

Mandel: Die Kinder bleiben heutzutage auch viel länger in der Schule, haben weniger Zeit für den Sport als Hobby. Und Arbeitsgemeinschaften machen auch keinen Sinn, weil sie nicht wahrgenommen werden. Feriencamps wie beim Fußball wären toll. Aber wer macht?s, wenn nicht wir?

Ganz anderes Thema: Wie ist es eigentlich, als junge Frau eine Männermannschaft zu trainieren?

Weiner: Ich habe einige von den Jungs ja schon in der Jugend trainiert, die kannten das also schon. Ansonsten bin ich die Aufgabe eher locker angegangen. Wichtig ist: Man muss wissen, wovon man redet. Im Training setze ich auf viel Bewegung, da haben wir eine gute Basis gefunden. Und das Vertrauen ist auch da: Probleme werden offen angesprochen.

Und wie ist es, als Mann von einer Frau trainiert zu werden?

Mandel: Britta hat eine hohe Überzeugungskraft und viel Kompetenz. Wenn das so ist, ist es egal, ob du alt oder jung oder Mann oder Frau bist.

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