Fußball-Kreisliga

Wer wird Zweiter hinter Atlas-Reserve?

Der Meister steht so gut wie fest, doch es besteht die Chance, dass der Zweite in die Bezirksliga aufsteigt Im Tabellenkeller duellieren sich voraussichtlich Hasbergen und Hicretspor um den Klassenerhalt.
05.03.2020, 18:02
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Ralf Kilian

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Beim Ausblick auf die an diesem Freitag beginnende Restsaison der Fußball-Kreisliga ist eines glasklar: An der bevorstehenden Meisterschaft des SV Atlas Delmenhorst II ist nicht mehr zu rütteln. Man könnte künstliche Spannung aufbauen mit der Anmerkung, dass die Blau-Gelben noch 16 Partien auszutragen haben und nach der bereits erfolgten Absage der ersten beiden Nachholspiele langsam in Terminnot geraten, wenn man nicht am Sonnabend – Heimspiel gegen den VfL Stenum II – den Spielbetrieb wieder aufnehmen kann.

Deutlich interessanter dürfte sich das Rennen um die Vizemeisterschaft gestalten, denn die berechtigt bei erfolgtem Klassenerhalt des Landesligisten VfL Wildeshausen zu einem Relegationsspiel gegen den Dritten der Kreisliga Jade-Weser-Hunte um den Aufstieg in die Bezirksliga Weser-Ems. Und dann werden natürlich noch zwei Absteiger in die 1. Kreisklasse gesucht, dabei versuchen sich die beiden letztplatzierten Teams mit einem neuen Trainer.

Beim SV Atlas hat man allen Eventualitäten vorgebeugt und die zweite Mannschaft insbesondere quantitativ aufgerüstet. Ein Trumpf der Hinrunde gegenüber den verletzungsgeplagten Verfolgern Ahlhorner SV und Harpstedter TB war, dass der schmale Kader fast ohne Ausfälle durchspielte. Diese Konstanz führte zu 14 Siegen in ebenso vielen Partien. Aber in der terminlich deutlich dichter gedrängteren Rückrunde kann ein breiterer Kader nötig werden, deshalb sicherte sich der Herbstmeister die Dienste von fünf Neuzugängen. Dieses Quintett – keiner kommt von einem hiesigen Kreisligisten - wird vermutlich nicht auf Anhieb Bäume ausreißen. Aber es gibt Trainer Daniel von Seggern die Möglichkeit zur Rotation. Damit soll dem zum Saisonende scheidenden von Seggern der erhoffte Aufstieg zum Ausstieg ermöglicht werden.

Um den möglichen Relegationsplatz zeichnet sich ein Zweikampf zwischen Ahlhorn und Harpstedt ab. Diese beiden Vereine beziehungsweise ihre Trainer nehmen dieses Ziel auch an, die Verfolger eher nicht. So sagt Kai Pankow, Trainer des Tabellenvierten TSV Großenkneten: „Gefühlt sind wir aufgrund der mehr ausgetragenen Spiele eher Siebter.“ Auch der Fünfte aus Munderloh stellt eher die „individuelle und mannschaftliche Weiterentwicklung“ in den Vordergrund.

Ganz anders klingt da Servet Zeyrek, der Coach des Ahlhorner SV: „Wir richten den Fokus auf Platz zwei. Klar spielen da noch drei oder vier andere Mannschaften mit. Aber wir sind geil und werden die Mannschaft so pushen, dass sie nicht schlagbar ist.“ Auch Harpstedts Übungsleiter Jörg Peuker möchte das Abenteuer Relegation in Angriff nehmen. „Grundsätzlich wollen wir unter die Top fünf, wenn es geht streben wir natürlich Platz zwei an“, sagt Peuker. Gegner in der Relegation könnte der 1. FC Nordenham sein, der momentan auf Position drei der Nachbar-Kreisliga rangiert.

Die Spitzenmannschaften haben bis auf Atlas II alle nicht gerade ausschweifend auf dem Winter-Transfermarkt agiert, Neuzugänge gibt es nur spärlich. Beim TV Munderloh wird man sich sogar über die Abgänge von Lennart Siebrecht (FC Hude) und Torwart Nicolai Robotta ärgern. Ein Großangriff auf Platz zwei sieht anders aus, alle wollen ihre sportlichen Ziele mit Bordmitteln erreichen. Beim TSV Ganderkesee hat man in der Rückrunde noch den pünktlich fertiggestellten Kunstrasenplatz als Faustpfand. Damit dürfte zumindest dem Auftakt am Sonnabend gegen den TV Falkenburg nichts entgegenstehen. Mehr als Platz fünf ist aber trotzdem nicht mehr drin, den peilt Trainer Stephan Schüttel dann auch an.

Beim vier Punkte schwächer, aber auch mit vier Spielen weniger gelisteten TV Jahn Delmenhorst werden die Ziele anders formuliert. 48 Punkte möchten die Violetten erreichen, knapp die Hälfte davon (22) ist schon eingefahren. Beim gleichauf liegenden Rot-Weiß Hürriyet Delmenhorst wurde der Kader gleich mit sechs Neuzugängen aufgestockt, damit ist Hürriyet zumindest Transfermeister der Winterpause. Negativ fällt allerdings auf, dass Trainer Murat Turan bis auf den zeitlich sehr eingespannten Tuna Sahinkaya keinen Torwart mehr im Aufgebot hat. Also müssen Feldspieler zwischen die Pfosten, das war schon in der ersten Saisonhälfte kein Erfolgsrezept.

Trotzdem wird Abstiegsgefahr für Hürriyet nicht zum Thema werden, das gilt auch für die Tabellennachbarn TV Dötlingen und VfL Wildeshausen II. Ebenso ist dem Tabellenzwölften FC Huntlosen sein Rückrundenziel („Klassenerhalt so schnell wie möglich erzielen“) zuzutrauen. Was bleibt ist ein Quartett mit Abstiegssorgen, aus dem sich die Reserve des VfL Stenum rasch verabschieden möchte. Schon der Trend zum Jahresende 2019 war sehr positiv am Kirchweg. Trainer Frank Radzanowski kann zur Not auf eine Qualität in anderen Mannschaften bauen, die ihresgleichen sucht: So könnten Reservisten der ersten Herren zur wertvollen Verstärkung werden, zudem sollen die A-Jugendlichen herangeführt werden. Fazit: Stenum II kann sich nur selbst schlagen. Mit entsprechenden Verstärkungen könnte man zum Auftakt sogar Spitzenreiter Atlas II ärgern.

Die Stenumer Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt war zudem selten konkurrenzfähig. Dabei hat Hicretspor Delmenhorst nicht nur aufgrund der drei Punkte Vorsprung auf den TuS Hasbergen die besten Karten. Der KSV ist auch der einzige Kellerclub, der sich im Winter verstärkt hat. Alper Cakir vom SV Hemelingen und Tayfun Kurt vom SV Baris Delmenhorst waren zuletzt höherklassig aktiv und können klare Verstärkungen darstellen. Trainer Timur Cakmak muss sich hauptsächlich um die Fitness seiner eher bequemen Schützlinge kümmern, fußballerisch hat Hicretspor klare Vorteile gegenüber Hasbergen und Falkenburg.

Die Voraussetzungen am Tell sind indes denkbar schlecht. Zunächst verließen mit Zana Ibrahim (Baris), Markus Wloka (Jahn), Houssein Hazimeh und Cem Oflazoglu vier Stammspieler den TuS, dann verabschiedete sich auch noch das Trainerteam mit Chawkat El Hourani und Mohamed Chahrour. Für den neuen Coach Martin Janko geht es darum, die vorhandenen Kräfte zu bündeln. Das war in der Hinrunde nur selten gelungen und verursachte Spielverläufe, die eher an Achterbahnfahrten erinnerten.

Genauso viele Gegentore (79) wie Hasbergen, aber nur halb so viele Punkte, hat der TV Falkenburg auf dem Konto. Kurz vor Weihnachten kam es zur Rebellion der Mannschaft gegen das Trainergespann Georg Zimmermann/Marvin John, deren Vorstellungen nicht zur Philosophie der Spieler passte. Also trennte man sich, es übernahm wieder einmal Florian Erhorn, der schon früher häufig als Feuerwehrmann eingesprungen war. Erhorns Herangehensweise orientiert sich nicht am Erhalt der Kreisliga. „Der Klassenerhalt ist uns in erster Linie egal. Aber wir wollen einen Aufwärtstrend sehen und 20 Punkte erreichen“, sagt Erhorn. Das wäre eine Vervierfachung der bisherigen Ausbeute und könnte knapp zum Verbleib reichen. Momentan ist die Tabelle aufgrund einiger Ausfälle noch zu schief, um Punktevorgaben zu berechnen. Ein Trio (Atlas II, Jahn und Dötlingen) ist bereits mit vier Spielen im Rückstand.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+