Mein Werder, meine Meinung

„Werder muss und wird sich durchsetzen“

Der Wunschgegner sind die Würzburger Kickers im Pokal sicher nicht, ein Drittligist in der ersten Runde ist richtig unangenehm. Das hat Werder schon erlebt, einmal auch mit mir als Manager: 2013 war in Runde eins in Saarbrücken Endstation.
11.08.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Thomas Eichin

Der Wunschgegner sind die Würzburger Kickers im Pokal sicher nicht, ein Drittligist in der ersten Runde ist richtig unangenehm. Das hat Werder schon erlebt, einmal auch mit mir als Manager: 2013 war in Runde eins in Saarbrücken Endstation. Das Pokalspiel ist das erste Pflichtspiel, und da weiß kein Bundesligist, wo er wirklich steht. Ganz egal, wie gut die Ergebnisse und Leistungen der Vorbereitung waren oder wie schlecht. Ich habe immer auf einen Viert- oder Fünftligisten gehofft. Da ist das Leistungsgefälle zu groß, da passiert im Normalfall nichts. Bei einem Drittligisten sieht das anders aus.

Die Teams in der Dritten Liga sind heutzutage alles Profimannschaften. Die Spieler sind taktisch und physisch top ausgebildet, auch die Trainer sind alle richtig gut. Der größte Vorteil aber ist, dass die Dritte Liga schon im Spielbetrieb ist und alle bereits die ersten drei Runden gespielt haben. Die sind im Gegensatz zu den Bundesligisten voll im Saft, und das macht es für sie höllisch gefährlich.

Dazu kommt der psychologische Faktor, sich gleich zu Beginn der Saison richtig blamieren zu können. Das gibt natürlich niemand zu, es steckt aber bei allen in den Köpfen: Spieler, Trainer, Geschäftsführung haben das Szenario eines Scheiterns vor Augen. Das ist natürlich und logisch, an diesem ersten Spiel hängt ja unglaublich viel.

Nehmen wir den negativen Fall. Stolpert der Favorit gegen den Außenseiter, ist sofort Feuer unterm Dach. Die Presse macht Druck und hinterfragt die Aufstellung. Oder gleich den Trainer. So entsteht öffentlicher Druck von außen. Im Klub flattern die Nerven, weil plötzlich die Angst vor einem Fehlstart in der Liga dazu kommt. Das Selbstvertrauen, das sich die Mannschaft in der Vorbereitung über Wochen erarbeitet hat, ist nach nur einem Spiel weg. Es gibt also die erste richtige Belastungsprobe, bevor es richtig losgegangen ist. Da muss sich zeigen, wie stark ein Klub ist.

Es ist wichtig, mit der richtigen Einstellung in das Spiel zu gehen. Dann kann es einen positiven Schub geben. Im Pokal liegen unglaublich viele Chancen für Spieler und Klub. Meister zu werden ist für eine Mannschaft wie Werder nahezu unmöglich, ein Pokalsieg dagegen ist mit etwas Glück durchaus drin. Sieben Siege sind nötig, um etwas in der Hand zu halten. Kürzer ist der Weg zum Glück in keinem anderen Wettbewerb.

2015 waren wir dicht dran. Da sind wir bis ins Halbfinale eingezogen und waren gegen Bayern nicht chancenlos. Wer weiß, wie es ohne die Schwalbe von Vidal und den daraus folgenden Elfmeter ausgegangen wäre? In den Pokalspielen hat die Mannschaft ihr eigentliches Potenzial gezeigt. Da ist jede Runde ein Finale, und wir waren immer voll da. Die Auswärtssiege bei Borussia Gladbach und Bayer Leverkusen waren starke Auftritte der Mannschaft. Für den Klub war der Halbfinaleinzug ein Imagegewinn. Das Spiel in München lief live im Fernsehen, die öffentliche Aufmerksamkeit ist da enorm groß. Werder ist ja ein Klub mit langer und erfolgreicher Pokalhistorie, Bremen ist ein Pokalteam. Finanziell ist es ebenfalls richtig attraktiv, lange im Wettbewerb zu bleiben. Das Halbfinale hat uns 2015 einen satten Gewinn
gebracht.

Es gibt also viele und gute Gründe, Samstagabend in Würzburg mit der richtigen Einstellung ins Spiel zu gehen. Und um nichts anderes geht es ja, die richtige Einstellung. Zum einen mit körperlichem Einsatz gleich zu zeigen, wer Herr im Hause ist. Sofort die Initiative ergreifen, damit Würzburg gar nicht erst das Heft in die Hand nehmen kann.

Dass in Offenbach und nicht in Würzburg gespielt wird, ist ein Vorteil für Werder. Für beide Mannschaften ist es ein Auswärtsspiel. Ich habe es bei den Kickers selbst erlebt, da geht die Post ab. 2015 mussten wir ja schon mal in der ersten Pokalrunde in Würzburg antreten. Es war unglaublich heiß, ein enorm schwieriges Spiel. Aber dann haben wir es in der Verlängerung irgendwie hingekriegt.

So wird es auch am Samstag laufen. Es ist kein leichtes Spiel, aber Werder muss und wird sich durchsetzen. Dafür ist die Mannschaft einfach zu gut.

Zur Person

Thomas Eichin war von Februar 2013 bis Mai 2016 Geschäftsführer bei Werder. Nach einer kurzen Zeit bei 1860 München arbeitet der 50-Jährige jetzt für eine Spielerberatungs- und Vermarktungsagentur. Neben Eichin und den langjährigen Kolumnisten Jörg Wontorra, Arnd Zeigler und Lou Richter schreiben wechselnde Gastautoren jede Woche über das, was ihnen bei Werder aufgefallen ist.
Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+