Kommentar über Werder und Zuschauer

Zuschauer sind nicht nur Kulisse

Die Fußball-Bundesliga überlegt, wie beim Auftakt der neuen Saison die Fans wieder in die Stadien zurückkehren können. Eine Chance, die Fehler im Umgang mit ihnen vergessen zu machen, meint Jean-Julien Beer.
24.07.2020, 16:09
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Von Jean-Julien Beer
Zuschauer sind nicht nur Kulisse

Werders Fans dürfen sich Hoffnungen machen, zur Saison 2020/21 wieder auf die Tribünen des Weserstadions zurückkehren zu können. Zum jetzigen Zeitpunkt hält Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald 15 000 Besucher für realistisch.

nordphoto/Rauch

Der Profifußball tat sich zuletzt schwer damit, den richtigen Ton zu treffen. Bei den Diskussionen über Sonderwege in Zeiten der Pandemie ging viel Vertrauen verloren. Einigen Managern fehlte dabei offenbar das Bewusstsein dafür, dass auch ihre Fans von den Folgen der Corona-Krise hart getroffen werden, in vielen Fällen ebenfalls existenzbedrohend.

Auch Werder musste Kritik einstecken, vor allem für die misslungene „Kurvenhelden“-Aktion, bei der kumpelhaft geduzte Zuschauer unter anderem mit Aufnähern und Bier dafür entschädigt werden sollten, dass sie auf die Erstattung von Eintrittskarten verzichten. Werder hat das eingesehen.

Nachdem die Geisterspiele dank der TV-Millionen die Existenz der Bundesliga gesichert haben, wählt Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald nun einen passenden, vorbildlichen Ton: „Wir alle wollen unsere Fans in den Stadien haben, wir brauchen unsere Fans.“ Zuschauer sind eben keine Kunden und nicht nur Kulisse. Welttrainer Jürgen Klopp erwähnte bei Liverpools Meisterfeier in jedem Moment die fehlenden Fans, er band sie überall ein. Das war ehrlich und angemessen. Und hoffentlich ebenfalls vorbildlich.

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