Formationspaar des Grün-Gold-Clubs Bremen

Wie der Spagat zwischen Beruf und Hochleistungssport gelingt

Berit Horstmann und Kai Tausch tanzen in der Weltmeisterformation des Grün-Gold-Club Bremen. Beide müssen neben ihrem Beruf oft 24 Stunden wöchentlich trainieren. Das erfordert viel Disziplin.
22.12.2018, 09:32
Lesedauer: 3 Min
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Wie der Spagat zwischen Beruf und Hochleistungssport gelingt
Von Ruth Gerbracht
Wie der Spagat zwischen Beruf und Hochleistungssport gelingt

Ihr zunächst letzter gemeinsamer Auftritt fand im Pressehaus des WESER-KURIER statt: Berit Horstmann und Kai Tausch tanzen seit drei Jahren zusammen in der Lateinformation des Grün-Gold-Club Bremen. In der Bundesligasaison, die am 19. Januar startet, muss Kai Tausch dann ohne seine Partnerin auskommen. Berit Horstmann geht für ein halbes Jahr zum Studium nach Schweden.

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Die letzte Klausur ist geschrieben, der Stress vorbei. Für einen Showauftritt mit der Lateinformation des Grün-Gold-Club Bremen an diesem Sonnabend aber steht Berit Horstmann nicht mehr zur Verfügung. Ihre Kraft ist aufgebraucht, wie die 22-jährige Studentin erklärt.

Seit einigen Jahren lebt sie als Amateursportlerin einen Spagat zwischen Studium und Hochleistungssport. Vor allem vor Weltmeisterschaften ist das Trainingspensum enorm hoch. 25 Stunden pro Woche sind da normal. Was erschwerend hinzukommt: Die Klausurenphasen decken sich zeitlich immer mit der intensiven Vorbereitung auf große Sportevents.

Sport kostet viel Geld

Zwischen Titelkämpfen, Bundesliga und Trainingseinheiten kann die Bremer Lateinformation allerdings nicht die Beine hochlegen. Der Sport kostet viel Geld, das aufgebracht werden muss. Der Verein allein könnte trotz Fördergeldern nicht immer wieder neue Musiken, Kleidung, Reisekosten oder Spesen bezahlen. Als Weltmeister wird man zum Glück oft und gerne angefragt für Showauftritte. Das bringt Geld in die Kassen des Clubs und die Möglichkeit, den Sport mitzufinanzieren. Wenn man das alles zusammenrechnet, verbringt die Mannschaft schließlich mehr als die Hälfte der Wochenenden auf dem Tanzparkett.

Aber wie schafft man das? Alles eine Sache der Organisation, erklärt Berit Horstmann, die mit ihrem Partner Kai Tausch eine feste Größe im Team von Roberto Albanese ist. Vor allem ein gutes Zeitmanagement helfe, beides unter einen Hut zu bekommen. „Wenn ich weiß, nächstes und übernächstes Wochenende sind wir unterwegs, dann sehe ich zu, mir vorab die Zeit zum Lernen zu verschaffen.“ Manchmal helfen auch die Kommilitonen mit, vor allem diejenigen, die viel Verständnis dafür haben, dass Zeit für Leistungssportler ziemlich limitiert ist.

Spagat seit den Abiturzeiten

Berit Horstmann gelingt dieser Spagat seit den Abiturzeiten. Mit Herzblut und Leidenschaft nimmt sie alle Mühen, aber auch Freuden auf sich. „Aber im Moment bin ich echt erschöpft“, erklärt sie. Berit Horstmann legt eine Pause ein. Die Masterstudentin im Fach Wirtschaftspsychologie geht ab dem 9. Januar für sechs Monate nach Schweden. In Östersund wird neben dem Studium nicht getanzt, stattdessen ein bisschen Ski gefahren oder einfach auch mal die schwedische Ruhe genossen. „Ich werde jedoch genau verfolgen, wie die Mannschaft sich in der Bundesliga schlägt“, erklärt sie. Und ein bisschen werde sie das Team vermissen, da ist sich Berit Horstmann sicher.

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Das war bei Kai Tausch ähnlich. Er hatte während des Studiums eine Tanzpause eingelegt, um seinen Master schließlich erfolgreich abzuschließen. Anschließend ist er aber schnell wieder eingestiegen. „Ich habe mich nach dem Tanzen zurück gesehnt. Die Mannschaft ist ja auch ein bisschen Familie“, erklärt der 31-Jährige, der vor einigen Jahren aus Backnang nach Bremen kam. Mittlerweile arbeitet der Maschinenbauingenieur bei einem großen Unternehmen in Oldenburg und freut sich, einen verständnisvollen Chef zu haben.

Auch mal früher Feierabend

Wenn die Turnieranreise freitags mal früher beginnt, dann darf er auch früher Feierabend machen. „Das ist jedoch nicht bei allen so“, sagt der Mannschaftskapitän. Es gibt im Team andere, deren Arbeitgeber wenig Verständnis für die Probleme eines Amateursportlers zeigen. An dieser Stelle, so der Wunsch der beiden, wäre es hilfreich, wenn Sportler mehr auf die Unterstützung in den Unternehmen setzen könnten.

Trotz solcher Schwierigkeiten nehmen die Grün-Gold-Tänzer die täglichen Strapazen gerne auf sich. Kai Tausch beginnt morgens früh mit der Arbeit, gegen 17 Uhr kann er für eine Stunde nach Hause. Schnell eine Kleinigkeit essen, dann mit der Sporttasche von Oldenburg nach Bremen düsen. Montags, mittwochs und freitags ist von 19 bis 22 Uhr Training. Wenn keine Meisterschaftsvorbereitungen sind, stehen Dienstags- und Donnerstagsabende zur freien Verfügung. Zeit für was anderes oder sich einfach auch mal Luft zum Durchatmen verschaffen.

Erfolge als Belohnung

Beruf und Hochleistungssport unter einen Hut zu bringen, fordert vor allem Amateursportlern eine Menge Disziplin und Entbehrungen ab. Eine finanzielle Entschädigung gibt es dafür nicht, „aber da“, so erklärt Kai Tausch, „geht es uns wie den meisten Sportlern“. Belohnt werden sie durch ihre Erfolge, durch gewonnene Medaillen, aber das allein ist es nicht. Beiden ist die Gemeinschaft wichtig, der Zusammenhalt im Team. Füreinander einstehen, gute und schlechte Momente gemeinsam erleben und auffangen. Das verleihe einem eine enorme Stärke, erklären sie, für den Sport, aber auch fürs Leben generell.

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