Glücklich nach 300 Kilometern

Wie Janek Hadamovsky den Weltrekord knackte

Er hat sich mächtig gequält, am Ende aber hat es sich gelohnt. Der Bremer Ruderer Janek Hadamovsky hat einen neuen Weltrekord auf dem Ergometer aufgestellt.
04.01.2019, 20:48
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Von Sören Dannhauer
Wie Janek Hadamovsky den Weltrekord knackte

Janek Hadamowsky kann nach einer echten Tortur wieder lächeln. Der Weltrekord gehört dem Bremer.

Christina Kuhaupt

48 Stunden hat Janek Hadamovsky auf dem Ruder-Ergometer geplant. Der 18-jährige Vorzeigesportler des Bremer Ruder-Club Hansa wollte den bestehenden Weltrekord im Dauerrudern in der offenen Gewichtsklasse der U 20 von 44,5 Stunden übertreffen. In den ersten Minuten ist für den Nationalmannschaftsruderer der Jahre 2017 und 2018 alles wie bei einer normalen Trainingseinheit. Rudern auf dem Ergometer ist Tagesgeschäft. Normal sind jedoch nur Umfänge bis 1,5 Stunden. Die folgenden 46,5 Stunden sind allerdings eine neue Erfahrung. Doch am Ende hat es Hadamovsky geschafft: Eine Chronologie des neuen Weltrekords:

Zwei Stunden: Der Rücken meldet sich zum ersten Mal, leichtes Dehnen hilft. Zwei Stunden später kommt das Sitzkissen erstmals zum Einsatz, bald auch eine Faszienrolle.

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Sieben Stunden: Erstes Tief. Der Rücken schmerzt, die Sehnsucht nach den Pausen wird größer. Je Stunde dürfen maximal zehn Minuten geruht werden. Hadamovsky wird bis zum Ende den 50/10-Rhythmus beibehalten. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.

Viele Aktive begleiten den Rekordversuch und rudern ein Stück mit. Um 23 Uhr verabschiedet sich der letzte Mitruderer. Erst vier Stunden später, um drei Uhr nachts, kommt der nächste. Eve und Gerd Hadamovsky, die Eltern, bleiben zur Unterstützung da. Sie finden das Unterfangen verrückt, sind aber auch sichtlich stolz.

Rekord muss dokumentiert werden

Damit der Rekord anerkannt wird, muss er dokumentiert werden. Die Vorgaben kommen aus den USA. Der kleine Computer im Display des Ergometers speichert die Werte, zusätzlich werden diese auf einem USB-Stick abgelegt und jede Stunde macht Hadamovsky ein Beweisfoto. Er will jedes technische Risiko vermeiden.

16 Stunden: Fast 100 Kilometer sind geschafft. Um 6.05 Uhr fällt die Marke. Mit dieser Geschwindigkeit könnten es insgesamt fast 300 Kilometer werden. Eine Stunde später kommt das erste größere Tief. Hadamovskys Kopf wackelt nun öfter müde hin und her. „Das war ein kleines Delirium.“ Aber ans Aufhören habe er nicht gedacht.

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19 Stunden: Das Tief ist überwunden. Zwischendurch hat er pro Kilometer fast zehn Minuten benötigt. Nun ist ein Kilometer wieder in acht Minuten geschafft. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist jedoch deutlich gesunken.

26 Stunden: „Es geht auch darum, nicht so viel darüber nachzudenken, was man macht“, erklärt Hadamovsky live im Radio.

36 Stunden: Das Mitleid der Bremer Ruderer steigt in der zweiten Nacht. Es sind viele Unterstützer da, Junioren aus mehreren Vereinen und einige Ruderer der Bundesliga-Teams lassen sich blicken. Gemeinsam kämpft es sich einfacher gegen Müdigkeit und Erschöpfung.

Gespräch über die Mimik

Bereits gegen 23.30 Uhr sind 200 Kilometer erreicht. Im Display ist eine Uhr eingestellt, die rückwärts zählt. Nach 40 Stunden erlaubt sich Hadamovsky, an den Rekord zu glauben. Das Aufstehen in den Pausen ist inzwischen schmerzvoll. Als sein Vater fragt, was er anreichen soll, funktioniert das Gespräch vor allem über die seit 18 Jahren bekannte Mimik. Reden kostet Energie. Der frühe Morgen des zweiten Tages ist wieder zäh.

42 Stunden: Der Rekord ist nicht mehr weit weg, aber jetzt ist es richtig schwer. Es geht vor allem darum, in Bewegung und auf dem Sitz zu bleiben. Hadamovsky nickt ein, der Kopf fällt nach vorn. Er dämmert während des Ruderns weg, das Ergo bleibt aber in Bewegung. Es war die schwerste Zeit auf dem Weg zum Rekord, sagen die Eltern später.

Zwei Stunden später füllt sich der Kraftraum des Clubs. Etliche Bewunderer und Mitstreiter wollen miterleben, wie die alte Bestmarke fällt. Die Energie kehrt zurück. Hadamovsky sitzt wieder gerade und stabil und die Schläge werden wieder länger.

Den alten Rekord übertrumpfen

44,5 Stunden: Die Fans jubeln. Der Weltrekord fällt. 273 590 Meter hat der neue Weltrekordler inzwischen zurückgelegt. Er selbst freut sich auch, bleibt aber so geerdet wie all die Stunden zuvor: „Ich wusste ja schon ein paar Minuten vorher, dass es klappt. Daher hab‘ ich mich darauf konzentriert, dass ich noch ein bisschen mehr schaffen will.“ 48 Stunden sind das Ziel.

47,5 Stunden: Die Motivation lässt nicht nach. Hadamovsky überlegt, ob er in der letzten Stunde die Pause weglässt. Mit etwas mehr Druck an der Kette will er noch die 300 Kilometer vollmachen. Er verbessert seine Geschwindigkeit. Es klappt: 45 Sekunden bevor die Rekordfahrt vorbei ist, fällt die Marke von 300 Kilometern.

48 Stunden: Die Uhr auf dem Display ist abgelaufen. Die Rekordfahrt ging über 300 137 Meter und hat 25 525 Kalorien gekostet. Der Weltrekord steht wie angekündigt bei 48 Stunden. Janek Hadamovsky lächelt stolz.

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