Hamburg scheitert beim 1:3 gegen Hoffenheim an sich selbst – und ist längst nicht raus aus dem Abstiegskampf

Wieder mittendrin

Hamburg. Aaron Hunt hatte nach seinem 250. Bundesliga-Spiel keine Lust, über das Schicksal zu klagen.
20.03.2016, 00:00
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Von Hendrik Buchheister

Aaron Hunt hatte nach seinem 250. Bundesliga-Spiel keine Lust, über das Schicksal zu klagen. Oder aber über Schiedsrichter Knut Kircher, der bei der 1:3-Niederlage von Hunts Hamburgern gegen Hoffenheim tatsächlich ein paar fragwürdige Entscheidungen getroffen hatte. „Wenn man aus zwei, drei Metern die Bälle nicht reinbekommt, was soll man denn da machen?“, fragte der ehemalige Werderaner und kam zu dem Schluss, dass sich der HSV „fast schon wieder selbst geschlagen“ habe. So wie schon vergangene Woche beim 0:1 in Leverkusen. Hunts Interpretation fand keinen Widerspruch im HSV-Lager.

In der Tat hatten die Hamburger erneut eine dramatische Abschlussschwäche offenbart, die allerdings auch mit der herausragenden Leistung von Hoffenheims Torwart Oliver Baumann zu tun hatte. Allein zwischen der 50. und 60. Minute rettete Baumann dreimal – gegen Michael Gregoritsch, Lewis Holtby und wieder Gregoritsch. „Wir müssen im Training üben, vor dem Tor ruhig zu bleiben und die richtigen Entscheidungen zu treffen“, gab HSV-Verteidiger Matthias Ostrzolek den Lehrplan für die Länderspielpause vor.

Die Chancenverschwendung war auch deshalb entscheidend ins Gewicht gefallen, weil sich die Hamburger in der Defensive allerhand Aussetzer und Missgeschicke leisteten. Vor dem 0:1 durch den Elfmeter von Andrej Kramaric (20. Minute) schlug die Abseitsfalle des HSV fehl, Torwart René Adler brachte Kevin Volland recht plump zu Fall – und hatte Glück, dass Schiedsrichter Kircher von einer Roten Karte absah. Das 0:2 durch Vollands indirekten Freistoß in der 23. Minute wiederum kam zu Stande, weil Adler einen Rückpass von Ostrzolek mit der Hand aufgenommen hatte. Alle Parteien waren sich hinterher übrigens einig, dass Kircher den Freistoß nicht unbedingt hätte geben müssen.

Es entspricht der Wahrheit, dass die Hamburger beste Gelegenheiten auf mehr als Hunts zwischenzeitliches 1:2 in der 30. Minuten (durch einen mit bemerkenswerter Lässigkeit verwandelten Handelfmeter) hatten. Genau so hatte allerdings auch Hoffenheims Innenverteidiger Niklas Süle recht, als er angab, seine Mannschaft hätte „noch ein, zwei Tore mehr machen“ können. Denn hätten die Gäste ihre Konter in der Schlussphase konsequent genutzt, hätten sie dem HSV ein ähnliches Debakel beibringen können wie im August 2013, als es einen 5:1-Erfolg gab. „Es ist klar, dass das kein Sahnetag von uns war“, sagte Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann. Es war ein bemerkenswertes Statement – weil es auf einen ausgeprägten Perfektionismus schließen lässt.

Dabei hatten die Hoffenheimer ja allen Grund, die Heimreise zufrieden anzutreten. Nach dem vierten Sieg im siebten Spiel unter Nagelsmann hat die Mannschaft im Kampf gegen den Abstieg wieder alle Chancen, liegt nur noch einen Punkt hinter Werder und Darmstadt. Der jugendliche Coach ist auf bestem Weg, das Potenzial der Mannschaft voll zur Geltung zu bringen. „Wir strahlen wieder unsere wichtigste Tugend aus: die Torgefahr“, lobte Manager Alexander Rosen. Mit dem aus Leicester geliehenen Kramaric haben die Hoffenheimer zudem einen echten Glücksgriff getätigt. In Hamburg traf er zum vierten Mal seit seinem Wechsel in der Winterpause.

Der HSV dagegen hat in Pierre-Michel Lasogga nur noch einen Torjäger außer Diensten. Er saß wieder nur auf der Bank – und wurde erst eingewechselt, als es schon zu spät war. Seine Mannschaft muss sich nach dem achten sieglosen Spiel der Rückrunde so langsam wieder mit dem Abstiegskampf beschäftigen. „Wir sind wieder mittendrin. Es wird spannend bis zum Ende“, sagte Aaron Hunt. Auf diese Spannung aber hätten die Hamburger gerne verzichtet.

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