Fußball

Wilde Derby-Achterbahnfahrt

Sechs Tore, ein Platzverweis und viele Emotionen nach der Pause: Das 3:3 zwischen dem TSV Okel und dem SV Heiligenfelde hatte nach dem Seitenwechsel jede Menge zu bieten.
06.10.2019, 19:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Thorin Mentrup
Wilde Derby-Achterbahnfahrt

Kampf um jeden Zentimeter Boden: Nicht nur Heiligenfeldes Tobias Dickmann (vorn) und Okels Manuel Hopp schenkten sich in dieser Szene nichts.

Thorin Mentrup

Okel. 45 Minuten lang war das Stadtderby zwischen dem TSV Okel und dem SV Heiligenfelde in der Fußball-Bezirksliga ein Rohrkrepierer: Keine Chancen, keine Tore, wenig Tempo – das war nicht das, was sich die gut 150 Zuschauer auf der Anlage des TSV erhofft hatten. Doch nach dem Seitenwechsel wurden sie mit sechs Toren, mehreren Führungswechseln, einem Platzverweis und vielen Emotionen mehr als entschädigt. 3:3 endete das Derby. Die Punkteteilung stand den Okelern besser zu Gesicht als den Heiligenfeldern.

Diese Einschätzung teilten am Ende beide Trainer. „Das kann man so sagen“, fand Okels Lutz Schröder, während sein Heiligenfelder Pendant Torben Budelmann von einem eher schmeichelhaften Punktgewinn für die Gastgeber sprach. Die Gründe, warum es mit dem Sieg für sein Team nicht geklappt hatte, suchte der Coach bei seinem Team. „Wir haben es einfach nicht über die Zeit gebracht. Das hätte uns mit unserer Qualität gelingen müssen. Aber wir hatten heute ein paar viele individuelle Fehler drin“, sagte er.

Geschmeckt hatte ihm auch die Okeler Spielweise nicht. „Wir dürfen schon aufgrund der ersten Halbzeit nicht unentschieden spielen“, verwies er auf die destruktive Gangart der Gastgeber. „Wir haben bewusst auf Ballbesitz verzichtet“, fasste Schröder die ersten 45 Minuten zusammen, ein Derby-Schachspiel, das ausschließlich Einsatz kannte, aber keinerlei Torszenen. Heiligenfelde musste sich mühsam durch die Zweikämpfe nach vorn wühlen und arbeiten. Okel tat nichts für das Spiel, stand aber stabil – Schröder hatte nicht eine klare Torchance auf dem Zettel. Das war ein Teilerfolg für die Gastgeber.

Es passte zum Spiel, dass der erste Treffer nach einer Standardsituation fiel: Tobias Dickmann flankte auf den langen Pfosten, nur Marcel Albers agierte entschlossen – 0:1 (47.). Heiligenfelde hatte den Knoten gelöst. Das Ergebnis zwang Okel dazu, die defensiven Zügel zu lockern. „Die Jungs erkennen, wenn sie etwas falsch gemacht haben, und sind dann bereit, alles dafür zu tun, um den Fehler wieder auszubügeln. Das ist die Mentalität der Mannschaft“, erklärte Schröder, warum das Gegentor seiner Elf nicht zusetzte. Auch dank des eingewechselten Marvin Zwiebler gewann sie an Präsenz, aber auch an Wucht: So schüttelte der Angreifer auf rechts Albers ab, flankte nach innen, wo Volkmann ausglich – Okels prompte Antwort (53.). Und es kam noch besser für die Gastgeber: Als Roman Obst ein Luftloch schlug, war Volkmann auf und davon und im Abschluss cool wie immer. Spiel gedreht (57.). „Damit haben wir Okel richtig ins Spiel geholt“, ärgerte sich Budelmann.

Er musste sein Team aber auch loben für die starke Reaktion auf den Rückstand. Denn auch der SVH antwortete prompt: Nach einer schlauen Verlagerung hatte Joshua Brandhoff mal ein bisschen Raum und flankte scharf vor das Tor, wo Björn Isensee per Kopf ausglich (64.). Doch die wilde Derby-Achterbahnfahrt war noch lange nicht vorbei. Das Spiel gönnte sich keine Verschnaufpause: Isensee verpasste per Volleyabnahme den Doppelpack um Zentimeter (66.). Trotzdem jubelten die Heiligenfelder kurz darauf: Clemens Backhaus und Manuel Hopp waren nicht entschlossen genug, Dickmann, zuvor klar gehalten, traf im Liegen (67.). Auf einmal war der SVH wieder vorn. Doch Okel war nicht gebrochen: Per Strafstoß markierte Volkmann seinen dritten Treffer (79.). Zuvor hatte Tristan Godesberg das Solo Marlon Reyhers äußerst unsanft gestoppt und die Rote Karte gesehen. „Zurecht“, wie Budelmann fand. Aber wer Godesberg nach dem Schlusspfiff auf die Stelle deuten sah, wo er gefoult haben wollte, der sah auch, wie umstritten die Elfmeterentscheidung war. Der Verteidiger zeigte auf eine Spur, die einen knappen Meter vor dem Strafraum lag. Okels Derbyheld Volkmann war das egal. „Danach mussten wir uns erst einmal im Zaum halten, um nicht zu emotional zu spielen und noch zu verlieren“, wusste Schröder um den schmalen Grat, auf dem seine Elf in Überzahl wanderte. Der SVH hätte durch Isensee beinahe noch den Lucky Punch gelandet, doch Keeper Lucas Feldmann warf sich in den Schuss des Offensivmannes. Einen späten Sieg hätten die Gäste allzu gern mitgenommen. „Aber in Okel werden sich noch einige schwer tun“, wusste Budelmann. Und die Gastgeber? Die feierten sich, während Schröder die Gesamtsituation nicht aus dem Blick verlor: „Nach zwei Nullrunden zuvor war das heute ganz wichtig.“

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