Fußball Vom runden Leder zur gelben Filzkugel

Der Martfelder Wilken Harf sorgte einst als Fußballer für Furore und schaffte es weit über die Kreisgrenzen hinaus. Heute engagiert er sich im Tennissport - und hat beim TSV Martfeld große Pläne.
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Von Sven Hermann

Martfeld. Als Fußballer brachte es Wilken Harf sehr weit, durchlief im Jugendbereich des SV Werder Bremen etliche Stationen und spielte später als Profi in der damals drittklassigen Regionalliga für renommierte Traditionsvereine wie den VfB Lübeck oder Preußen Münster. Die letzten Jahre seiner aktiven Laufbahn ließ der Martfelder beim TSV Melchiorshausen und SV Bruchhausen-Vilsen ausklingen, ging danach noch für die Ü32 des SV Werder auf Torejagd. Zwar liegt sein Pass noch bei der Ü40 des Bundesligisten, doch Harf hat mittlerweile seinen Hauptfokus auf eine andere Sportart gelegt. So engagiert er sich bei seinem Heimatverein TSV Martfeld als Aktiver der ersten Herren und als Jugendwart in der Tennissparte.

Es ist jedoch nicht so, dass der 45-Jährige die Sportart neu für sich entdeckt hat, denn Tennis hat er neben dem Fußball immer gespielt. „Im Tennisbereich des TSV tummelt er sich seit zwei bis drei Jahren herum. Seit gut einem Jahr bekleidet er den Posten des Jugendwarts. Er ist in der Sparte Tennis mega aktiv, sorgt dafür, dass viele neue Kids rankommen. Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit“, lobt Torsten Tobeck, Spartenleiter der TSV-Tennisabteilung, das Engagement Harfs, das auch im Herrenbereich für Erfolg sorgte. Die erste Mannschaft will nach gelungenem Aufstieg jetzt auch den nächsten Schritt, der dann auf Bezirksebene führen würde, realisieren. „Auch hier hat Wilken gute Spieler, wie beispielsweise Andree Meyer vom Barrier TC, dazugeholt“, sagt Tobeck.

Doch auch der einstige Fußballer selbst weiß mit der gelben Filzkugel gut umzugehen. Bei einem Prominentenmatch, das Harf anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Tennissparte im Sommer 2019 organisierte, schlug er den ehemaligen Werder-Profi Ivan Klasnic in einem spannenden Satz knapp. „Ivan hat unheimlich viel Ballgefühl. Dazu herrschten bei dem Spiel Temperaturen um die 40 Grad“, erinnert sich Harf an die gelungene Veranstaltung. Darüber hinaus organisierte er Tenniscamps und Spieletage, nach denen ebenfalls einige Kinder bei seinem Sport hängengeblieben sind. „Du musst immer aktiv sein, um die Kinder und Jugendlichen an den Verein zu binden“, glaubt der einstige offensive Mittelfeldspieler.

Während seiner früheren Station beim VfL 93 Hamburg, bei dem Harf von 1996 bis 1998 agierte und von der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein in die Regionalliga aufstieg, lernte er den späteren Doublesieger Klasnic, der an der Seite von Ailton im Angriff der Werderaner für Furore sorgte, kennen. Der Kroate spielte damals noch in der A-Jugend des FC St. Pauli, kam dabei auch häufiger bei den Herren zum Einsatz.

Bei einem Freundschaftsspiel, bei dem VfL 93 auf die Kiezkicker traf, lernten sich Harf und Klasnic kennen, trafen sich später bei einer Abschlussfahrt, die beide Teams auf Mallorca führte, wieder. „Später sind wir uns auch bei Spielen der Werder-Traditionself begegnet und sind in Kontakt geblieben“, erzählt Harf, der im D-Juniorenbereich vom seinem Heimatverein TSV Martfeld zum SV Werder wechselte. „Bei den D-Junioren habe ich in einer Saison bei Werder weit über 100 Tore erzielt. Ein Rekord, der laut meines einstigen Coaches Klaus-Jürgen Witt in Werders-D-Juniorenbereich auch heute noch Bestand haben soll“, schildert Harf seine ganz eigenen Bestmarke.

Fast die gesamte Jugendzeit verbrachte das Offensivtalent bei den Grün-Weißen. Im letzten Halbjahr seiner A-Juniorenzeit verschlug es Harf dann zum damaligen Niedersachsenligisten TSV Verden, auch weil Werders damaliger Trainer Otto Rehhagel mehr auf erfahrenere Akteure als auf die Jugend setzte. Beim TSV wurde er sofort Stammspieler. Andere Vereine wurden auf ihn aufmerksam und so führte der Weg zunächst zum VfL 93, wo Bastian Reinhardt, der später als Profi bei Hannover 96, Arminia Bielefeld und dem HSV Bekanntheit erlangte, sowie Marinus Bester, der beim HSV und auch bei Werder agierte, zwei seiner Weggefährten waren.

Mit guten Leistungen beim VfL 93 geriet Harf schnell ins Visier anderer Klubs. So warben im Jahr 1998 der HSV, der FC St. Pauli und der VfB Lübeck um ihn. Er entschied sich für ein Engagement in Lübeck und schaffte damit den Weg in den bezahlten Fußball. „Zuvor beim VfL 93 hatte ich noch im Im- und Exportbereich gearbeitet und vier Mal die Woche trainiert. Beim HSV und St. Pauli erhielt ich lediglich ein Angebot als Vertragsamateur, in Lübeck dagegen als Vollprofi. Darüber hinaus haben sich die Lübecker und deren damaliger Coach Uwe Erkenbrecher richtig um mich bemüht. Die Lübecker waren gerade aus der zweiten Liga abgestiegen, hatten ein gutes Konzept. Außerdem haben mich das tolle Umfeld und die gute Atmosphäre an der Lohmühle beeindruckt. Die Lübecker Fans haben mich besonders gut aufgenommen, da ich mich für den VfB und nicht für den HSV oder St. Pauli entschieden habe“, berichtet Harf.

Drei ereignisreiche Jahre an der stimmungsvollen, traditionsreichen Lohmühle folgten. Während dieser Zeit spielte der Verein in der Regionalliga immer oben mit, verpasste im ersten Jahr nur haarscharf den Aufstieg in die zweite Liga. Bernd Heemsoth, Michael Spieß oder Holger Wehlage waren hier Teamkollegen von Harf, dem die Auftritte in den stimmungsvollen Stadien an der Hamburger Straße bei Eintracht Braunschweig oder an der Bremer Brücke beim VfL Osnabrück in bester Erinnerung geblieben sind. Genauso wie die Spiele im DFB-Pokal, in denen sich Harf und der VfB Lübeck mit dem VfB Stuttgart, Hannover 96, Waldhof Mannheim und dem MSV Duisburg messen konnten. „Stuttgart ist an der Lohmühle mit Krassimir Balakow und Thomas Berthold angetreten. Gegen Waldhof habe ich damals sogar einen Treffer erzielt und wir sind weitergekommen“, erzählt Harf.

In seinen letzten Monaten beim VfB spielte er unter Coach Dieter Hecking. Sein Förderer Erkenbrecher, der einem Angebot des Zweitligisten Spielvereinigung Greuther Fürth gefolgt war, wollte ihn auch in den Süden locken. „Ich bin mit meinem Berater von Hamburg nach Nürnberg geflogen, habe mich dort mit Erkenbrecher, dem damaligen Fürther Präsidenten Helmut Hack und einem weiteren Fürther Mannschaftsverantwortlichen getroffen“, blickt der Martfelder auf spannende Momente zurück. „Hack hatte die absolute Macht bei Greuther Fürth und wollte mich unbedingt nochmal unter die Lupe nehmen. Bei diesem Spiel auf Schnee bei Erzgebirge Aue habe ich dann eine ganz schlechte Leistung gezeigt, sodass ein Vertrag bei den Fürthern nicht zustande kam“, berichtet Harf von seiner verpassten Chance, als Profi in die zweite Liga aufzusteigen. „Dabei hatte ich mir zusammen mit meinem Mannschaftskollegen und Torhüter Raphael Schäfer, der genau zu diesem Zeitpunkt vom VfB Lübeck zum 1. FC Nürnberg wechselte, schon eine gemeinsame Wohngemeinschaft in Nürnberg ausgemalt“, ergänzt er schmunzelnd.

Sein Schritt in Liga zwei hätte eigentlich bei Preußen Münster folgen sollen, Harfs nächster Station. „Preußen stand 2001 dicht vor dem Aufstieg aus der Regionalliga in die zweite Liga und verspielte diesen im Saisonschlussspurt. Ich hatte mich mit dem damaligen Preußen-Coach Stefan Grädler zuvor auf der Raststätte Dammer Berge getroffen und es kam zum Wechsel. Doch Münster stieg nicht auf, ich blieb also in der dritten Liga“, sagt Harf, der in seinen drei Jahren bei Preußen mehrere Trainer erlebte, darunter mit Peter Vollmann auch den heutigen Sportdirektor von Eintracht Braunschweig.

Auch im Preußen-Trikot hatte er tolle Erlebnisse. „Besonders in Erinnerung ist mir unter anderem ein Auftritt im alten Hamburger Millerntor-Stadion geblieben: Dort trennte ein durchsichtiger Zaun den Spielertunnel und die Stadionkneipe. Als Spieler musstest du dann an den bereits angeheiterten St. Pauli-Fans vorbei.“

Aus sportlicher Sicht sei die Zeit in Münster insgesamt eher ein Rückschritt gewesen. Im privaten Bereich dagegen war sie ein voller Erfolg. „Ich habe dort ich meine jetzige Frau Kathrin kennengelernt, die damals in meiner Nachbarschaft wohnte und in Münster studierte“, verrät Harf.

In den Endzwanzigern stand er vor einer schwierigen Entscheidung: weiter Profifußball oder doch eine Neuorientierung? Harf entschied sich für die zweite Variante und leitete die nächste berufliche Episode ein. Einem Traineeprogramm im Finanzdienstleistungsbereich folgte eine Ausbildung zum Versicherungsfachmann. Er und seine Kathrin blieben noch einige Jahre in Münster, Harf spielte für die unterklassigen Vereine 1. FC Gievenbeck und TuS Hiltrup. Dann fiel der Entschluss, nach Bremen umzuziehen. Der ehemalige Profi heuerte zunächst beim damaligen Bremen-Ligisten TSV Melchiorshausen an, der von Markus Hoßfeld und Torsten Degenhardt trainiert wurde, ein Jahr später dann beim SV Bruchhausen-Vilsen unter Trainer Wilfried Feldhaus und später dann Uwe Sieling.

Bei der Ü32 des SV Werder ließ Harf seine Laufbahn als Fußballer ausklingen, wurde mit der Mannschaft Bremer Meister und qualifizierte sich für Endrunde der Deutschen Meisterschaft, bei der das Team in Großaspach jedoch frühzeitig ausschied.

In Bremen kamen dann auch die Söhne Johann (7) und Henri (4) zur Welt, vor dreieinhalb Jahren zog Harf schließlich mit seiner Familie in ein eigenes Haus aufs Land in seine alte Heimat Martfeld zurück. Sie wohnen seinen Eltern nun direkt gegenüber. Fußball spielt Harf mittlerweile seltener, ab und zu in Werders Traditionself oder aber in einer Kickrunde bei den Grün-Weißen und pflegt dabei seine alten Kontakte. „Das ist ein tolles Netzwerk. Ich kenne viele alte Werderaner und treffe sie dort. So auch meine Ex-Trainer Thomas Wolter und Mirko Votava“, sagt Harf. Zurück in Martfeld entflammte schnell wieder die alte Liebe zum Tennissport, der neuen sportlichen Leidenschaft im Leben von Wilken Harf. „Sport verbindet und bringt einem so viel im Leben. Davon zehrt man“, schwört er.

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