Nachgefragt: Wildeshausens Mittelfeldmotor Jan Lehmkuhl über die Stärke, entscheidende Spiele zu gewinnen „Wir haben viel Selbstvertrauen getankt“

Herr Lehmkuhl, der 2:1-Sieg gegen den VfR Voxtrup war enorm wichtig. Wie haben Sie das Spiel gesehen?Jan Lehmkuhl: Wir sind eigentlich ganz gut reingekommen und hatten auch Chancen auf die Führung. Aber dann ist es immer schwerer geworden.
25.04.2017, 00:00
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„Wir haben viel Selbstvertrauen getankt“
Von Michael Kerzel

Herr Lehmkuhl, der 2:1-Sieg gegen den VfR Voxtrup war enorm wichtig. Wie haben Sie das Spiel gesehen?

Jan Lehmkuhl: Wir sind eigentlich ganz gut reingekommen und hatten auch Chancen auf die Führung. Aber dann ist es immer schwerer geworden. Ich weiß nicht, ob es vielleicht Kopfsache war, aber wir haben uns nicht mehr viel zugetraut. Wir haben keine Kurzpässe mehr gespielt, sondern auf lange Bälle gesetzt. Und das war genau das Spiel von Voxtrup. Das ist denen entgegengekommen, und sie haben das 1:0 gemacht.

Ihr Trainer Marcel Bragula hat eine desolate erste Hälfte gesehen. Stimmen Sie zu?

Ja. Einige Spieler waren in der ersten Hälfte emotionslos. Ich will mich da auch nicht rausnehmen.

Wie hat das Team die Kurve in dem Spiel bekommen?

Die Ansprache von Marcel in der Halbzeit war laut. Und das auch völlig zu Recht. Dazu haben die Wechsel gefruchtet. Das hat auch gegen Kickers Emden schon gut geklappt und ist vielleicht auch ein bisschen der Unterschied zur Hinrunde. Maxi (Maximilian Seidel, Anmerkung der Redaktion) hat richtig frischen Wind reingebracht. Wir haben dann einen berechtigten Elfmeter bekommen, das ist natürlich auch ein bisschen Glück. Nach dem Ausgleich war es ein offenes Spiel. Wir haben auf Sieg gespielt und sind ins Risiko gegangen. Das hat sich mit dem Tor in der letzten Minute ausgezahlt. Kurz vorher hätte Voxtrup aber auch das 2:1 machen können. Dann wäre es für uns richtig eng geworden.

Sie haben die Verantwortung übernommen und den Elfmeter geschossen. War die nervliche Anspannung in der Situation besonders hoch?

Nein, eigentlich nicht. Da vertraue ich schon auf meine eigene Stärke. Ich habe in dieser Saison zwar noch keinen Elfmeter geschossen, aber einige in der Vorbereitung getroffen. Ich kenne meine genaue Quote nicht, aber die Mehrzahl geht rein.

Kurz vor dem 2:1 haben Sie eine Gelb-Rote Karte bekommen. Berechtigt?

Sie war unnötig. Die erste Gelbe Karte muss man nicht geben. Es war eigentlich ein normaler Zweikampf, aber der Schiedsrichter hat das wohl als taktisches Foul gewertet. Bei der zweiten Karte kommt Voxtrup über die rechte Seite durch. Das hätte gefährlich werden können. Ich habe meinen Körper reingestellt, der Schiedsrichter hat das wieder als taktisches Foul gewertet. Ich habe mich über den Platzverweis geärgert, aber im Mittelfeld gibt es viele Zweikämpfe, und da passiert das schon mal.

Am Mittwoch geht es gegen den SV Hansa Friesoythe. Unterstützen Sie die Mannschaft, obwohl Sie gesperrt sind?

Natürlich. Ich sehe es als Pflicht, auch in so einem Fall dabei zu sein. Das verlange ich von jedem Spieler, der gut ins Team integriert ist. Ich werde versuchen, die Mannschaft zu motivieren.

Der Gegner steht knapp über dem Strich. Eigentlich muss Wildeshausen gewinnen, um in der Liga zu bleiben, oder?

Das Spiel ist schon extrem wichtig. Ich denke aber, dass wir auch bei einem Unentschieden noch im Rennen wären. Wir haben jetzt zwei Auswärtsspiele. Davon müssen wir eines gewinnen. Ich gehe davon aus, dass wir mit vier Siegen aus den letzten sechs Spielen in der Liga bleiben.

Hält der VfL dem Druck stand?

Wir haben als Team schon viele Extremsituationen überstanden. Letzte Saison mussten wir gegen SC Türkgücü Osnabrück gewinnen, sonst wären wir da schon abgestiegen. Im Jahr davor durften wir gegen Atlas nicht verlieren, sonst wären wir nicht aufgestiegen. Und wir haben in dem Spiel zurückgelegen.

Gegen Kickers Emden und gegen Voxtrup gab es zuletzt zwei Heimsiege. Jetzt muss der VfL auswärts ran. Ein Nachteil?

Wir haben viel Selbstvertrauen getankt durch die beiden Heimsiege. Dadurch haben wir das Rennen um die Nichtabstiegsplätze noch heißer gemacht. Aber es war schon letzte Saison unser Problem, dass wir auswärts zu wenig Punkte geholt haben. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, woran das liegt. Wir haben kein anderes Aufwärmprogramm, und auch an der Motivation liegt es nicht. Wir müssen jetzt auswärts punkten.

Ändert sich die Spielweise, da Wildeshausen noch vier Spiele gewinnen muss, wie Sie sagen?

Wir müssen natürlich ein gewisses Risiko gehen. Gegen Voxtrup gab es am Ende einen Schlagabtausch. Aber ein Spiel ist lang genug, dass man das auch so gewinnen kann.

Hansa Friesoythe hat in den letzten Spielen überzeugt, unter anderem gegen Kickers Emden gewonnen und beim SV Atlas ein Unentschieden geholt. Schauen Sie auf die Stärke des Gegners?

Die hat man ein bisschen im Hinterkopf. Wir haben Emden und Atlas geschlagen. Das zeigt die Ausgeglichenheit der Liga. Es hängt meistens von der Tagesform ab.

Das Interview führte Michael Kerzel.

Zur Person

Jan Lehmkuhl agiert beim VfL Wildeshausen als Strippenzieher im Mittelfeld. Der 24-Jährige ist einer der Führungsspieler des Fußball-Landesligisten und hat in den vergangenen Jahren mit dem VfL diverse „Alles oder nichts“-Partien erlebt. Derzeit rangiert Wildeshausen auf einem Abstiegsplatz – trotz des Sieges am Wochenende gegen den direkten Konkurrenten VfR Voxtrup. Am Mittwoch steht der nächste Abstiegskrimi gegen den SV Hansa Friesoythe an.
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