Interview mit Neerstedts Trainer Dag Rieken "Wir müssen an uns glauben"

Landkreis Verden. Der Trainer des TV Neerstedt, Dag Rieken, hat sich nach dem Sieg seiner Mannschaft gegen die SG Achim/Baden hochzufrriesen gezeigt. Anspruch auf eventuelle Titelambitionen leitet er im Interview mit Redakteur Rainer Jüttner aber nicht ab.
25.01.2011, 05:00
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Landkreis Verden. Spiele gegen die SG Achim/Baden wurden für die Handballer des TV Neerstedt in schöner Regelmäßigkeit zu traumatischen Erlebnissen. Denn egal, in welcher Liga die beiden Mannschaften zuletzt aufeinandertrafen - das Team aus dem Landkreis Verden hatte stets die Nase vorn. Diesen Bann durchbrach die Mannschaft des Neerstedter Trainers Dag Rieken jetzt.

Und wie: Das jüngste 35:24 glich für die Fans des Spitzenreiters schon eher einer Demütigung. Auch der 40-jährige Sportlehrer war mit der Vorstellung seiner Mannschaft natürlich hochzufrieden, leitet daraus aber keinen Anspruch auf eventuelle Titelambitionen ab. Über die Entwicklungsfähigkeit des TV Neerstedt und seine eigenen Perspektiven sprach Dag Rieklen mit unserem Redakteur Rainer Jüttner.

Herr Rieken, der Sieg über Achim/Baden war mindestens der Coup des Monats. Was haben Sie mit ihren Spielern während der Winterpause angestellt?

Dag Rieken: Wir haben erst einmal eine vernünftige Pause gemacht. Das war ganz wichtig. Und dann haben wir uns natürlich intensiv vorbereitet.

Was war diesmal anders?

Ich habe bewusst unsere eigenen Ansprüche thematisiert. Zwar können wir auf der einen Seite mit dem Erreichten zufrieden sein, aber wenn wir von uns wirklich meinen, dass wir in die Spitzengruppe gehören, dann müssen wir auch einmal in der Lage sein, einen Gegner vom Kaliber einer SG Achim/Baden zu schlagen. Wir müssen an uns glauben.

D as hat ja ziemlich gut geklappt. Was waren für Sie die entscheidenden Gründe?

Das war sicherlich kein Sieg der Tatktik, sondern ein Sieg der Einstellung der Spieler. Vielleicht hat uns der Gegner ja auch zumindest im Unterbewusstsein unterschätzt. Das wäre uns in der Position von Achim/Baden sicherlich nicht anders gegangen. Und da haben wir eben von Anfang an die richtige Einstellung gezeigt, und der Gegner konnte sich somit nie richtig entfalten. Aspekte wie Deckungsformationen oder Strategie waren da nur Beiwerk. Diesmal lag es ganz klar an der richtigen Motivation.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber, dass die Mannschaft in dieser Saison nicht immer die richtige Einstellung an den Tag gelegt hat.

Insgesamt ist die Motivation aber in Ordnung. Auch wenn wir gerade in den Spielen gegen Habenhausen oder Wilhelmshaven und zur Hälfte auch gegen Cloppenburg sicherlich etwas gefehlt hat. Grundsätzlich bin ich mit der Einstellungsfähigkeit der Mannschaft zufrieden. Aber noch sind wir noch soweit, dass über die gesamte Saison auf diesem hohen Niveau zu halten.

Welche Spieler haben Sie in Ihrer Mannschaft gegen Achim/Baden besonders überzeugt?

Wie meistens basieren solche Leistungen ja auf dem optimalem Zusammenspiel der gesamten Mannschaft. Aber natürlich ragte gegen Achim/Baden ein Maik Haverkamp heraus, und dass nicht nur allein wegen der sieben gehaltenen Siebenmeter. Aber sicherlich gehören auch ein Malte Grotelüschen in der Abwehr oder ein Carsten Frerichs in der Positionsverteidigung dazu. Nach der Pause gingen zum Beispiel auch gute Impulse von Christoph Stüve aus. Auch die A-Jugendlichen Jan Lehmkuhl und Hendrik Sander haben überzeugt, und letztlich natürlich auch wieder ein gewohnt sicherer Tim Schulenberg.

Waren Sie von der SG Achim/Baden enttäuscht?

Unsere eigene Stärke gab den Ausschlag. Wir hatten uns fest vorgenommen, den Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassemn. Und da gerät mit zunehmender Spieldauer sogar die Selbstsicherheit der SG Achim/Baden ins Wanken. Wir haben dem Gegner den Schneid abgekauft. Das war unser Verdienst, denn wir haben an uns geglaubt. Darum hat Achim/Baden aus meiner Sicht auch nicht enttäuscht.

Welche Auswirkungen hat dieser Sieg auf die sportliche Zielsetzung?

Erst einmal gar keine. Das war ein geiles Spiel vor tollem Publikum in einer super Atmosphäre, und das werde ich der Mannschaft auch vor dem nächsten Training sagen. Aber jetzt bereiten wir uns auf das nächste Spiel am Donnerstag in Grambke vor. Das wird schwer genug, denn jetzt erwartet natürlich jeder von uns wieder einen klaren Sieg. Da wären wir schlecht beraten, wenn wir uns jetzt darauf ausruhen. Das Selbstbewusstsein nehmen wir gerne mit, der Rest ist wieder harte Arbeit.

Harte Arbeit, um dann wieder voll ins Aufstiegsgeschäft einzusteigen?

Natürlich wollen wir erst einmal jedes Spiel gewinnen. Wenn das gelingt, sind wir ganz oben dabei, aber wir haben keinen Druck. Letztlich bleibt für mich Achim/Baden aber der Topfavorit. Das ist die stabilste Mannschaft mit dem besten Kader. Aber wenn sich uns eine Möglichkeit bietet, würden wir die natürlich am Schopfe packen. Es wäre jetzt aber sicherlich verfrüht, da schon Genaueres zu sagen.

Genaueres können Sie aber ja vielleicht schon über Ihre eigenen Perspektiven berichten. Sie hatten sich hinsichtlich der nächsten Saison ja noch Bedenkzeit erbeten.

Da habe ich mich jetzt entschieden und Vorstand und Mannschaft bereits vor dem Achim/Baden-Spiel meine Zusage gegeben. Ich mache weiter.

Eine Ihrer vorrangigen Ziele war es ja, die talentierten A-Jugendlichen in der Mannschaft zu halten. Wie weit sind da die Gespräche vorangekommen?

Auch da gibt es Positives zu berichten. Jan und Ole Lehmkuhl haben bereits ihre festen Zusagen für die kommende Saison gegeben. Sie sind wichtige Pfeiler unserer Planungen und besitzen großes Potenzial. Überhaupt sind wir ja auf einem guten Weg, die Jugendlichen ins Team einzubauen, wie zum Beispiel ja jetzt gegen Achim/Baden.

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