Jugend trainiert für Olympia

„Wir sind die Elefanten und machen die platt“

Vor 20 Jahren gewann eine Fußballmannschaft der Realschule an der Königsberger Straße die Niedersachsenmeisterschaft. Und auch beim Bundesfinale fehlte nicht viel für eine Top-Platzierung.
16.10.2019, 15:03
Lesedauer: 3 Min
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„Wir sind die Elefanten und machen die platt“
Von Michael Kerzel
„Wir sind die Elefanten und machen die platt“

Diese zehn Männer – und noch eine Handvoll weiterer – holte vor 20 Jahren die Niedersachsenmeisterschaft im Rahmen von "Jugend trainiert für Olympia". Und selbst beim Bundesfinale verhinderte letztlich nur ein Fehler eine Top-Platzierung.

INGO MÖLLERS

Es gibt immer wieder Ansprachen und Reden, die in Erinnerung bleiben. Für die Fußballmannschaft der Realschule an der Königsberger Straße sind es Worte von Kilian Begemann. Er selbst war vor 20 Jahren Schüler an der Realschule, seine fußballerisch talentierteren Klassen- und Jahrgangskameraden kämpften seinerzeit auf dem Rasen um den Titel der besten Schul-Fußballmannschaft Niedersachsens. Begemann betreute sie und gab unter anderen einen Satz im Vorfeld der Spiele gegen die favorisierten Gegner beim Landesfinale zum Besten. „Die Anderen, das sind die Löwen. Die beißen. Wir sind die Elefanten und machen die platt“. Die Ansprache wirkte: Die Delmenhorster setzten sich gegen Vertreter aus den Bezirken Lüneburg, Braunschweig und Hannover durch und holten den Titel im Rahmen von „Jugend trainiert für Olympia“. Damit qualifizierten sich die Realschüler für den Bundesentscheid in Berlin. Weder vorher noch nachher gelang das einer anderen Delmenhorster Fußballmannschaft.

20 Jahre ist das mittlerweile her und kürzlich trafen sich zwölf der Ehemaligen zu diesem Jubiläum im Restaurant Serres und tauschten Anekdoten und Erinnerungen aus. Stück für Stück wurden die Partien auf dem Weg nach und in Berlin zusammengebastelt. Los ging es mit der Delmenhorster Schulmeisterschaft. „Da haben wir nur 1:0 gegen das Max-Planck-Gymnasium gewonnen, die anderen Spiele waren klare Dinger“, erinnert sich Tammo Renken. Auch in der nächsten Runde in Brake auf Kunstrasen hielt niemand die Delmestädter auf, ebenso gewannen sie ein folgendes Entscheidungsspiel um den Weser-Ems-Titel in Marienhafe – und so ging es nach Barsinghausen.

Die Mannschaft mit Akteuren aus den Geburtsjahrgängen 82 bis 84 bestand in erster Linie aus Fußballern des TV Jahn und des Delmenhorster TB, zudem brachten Christoph Pospich, Timo Petersen und Tobias Kanzok Erfahrung aus der Jugendabteilung Werder Bremens mit. „Die drei waren unsere zentrale Achse“, berichtet Renken. Die ganze Truppe trat unbekümmert auf. Die gegnerischen Teams haben sich vernünftig warm gemacht, die Delmenhorster daddelten vor den Spielen herum. Zwei Siegen in den ersten beiden Partien reichten in Barsinghausen bereits für den Gesamtsieg in Niedersachsen, im abschließenden Match gegen den Vertreter Hannovers ging es um nichts mehr, dennoch blieb die Niederlage in Erinnerung. „Ich habe da das schönste Tor meiner Karriere gemacht“, erzählt Tim Lange. Wenn die Erinnerungen von ihm und seinen Teamkameraden nicht trügen, lief er fast über das ganze Feld und jagte das Leder mit dem Außenrist in die Maschen. Letztlich qualifizierten sich die Delmenhorster gegen die Konkurrenten, bei denen diverse Spieler von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig in den Kadern standen, für Berlin.

Dort wurden die Kontrahenten nicht gerade schwächer. „Ich weiß noch, wie jemand von den Schleswig-Holsteinern uns gefragt hat, wie viele Leute wir auf der Schule sind. So etwa 200 hab ich geantwortet. Er: Oh. Das sind dann aber alles Fußballer. Ich: Ne, eigentlich sind das nur wir 16“, erzählt Renken lachend. Die Verwirrung seines Gegenübers rührte daher, dass sich neben den Königsbergern vor allem große Sportschulen qualifiziert hatten. Schleswig-Holstein schickte eine 16-köpfige Auswahl aus 1700 Schülern mit Schwerpunkt Sport und oft dann noch Fußball. „Die haben erzählt, dass sie viermal in der Woche zusammen in der Schule trainieren und es dazu noch Einheiten bei Holstein Kiel gibt. Wir hatten eine Fußball-AG, die mittwochs angeboten wurde“, berichtet Michael Schönwälder.

Das Bundesturnier begann gut für Delmenhorster: Gegen Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz holte die Truppe vier Punkte, ein weiterer Zähler gegen Schleswig-Holstein im abschließenden Gruppenspiel hätte genügt. Kurz vor Schluss stand es 1:1 – und dann machte ein Luftloch des letzten Mannes den Einzug unter die Top acht zunichte. Endstand: 1:2. Wer genau den entscheidenden Bock schoss, konnten die Protagonisten 20 Jahre später nicht mehr genau erinnern. Nach einigen mit Kraftausdrücken gespickten Ausrufen, fasste es Timo Petersen diplomatisch zusammen: „Wir sind durch selbst verschuldete Fehler ausgeschieden.“

Und so ging es am Folgetag nur noch um die Plätze neun bis 16. Die Delmenhorster nutzen das, um in Berlin loszuziehen und zu feiern. Am nächsten Morgen – der ein oder andere der Königsberger Schüler kroch gerade aus dem Bett oder gerade erst wieder rein – sahen sie die Sachsen-Anhaltiner: Diese machten sich gerade auf die morgendliche Joggingrunde. Auch das zeigt noch mal den unterschiedlichen Ansatz. In der Platzierungsrunde war für die Delmestädter die Luft raus, lediglich einmal noch gewannen sie: Im Spiel um Platz 15 gegen Bremen – unter den Augen des langjährigen Werder-Managers Willi Lemke.

Letztlich bleibt der größte Erfolg einer Delmenhorster Schul-Fußballmannschaft sowie die Erinnerung der Beteiligten an die Turniere. Und natürlich an Begemanns Worte. „Ich denke bei Kilian immer nur an Löwen und Elefanten“, erzählt Petersen.

Kader: Francis Penderak – Martin Kajdzik, Maurice Jordan, Tim Lange, Timo Petersen, Sebastian Bothe, Philipp Pospich, Tobias Kanzok, Nikolai Paasch, Christoph Pospich, Tammo Renken, Michael Schönwälder, Florian Müller, Björn Brode, Sven Schlundt, Benjamin Martschin und Hendrik Würdemann.

Trainer/Betreuer: Sportlehrer Rolf Mönchmeier und Schüler Kilian Begemann.

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