„Wir werden die Zügel anziehen“

Sie haben mit dem Team Ars Nova den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft.
26.05.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Sabine Lange
„Wir werden die Zügel anziehen“

Tanzen von Totth

Picasa und frei, frei

Sie haben mit dem Team Ars Nova den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. War der Sieg in der Relegationsrunde eine Überraschung für Sie?

Lars Tielitz von Totth: Ich war vor allen Dingen über die Klarheit des Ergebnisses überrascht. Ich hatte schon eine Platzierung in den Medaillen-Rängen erwartet, nachdem wir uns als Gewinner des Nordbereichs qualifiziert hatten. Im Norden herrscht eine hohe Leistungsdichte. Wenn man sich hier durchsetzen kann, wird man bundesweit auch nicht so schlecht liegen. Schon nach der Vorrunde zeichnete sich im Feedback ab, dass wir gute Chancen haben würden, das Turnier zu gewinnen. Für mich ging es dann zum Finale eher darum, die Mannschaft gut einzustellen, sodass sie nicht auf den letzten Metern noch ins Straucheln kommen würde. Das hat offensichtlich gut geklappt.

Was war ausschlaggebend für die gute ­Wertung?

Wir vertreten ein ganz eigenes Trainingskonzept, welches sich nicht nur von Saison zu Saison hangelt, sondern in dem wir ­unsere Talente über viele Jahre hinweg tänzerisch entwickeln. Wir investieren neben der Leistungssteigerung innerhalb der Mannschaft viel Zeit in die individuelle Entwicklung unserer Tänzerinnen und Tänzer. Das können auf diesem Niveau nur wenige Vereine in der Region leisten. Dieses Konzept hat sich ausgezahlt. Ich denke, dass wir durch eine hohe Flächendynamik sowie einer rhythmisch anspruchsvollen Choreografie punkten konnten. Wir haben als Mannschaft den Willen gezeigt, den Sieg für uns beanspruchen zu wollen. Es kam einfach alles zusammen, und das wurde von den Wertungsrichtern honoriert.

Gibt es eine neue Choreografie für die 2. Bundesliga?

Das war tatsächlich eine Diskussion und wir haben uns ganz klar für eine neue Choreografie ausgesprochen. Der Grund ist einfach der, dass wir in den letzten zwei Jahren, in denen wir „Counting Stars“ vertanzt haben, viel dazugelernt haben. Wir wollen uns weiterentwickeln und versuchen, das nächste Level zu erreichen. So haben wir es auch mit „Counting Stars“ gemacht – wobei wir die zweite Saison genutzt haben, diverse Elemente noch einmal zu optimieren.

Muss die neue Choreografie mit höheren Schwierigkeiten ausgestattet werden?

Was die klassischen Tricks wie Pirouetten, Schleudern und Roundabouts angeht, sind wir schon jetzt sehr gut aufgestellt. Wir wollen aber insbesondere in der rhythmischen Komplexität der Choreografie und der Flächendynamik nachlegen, sowie das ein oder andere Schmankerl für Publikum und Wertungsrichter entwickeln.

Wird die Mannschaft personell verstärkt oder bleibt die Besetzung erhalten?

Wir werden für die kommende Saison den Großteil des Teams zusammenbehalten können, aber es haben sich auch schon weitere erfahrene Tänzerinnen und Tänzer angekündigt, die zu uns stoßen wollen. So gesehen gehe ich von einem tänzerisch sehr starken Team für die kommende Saison aus. Willkommen sind bei uns grundsätzlich alle Neueinsteiger, die sich für ihre tänzerische Entwicklung interessieren. Das nächste Probetraining bieten wir am 28. Mai an. Grundsätzlich kann man bei uns aber immer zum Training dazu stoßen. Das gilt auch für Interessierte, die keine Turniertanzerfahrung haben. Wir haben ja auch eine Mannschaft in der Einsteigerliga. Dafür ist der Aufwand kaum größer als für einen Tanzkurs. ­Gerade für dieses Team suchen wir momentan eher Leute als für unser Leistungsteam.

Wann beginnen die Vorbereitungen für das Abenteuer Bundesliga?

Die Aktiven machen jetzt bis Mitte Juni ­Pause. Im Hintergrund arbeiten wir natürlich schon seit einiger Zeit an der neuen Musik und der Choreografie. Die Erstellung einer Musik und der passenden Choreografie ist recht zeitintensiv und sollte soweit erledigt sein, wenn das Training wieder beginnt. Auch die neuen Kleider sind schon in der Entwicklung. Hier gilt es, den richtigen Entwurf zu gestalten und die Stoffe zu finden. Alle Kleider werden dann individuell für jede unserer Tänzerinnen geschneidert. Ab dem 18. Juni geht es dann mit zehn Stunden regulärem Training pro Woche plus zusätzlicher Trainingstage und –lager in die Saisonvorbereitung. Wir werden für unser Leistungsteam sicherlich die Zügel anziehen, denn die Konkurrenz in der 2. Bundesliga ist sehr stark. Und wir müssen uns als „die Neuen“ erst einmal dort beweisen.

Was kostet die 2. Liga? Und wie soll das finan­ziert werden?

Was die Finanzierung der Saison angeht, werden wir kreativ werden. Es war bisher immer unsere Stärke, aus wenigen Mitteln das Maximum herauszuholen. Andere Teams in der Regionalliga haben einen viel höheren Etat zur Verfügung. Die Kosten sind für die kommende Saison absolut ein ­Thema. Mit Kleidern, Musik, Startlizenzen und Fahrten können da gut 20 000 Euro zusammenkommen. Wir bekommen ein wenig Unterstützung vom Verein und Einiges bringen die Tänzerinnen und Tänzer über eine Umlage selber auf, aber wir wollen die Aktiven finanziell so wenig belasten, wie es irgendwie geht. Insbesondere die Fahrtkosten werden in der kommenden Saison explodieren, wenn wir das Team nach Ludwigsburg, Bietigheim, Rüsselsheim, Aachen und Bochum bekommen müssen. Wir sind auf der Suche nach Sponsoren. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingt und wir an den Herausforderungen wachsen werden.

Das Interview führte Sabine Lange.

Zur Person

Lars Tielitz von Totth ist seit zwölf Jahren Cheftrainer der Lateinformation Team Ars Nova. Jetzt verwirklichte er seinen Traum, in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Der 41-Jährige wird hier auch von seiner Ehefrau Caroline unterstützt.
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