Fußball Oberliga

Wohin führt der Weg des SV Atlas?

Der SV Atlas Delmenhorst geht mit dem neuen Trainer Olaf Blancke und dem neuen Mittelstürmer Aladji Barrie in die Rückrunde. Ein Überblick über die aktuelle Form.
20.02.2019, 18:30
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Kerzel und Nico Nadig
Wohin führt der Weg des SV Atlas?

Olaf Blancke ist der neue Mann an der Seitenlinie des SVA. Er hat den langjährigen Coach Jürgen Hahn abgelöst und steht nun vor seiner Pflichtspielpremiere in der Oberliga.

INGO MÖLLERS

Delmenhorst. Hinter dem SV Atlas Delmenhorst liegen turbulente Monate. Im Dezember trennte sich der Fußball-Oberligist überraschend von seinem langjährigen Trainer Jürgen Hahn und stellte wenige Wochen später Olaf Blancke als Nachfolger vor. Viel Zeit, um das Team kennenzulernen und seine Ideen umzusetzen, hatte der neue Coach allerdings nicht. Etwas mehr als einen Monat nach Beginn der Vorbereitung bestreiten die Blau-Gelben an diesem Sonntag ihr erstes Pflichtspiel des neuen Jahres. Der Gegner: Eintracht Northeim, Tabellenführer der Oberliga. Wo also hapert es noch so kurz vor dem Auftakt und was läuft schon gut?

Die Defensive

Eigentlich muss Blancke nicht viel an der defensiven Grundordnung der Blau-Gelben herumdoktern. Über weite Teile der Hinrunde stand die Abwehr nämlich recht stabil – mit 24 Gegentreffern in 18 Spielen stellt der SVA jedenfalls eine der besten Defensivreihen der Liga. Insofern überraschte der Coach mit seiner Aussage nach der 0:3-Pleite gegen den FC Oberneuland doch ein wenig: „Eigentlich dachte ich, dass wir mehr an der Abwehr arbeiten müssen“, sagte er damals. Selbstverständlich gibt es immer Luft nach oben, man kann immer noch etwas kompakter stehen und weniger Chancen zulassen. Aber die Defensive des SVA agiert im Großen und Ganzen doch auf einem hohen Niveau.

So dürfte das Innenverteidiger-Duo Marlo Siech/Karlis Plendiskis eines der stärksten der Oberliga sein. Auf beide wird Blacke auch setzen, sofern sie fit sind – Plendiskis fehlte vergangene Woche krank. Zuletzt übernahm dann Leon Lingerski diese Rolle, da Jannik Vollmer verletzungsbedingt kein Saisonspiel mehr absolvieren wird und Mark Spohler zur Reserve wechselte. Lingerski machte seine Sache gut und erhielt zurecht Lob von seinem Trainer. Gebraucht wird er allerdings auf anderen Positionen, das weiß auch Blancke. Denn Winterneuzugang und Linksverteidiger Julian Harings ist verletzt, Rechtsverteidiger Kevin Radke ebenfalls. Geht man davon aus, dass Köster auf der Sechs spielt, bleiben für die Außenverteidigerpositionen noch drei Spieler übrig: Thomas Mutlu, Dennis Mooy und eben Leon Lingerski.

Völlig unabhängig von der Besetzung wird es aber für Atlas darum gehen, die Zahl der individuellen Fehler zu minimieren und noch geschlossener zu verteidigen. So agierten die Blau-Gelben im Testspiel gegen den Bezirksligisten FC Hude in der ersten Hälfte teilweise nicht sonderlich clever. Beim frühen Pressing entstanden oft Lücken auf der Außenbahn, die Hude allerdings nicht konsequent ausnutze. Ihren Gegner in der Oberliga dürfen sie solche Räume keinesfalls anbieten.

Die Offensive

Mit Winterneuzugang Aladji Barrie bekommt die Atlas-Offensive einen neuen Spielertypen. Der 23-Jährige ist wuchtiger als die übrigen Stürmer im Kader. Daher plant Blancke mit ihm im Zentrum. In den Testspielen blieb er überwiegend blass, ihm fehlte die Bindung zum Spiel. Für einen Neuzugang ist das nicht ungewöhnlich, dennoch muss sich der Niederländer schnell einleben, will er in der Rückrunde eine Verstärkung sein.

Beim Test gegen den FC Oberneuland (0:3) hatte er Probleme, Bälle festzumachen, beziehungsweise diese weiterzuleiten. Allerdings bekam er das Spielgerät auch nur selten an Fuß oder Kopf, die Flanken kamen zu unpräzise. Dennoch hatte er gegen die Bremer zwei Großchancen, die er beide nicht nutzte. Auch in den weiteren Vorbereitungspartien blieb er ohne Treffer, bei der Generalprobe gegen den BSV Rehden fehlte er krankheitsbedingt.

So oder so wird viel von Marco Prießner abhängen. Er ist der torgefährlichste Spieler im Kader der Blau-Gelben. Derzeit fehlt ihm aber noch die Spritzigkeit und Galligkeit, oder wie Blancke es ausdrückt „der Dampf auf dem Kessel“. In den Testspielen agierte er häufig hinter einem Stoßstürmer, zu dem er situativ aufrückte. Gegen Rehden startete Tom Schmidt in der Spitze, bis er nach rund 40 Minuten mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste, Prießner ging jedoch auch regelmäßig in die vorderste Front.

Viele Optionen hat Blancke aktuell nicht, da auch Marvin Osei noch einige Wochen ausfallen wird. Er brach sich bei einem Treppensturz bei der Hallenkreismeisterschaft die Hand. Thore Sikken spielte gegen Rehden zwar ein paar Minuten, aber inwiefern der dauerverletzte Stürmer schon helfen kann, ist unklar.

Auf den Außenpositionen – Atlas lief in den Testspielen in einem Mix aus 4-2-3-1 und 4-4-2 auf – sammelten Patrick Degen und Oliver Rauh viele Minuten. Erstgenannter kam dabei im Laufe der Vorbereitung besser in Fahrt, doch es blieb auch viel Luft nach oben. Gegen Rehden zeigte er durchaus Spielwitz, doch der Zug zum Tor fehlte. Bei Rauh weiß der Coach, was er hat: einen sehr schnellen Spieler mit Abschlussproblemen. Gegen Oberneuland und Rehden hängte er mehrfach seine Gegenspieler ab, schloss dann jedoch sehr ungenau ab und vergab so mehrere gute Möglichkeiten.

Viel wird in der Atlas-Offensive davon abhängen, wie Spielgestalter Musa Karli zurechtkommt. Blancke testete ihn mehrfach auf der Doppelsechs neben Nick Köster. „Er ist sehr ballsicher und verteilt die Bälle gut“, nennt Blancke Karlis Stärken. Auf der Sechs soll er mehr Bälle bekommen als eine Position weiter vorne. Problem an der Sache ist, dass der Weg zum Tor noch sehr weit ist, wenn Karli an den Ball kommt. Bisher fehlt die nächste Schnittstelle, um den Ball in die gefährlichen Zonen zu bringen, um auch aus dem Spiel heraus zu Chancen zu kommen.

Die Testspiele gegen stärkere Gegner (VfL Oldenburg, FC Oberneuland und BSV Rehden) zeigten, dass es in der Offensive noch hakt. Es fehlen noch Abstimmung und Präzision, um gegen eine organisierte Defensive durchzukommen. Dieses Problem hatte Atlas jedoch auch in der Hinrunde und bisher hatte Blancke nicht viel Zeit, seine Ideen umzusetzen.

Die Liga

Die Oberliga ist in diesem Jahr extrem ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen – und das ist nicht nur eine Phrase, sondern trifft auf die aktuelle Saison tatsächlich zu. Mit 27 Zählern belegt Atlas Rang vier. Allerdings ist der Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz (sechs Punkte) kleiner als der Rückstand auf die zwei Aufstiegsplätze (acht Punkte). Die Blancke-Elf sollte also zuallererst versuchen, den Klassenerhalt einzutüten, ehe sie nach oben schielt. Angesichts eines so engen Mittelfelds kann es nämlich schnell nach unten gehen.

Der Aufstieg, von dem Vereinspräsident Manfred Engelbart immer wieder gesprochen hat, erscheint zumindest in dieser Spielzeit wenig realistisch. Tabellenführer Eintracht Northeim und der Zweitplatzierte HSC Hannover sind von Ausrutschern zwar nicht gefeit, agieren im Großen und Ganzen jedoch recht konstant. Beide Vereine wollen offenbar auch einen Regionalliga-Antrag stellen.

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