Regionalliga-Fußballerinnen Wüsting im Wartezustand

Hude. Die Bilanz ist desaströs: Null Punkte, fünf erzielte Tore und 30 Gegentreffer. Für die Regionalliga-Fußballerinnen der SF Wüsting-Altmoorhausen hätte die Saison bislang kaum schlechter verlaufen können.
14.11.2013, 00:00
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Wüsting im Wartezustand
Von Christoph Bähr

Die Bilanz ist desaströs: Null Punkte, fünf erzielte Tore und 30 Gegentreffer. Für die Regionalliga-Fußballerinnen der SF Wüsting-Altmoorhausen hätte die Saison bislang kaum schlechter verlaufen können. Unerwartet kommt die Misere jedoch nicht: Die Mannschaft hat einen Umbruch hinter sich und muss sich noch an die neu eingeführte Viererkette gewöhnen.

„Richtig übel“, „schrecklich“, „verdammt ärgerlich“ – wenn Berrit Kienelt auf die bislang 30 Gegentreffer der SF Wüsting-Altmoorhausen angesprochen wird, benutzt sie deutliche Worte. So oft wie sie musste keine andere Torhüterin in der Fußball-Regionalliga hinter sich greifen, dabei ist Kienelt wahrlich keine Fliegenfängerin. „Was ich halten konnte, habe ich gehalten, aber das interessiert leider keinen. Schuld haben immer die Abwehr und die Torfrau“, sagt die 29-Jährige.

Auch der Wüstinger Angriff hat sich bislang nicht besonders hervorgetan: Fünf Treffer in acht Spielen lautet die magere Ausbeute. Die Folge der Defensiv- und Offensivschwäche ist in der Tabelle schonungslos abzulesen: Mit null Punkten liegt die Mannschaft von Trainer Ralf Eilenberger auf dem letzten Platz. Zwar gibt es nach dem Rückzug des FFC Oldesloe nur einen Absteiger aus der Regionalliga, doch der Abstand der Wüstingerinnen zum zehntplatzierten TSV Eintracht Immenbeck beträgt bereits sieben Zähler. „Die Voraussetzungen für den Klassenerhalt waren eigentlich super, aber jetzt wird es natürlich sehr schwierig. Trotzdem will ich noch nicht aufgeben“, betont Kienelt.

Diesen Kampfgeist hat Co-Trainerin Sylvia McDonald in der gesamten Mannschaft ausgemacht: „Die Trainingsbeteiligung stimmt, die Saison hat noch keine abgeschrieben.“ An eine rabenschwarze Serie ohne jeglichen Punktgewinn verschwende niemand auch nur einen Gedanken, unterstreicht McDonald. Ihr war schon vor Saisonbeginn klar, dass es eine Hinrunde mit wenigen Erfolgserlebnissen werden würde. „Ich habe immer gesagt, dass wir die Punkte in der Rückserie holen“, sagt McDonald. Die Mannschaft müsse sich erst finden. Sechs neue Spielerinnen stehen im Kader, dazu kommen Daniela Schmidt und Sarah Helmts aus der Reserve. „ Wir brauchen noch Zeit“, unterstreicht Kienelt.

Sarah Dörgeloh, Nadine Bakenhus, Marina Klys sowie Sabrina Warns liefen vorher allesamt für unterklassige Klubs auf und müssen sich an das höhere Tempo in der Regionalliga erst gewöhnen. Kira-Lysan Meyer hat dagegen bereits aufgegeben und steht vor einer Rückkehr zum VfL Wildeshausen. Die Ex-Werderanerin Josefine Holsten bringt zwar Zweitliga-Erfahrung mit, doch auch sie muss sich umstellen. Während sie in Bremen noch Innenverteidigerin spielte, agiert sie in Wüsting seit einigen Wochen als Zehnerin. „Mit der ganz neuen Rolle muss sie erst einmal zurechtkommen. Sie kann noch viel mehr, als sie bisher gezeigt hat“, sagt McDonald.

Suche nach Verstärkungen

Dass die gelernte Defensivspielerin Holsten in der Offensive eingesetzt wird, ist ein Zeichen für die Not in der Wüstinger Angriffsabteilung. Die erfahrene Stürmerin Maren Genke ließ sich zwar noch einmal dazu überreden, ihr Laufbahnende zu verschieben, doch momentan ist sie verletzt. Jennifer Corssen hat nach ihrem Bänderriss noch nicht wieder gespielt. „Uns fehlt eine Torjägerin“, stellt McDonald fest. Die Co-Trainerin und Coach Eilenberger sehen sich aktuell nach Offensivverstärkungen um, die in der Winterpause nach Wüsting wechseln können. „Da wird sich bestimmt etwas tun“, kündigt McDonald an.

In der Abwehr müssen die vorhandenen Akteurinnen das neue System noch verinnerlichen, denn Wüsting operiert seit Saisonbeginn mit einer Viererkette. „Das kann nicht sofort klappen. Um das einzustudieren, braucht man mindestens ein halbes Jahr“, verdeutlicht McDonald. Als es in der Auswärtspartie beim SV Henstedt-Ulzburg Mitte Oktober zur Pause 0:6 stand, kehrte Eilenberger kurzzeitig zum System mit Libera zurück. In der zweiten Hälfte kassierte Wüsting keinen Gegentreffer mehr. Eine dauerhafte Umstellung ist trotzdem nicht geplant. „Wir müssen das erstmal durchziehen“, betont McDonald.

Kienelt äußert sich ähnlich: „Mit der Viererkette sind wir spielerisch stärker, wir sollten sie beibehalten.“ Die Torhüterin muss im neuen System öfter mitspielen, doch diese Aufgabe erfülle sie gerne. Überhaupt lässt sich Berrit Kienelt von der Wüstinger Krise nicht den Spaß am Fußball nehmen – bei allem Ärger über die vielen Gegentore. „Kurz nach dem Spiel frage ich mich manchmal, warum ich mir das antue, aber dann freue ich mich schon wieder auf das nächste Training. Wir brauchen jetzt einfach ein Erfolgserlebnis, damit wir wieder an uns glauben.“

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