Thorben Geerken scheitert beim Kreisligisten als Trainer, weil er mehr will als die Mannschaft

Zu ambitioniert für Achternmeer

Wardenburg-Achternmeer. Anfangs lief es etwas holprig, doch dann schien Thorben Geerkens Konzept nach und nach zu greifen. Unter dem jungen Trainer blieb der Fußball-Kreisligist SV Achternmeer vor der Winterpause acht Spiele hintereinander ungeschlagen.
22.02.2017, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Zu ambitioniert für Achternmeer
Von Christoph Bähr

Wardenburg-Achternmeer. Anfangs lief es etwas holprig, doch dann schien Thorben Geerkens Konzept nach und nach zu greifen. Unter dem jungen Trainer blieb der Fußball-Kreisligist SV Achternmeer vor der Winterpause acht Spiele hintereinander ungeschlagen. Geerken blickte also optimistisch auf die restliche Saison und holte zusätzliche Verstärkungen für seine Mannschaft, darunter den früheren Jugend-Nationalspieler Daniel Niemann. Umso überraschter war der 28-Jährige, als er in der vergangenen Woche plötzlich kein Trainer mehr war (wir berichteten). Der SV Achternmeer trennte sich von Geerken und nannte unterschiedliche Vorstellungen über die künftige sportliche Ausrichtung als Grund.

Dass die Meinungen auseinandergingen, bestätigt auch Thorben Geerken. Im Endeffekt war der Inhaber der DFB-Elite-Jugend-Lizenz für Trainer und Diplom-Fußballmanager wohl einfach zu ambitioniert für den beschaulichen Kreisligisten aus der Gemeinde Wardenburg, dessen Mannschaft sich aus vielen guten Kumpels zusammensetzt. „In Achternmeer ist man zufrieden mit dem, was man hat. Die Spieler sehen Fußball als reines Hobby an. Dadurch war ich in meiner Arbeit sehr eingeschränkt“, schildert Geerken. Trotz der Probleme wollte er bis zum Saisonende weitermachen. „Dann hätten sich die Wege definitiv getrennt, und wir hätten einen sauberen Schnitt machen können“. Dass der Verein jetzt schon während der Winterpause die Trennung wollte, kam für Geerken unerwartet. „Ich bedauere das sehr und hätte lieber einen vernünftigen Abschluss am Saisonende gehabt“, betont er.

Allerdings war auch dem 28-Jährigen schon seit einiger Zeit klar, dass seine Tätigkeit in Achternmeer nicht von allzu langer Dauer sein kann. „Die sportlichen Perspektiven passten für mich nicht. Ich strebe immer an, mich zu verbessern, aber das, was ich vorhatte, deckte sich nicht mit dem Konzept des Vereins“, erklärt Geerken. Für einen Kreisliga-Coach arbeitete er ungewöhnlich professionell. Geerken organisierte ein Trainingslager in Dänemark, bemühte sich um namhafte Zugänge und erstellte Trainingskonzepte. „Wenn man sich viele Gedanken macht und dann beim Training aber nur mit fünf Leuten dasteht, verliert man irgendwann die Lust“, sagt er.

Geerken wollte eine Mannschaft aufbauen, die mittelfristig in die Bezirksliga aufsteigen kann, doch in Achternmeer fühlen sie sich augenscheinlich im Tabellenmittelfeld der Kreisliga ganz wohl. Das Team sei ein verschworener Haufen und zu viele externe Zugänge seien nicht gewollt, meint Geerken. Bei aller Enttäuschung über seine Demission hebt er aber auch die positiven Seiten des SV Achternmeer hervor: „Der Verein ist gut aufgestellt. Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist extrem groß, und die Spieler identifizieren sich voll mit ihrem Klub.“ Thorben Geerken, der in Garrel wohnt, passte nur eben nicht so richtig in die große Achternmeerer Familie. Im Januar 2016 hatte er sich nach dem Abschied von Vorgänger Holger Oltmanns beim Kreisligisten beworben und dann in einem Gespräch die Vereinsführung von sich überzeugt. Dass die Achternmeerer Verantwortlichen Geerken nicht ablehnten, verwundert kaum, denn trotz seines jungen Alters kann der Coach bereits auf viel Erfahrung verweisen. Er hospitierte im Nachwuchsleistungszentrum von Borussia Dortmund und beim Drittligisten SF Lotte. Als Trainer war er unter anderem im Jugendbereich des VfB und VfL Oldenburg sowie des JFV Bremerhaven tätig.

Im Herrenbereich lief es für Geerken bislang allerdings nicht nach Wunsch. Mit dem AT Rodenkirchen stieg er in die 1. Kreisklasse Wesermarsch ab. In Achternmeer sah es sportlich etwas besser aus – die vergangene Saison endete mit Platz elf, aktuell liegt das Team auf dem zehnten Rang. Trotzdem war für Thorben Geerken jetzt nach ziemlich genau einem Jahr Schluss. Nun kann er sich voll auf die anstehende Eignungsprüfung für die Trainer-A-Lizenz im April vorbereiten. Möglichst bald möchte der 28-Jährige aber auch wieder eine Mannschaft trainieren. „Für mich wäre es sicherlich einfacher, etwas höherklassig zu arbeiten, wo die Spieler den Fußball nicht als reines Hobby sehen, aber das geht natürlich nur, wenn entsprechende Angebote kommen. Grundsätzlich bin ich erst einmal für alles offen“, blickt Geerken voraus.

In Achternmeer hat unterdessen ein alter Bekannter wieder das Kommando übernommen: Der frühere Spielertrainer Andre Haake tritt bis zum Saisonende Geerkens Nachfolge an, dabei hatte er dem Klub zunächst abgesagt. Der 31-Jährige ist beruflich eingespannt, trainiert den Handball-Oberligisten HSG Delmenhorst und wird im Mai Vater. Da bleibt kaum Zeit, auch noch einen Fußball-Kreisligisten zu übernehmen. Allerdings spielen in Achternmeer Andre Haakes Bruder Dirk und einige alte Kumpel. Sie schafften es, Haake dazu zu überreden, zumindest bis zum Saisonende als Coach einzuspringen. „Auf Bitten einiger Leute habe ich dann doch zugesagt, aber der Beruf und Handball gehen vor, das wissen alle“, betont Haake. Da Co-Trainer Olaf Otremba weitermacht und es in Marcel Ranke sogar einen Torwart-Trainer gibt, ist er in Achternmeer nicht auf sich allein gestellt.

Dass Andre Haake wie zu früheren Zeiten auch wieder als Spielertrainer agiert, ist übrigens nicht ausgeschlossen. „Im Notfall stehe ich sofort bereit“, sagt er. Der Kader bleibt laut Haake unverändert. Auch die Spieler, die Geerken holte, sollen bleiben. „Wir wollen möglichst schnell 30 Punkte holen. Damit dürften wir nicht absteigen“, gibt Haake als Ziel aus.

Seine erste Trainingseinheit als alter neuer Trainer in Achternmeer konnte am Sonntag schon einmal als rundum gelungen bezeichnet werden. 17 Spieler waren da. „Das hat richtig Spaß gemacht. Die Stimmung ist positiv“, unterstreicht Andre Haake.

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