Thailands Fußballfrauen spielen leidenschaftlich, sind lernbereit – und gegen Deutschland wohl doch chancenlos Zu klein

Winnipeg. Es war bislang noch nicht genau auszumachen, wo eigentlich bei dieser Frauen-WM die begeisterungsfähigsten Unterstützer von Thailands Fußballerinnen saßen. Jene in Kanada lebenden 500 Landsleute draußen im Lansdowne Stadium, die sich vom Rand der Gegentribüne die Kehlen heiser schrien? Oder jenes Dutzend mitgereister Reporter drinnen im Media Centre, die hinter den Glasscheiben kreischten, wenn ein historischer WM-Treffer gefallen war? Am liebsten wäre manch Berichterstatter gleich mit auf Ehrenrunde gegangen, als die Spielerinnen nach dem 3:2 gegen die Elfenbeinküste in Ottawa noch ein Selfie nach dem anderen schossen.
14.06.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Hellmann

Es war bislang noch nicht genau auszumachen, wo eigentlich bei dieser Frauen-WM die begeisterungsfähigsten Unterstützer von Thailands Fußballerinnen saßen. Jene in Kanada lebenden 500 Landsleute draußen im Lansdowne Stadium, die sich vom Rand der Gegentribüne die Kehlen heiser schrien? Oder jenes Dutzend mitgereister Reporter drinnen im Media Centre, die hinter den Glasscheiben kreischten, wenn ein historischer WM-Treffer gefallen war? Am liebsten wäre manch Berichterstatter gleich mit auf Ehrenrunde gegangen, als die Spielerinnen nach dem 3:2 gegen die Elfenbeinküste in Ottawa noch ein Selfie nach dem anderen schossen.

Ganz egal, wie am Montag (22 Uhr MESZ/live ARD) in Winnipeg das Duell gegen Deutschland ausgeht – mit dem ersten Sieg ist die Mission des WM-Neulings aus Asien erfüllt. „Das sind jetzt alles Heldinnen in der Heimat“, berichtete Thitipoon Rungpiti vom thailändischen Fernsehen. Ein Delegationsmitglied zeigte zum Beleg noch ein Porträt der Königsfamilie, die angeblich nun bald die zweifache Torschützin Orathai Srimanee empfangen will. Dann kann die Nummer 13 ja noch mal erzählen, dass sie sich ihre erstaunlich gute Technik einst beim Futsal angeeignet hat. Die Frauen geben dem thailändischen Fußball also gerade eine Art Identität. Im Unterschied zu ihnen durften die Männer noch nie bei einer WM mitspielen.

Trotzdem besitzt der Südostasien-Meister im weiblichen Segment gewiss nicht die Mittel, um vor dem Europameister Deutschland ein Stoppschild aufzustellen. Was auch Nationaltrainerin Nuengrutai Srathongvian weiß: „Wir treffen auf das beste Team der Welt. Das ist eine Ehre für uns.“ Die studierte Fußballlehrerin flüstert bei öffentlichen Auftritten mehr, als dass sie spricht. Die 45-Jährige erfüllt es bereits mit gewaltigem Stolz, wenn ihr Team gegen den Weltranglistenersten auf die Lernwiese darf. Ihr Versprechen: „Wir werden unser Bestes geben.“ Ihre Vorgabe: „Kämpfen bis zum Ende.“

Srathongvian, im Februar 2014 als erste Frau auf diesem Posten installiert, ist eine, die sich ständig weiterentwickeln will. Und daher zieht im Hintergrund jemand die Fäden, der sich mit den internationalen Anforderungen im Frauenfußball noch besser auskennt: Hope Powell. Die frühere englische Nationaltrainerin hilft auf FIFA-Initiative mit. Doch selbst die besten Tipps der mit nach Kanada gereisten Mentorin helfen wenig, wenn ein Team in jeder Hinsicht eine Nummer zu klein ist: Die Startelf von Thailand misst im Schnitt gerade einmal 1,60 Meter – Doppeltorschützin Srimannee, die am Freitag ihren 27. Geburtstag feierte, ist gar nur 1,51 Meter. Die vermutliche Startelf der deutschen Nationalauswahl bringt es im Durchschnitt hingegen auf 1,71 Meter.

Vor allem in Sachen Raumaufteilung und Defensivverhalten offenbart der asiatische Vertreter, der das fünfte und letzte Ticket seiner Konföderation nach einem frenetisch gefeierten 2:1 gegen Vietnam ergatterte, bisweilen eine erschreckende Naivität. Im Grunde agiert der Weltranglisten-29. dank seiner technischen Qualitäten gerade noch auf dem Level eines mittelmäßigen Frauen-Bundesligisten – dafür spricht auch ein kürzlich absolviertes Testspiel gegen die SGS Essen (2:1). Aber soll Thailand deswegen bei einer WM nicht mitspielen dürfen?

Tatjana Haenni, die FIFA-Beauftragte für die Frauenwettbewerbe, hat sich ihre Meinung bereits gebildet: „Allein durch die Qualifikation hat sich in Thailand schon sehr viel bewegt. Und jetzt können sie daheim sagen: Wollen wir besser werden, brauchen wir mehr – Unterstützung.“ Davon gibt es zumindest in Kanada schon reichlich.

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