Leester Schachtalent Zug um Zug

Max Weidenhöfer aus Leeste spielt für sein Leben gerne Schach, berühmte Partien dienen ihm dabei als Trainingshilfe. Kürzlich war er sogar bei den Deutschen Meisterschaften im Sauerland.
03.07.2017, 10:30
Lesedauer: 3 Min
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Von Tobias Denne

Weyhe-Leeste. Überlegen, bevor man etwas tut. Eine Fähigkeit, die einigen Menschen in der heutigen Zeit abhandengekommen zu sein scheint, beherrscht der zehnjährige Max Weidenhöfer schon ziemlich gut. Bedächtig hebt der blonde Junge seine Hand und lässt sie einige Sekunden lang in der Luft, bevor er seinen Zug macht. Was als Nächstes passieren könnte? Längst berechnet. Der Leester spielt nämlich beim TuS Varrel Schach, trat kürzlich zum ersten Mal bei den Deutschen Meisterschaften der Altersklasse U12 im sauerländischen Willingen an und erspielte sich dort starke vier von elf möglichen Punkten.

Es sind Sommerferien, es ist heiß. Wenn man nicht im Haus sein muss, zieht es einen automatisch nach draußen an die frische Luft. Eigentlich weilt auch Max im Freibad und kühlt sich dort ab, beendet seinen Besuch für das Gespräch aber früher. „Schach ist ein Wintersport“, kommentiert TuS-Jugendkoordinator Dennis Webner Max’ Ausflug ins kühle Nass scherzhaft. Verdenken kann er es dem Nachwuchsgroßmeister nicht, waren „die letzten Wochen doch sehr schachintensiv“, wie es Webner beschreibt. So kommt Max gerade erst von einem Schachturnier aus Lingen im Emsland zurück.

Es ist mucksmäuschenstill im kühlen Wohnzimmer der Familie Weidenhöfer. Nur die Vögel im Käfig melden sich das eine oder andere Mal. Das Spiel befindet sich noch in den Anfangszügen. „Er hat keine Schwächen im Aufbau“, erklärt Dennis Webner dem ungeübten Schach-Auge die Formation. Webner zieht eine Figur über die Hälfte des Bretts. Ein offensiver Zug. Der TuS-Jugendkoordinator sitzt entspannt auf seinem Stuhl. Weil Max auch bei Turnieren startet, ist der 27-Jährige gleichzeitig sein Privattrainer.

Normalerweise spielen die beiden keine komplette Partie gegeneinander – oder zumindest sehr selten. „Das dauert einfach zu lange“, erklärt Webner, während Max seinen nächsten Zug plant und seine Figuren in Position bringt. Stattdessen gebe er ihm verschiedene Aufgaben zum Üben mit nach Hause, wie man zum Beispiel möglichst einwandfrei bei einem Endspiel mit wenigen Figuren gewinnt. Oder sie spielen Partien nach. Ansonsten informiert sich Max im Internet über Schach oder liest Bücher zu diesem Thema. „Man hat das Interesse bei ihm sehr schnell gemerkt“, erzählt Webner über die frühen Zugversuche des jungen Leesters. Das Talent sei dabei gar nicht so entscheidend, sondern vielmehr, dass sich eine Leidenschaft entwickle. Und die wuchs bei Max kontinuierlich. „Er hat von sich aus Fragen gestellt und wollte gegen mich spielen.“ Seit einem Jahr ist er im Schachverein. Ein Schulfreund habe ihm Schach in der ersten Klasse gezeigt. „Ich fand das cool“, entgegnet der Zehnjährige locker.

Natürlich drehe sich seine Freizeit nicht nur um Türme, Bauern oder Läufer. Viele Kinder in seinem Alter spielen Fußball, ein Musikinstrument oder lesen gerne. Max allerdings beschränkt sich nicht auf eines der genannten Hobbys, sondern betreibt sie alle. Er spielt in der Abwehr des örtlichen Fußballvereins, zupft an der Gitarre und liest gerne, vor allem „Die drei Fragezeichen“.

Der Zehnjährige rückt auf seinem Stuhl hin und her, das Brett fest im Blick. Die Züge beider Spieler dauern nun länger, es geht in die entscheidende Phase. Noch ist die Partie ausgeglichen, beide Kontrahenten haben jetzt gleich viele Figuren auf dem Brett. „Der Gegner spielt leider auch mit“, kommentiert Max einen Zug seines älteren Gegners. Dann folgt das erste „Schach“. Max ist in Zugzwang. Er kann die Gefahr abwenden, doch auch das ungeübte Auge sieht: Die Partie hat sich gedreht. Der Lehrer hat die Oberhand über seinen Schüler gewonnen. Äußerlich ist beiden nichts anzumerken, sie bleiben ruhig.

Ein paar Züge später, die Vögel haben sich mittlerweile beruhigt. Es scheint fast so, als würden auch sie die finalen Züge dieser Partie interessiert verfolgen. Dann: die Entscheidung. Damenabtausch. „Ohne die Damen droht mir keine Gefahr“, sagt Webner – seines Sieges nun sicher. Er soll Recht behalten, Max gibt auf. „Ich will das weiter verfolgen, es ist nicht nur ein Hobby“, versichert der Besiegte dennoch. Eines der Ziele sei die abermalige Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Dennis Webner verspricht: „Wir arbeiten darauf hin.“

„Man hat das Interesse bei ihm sehr schnell gemerkt.“ Dennis Webner über seinen Schüler Max
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