Patrick Drewes erhält ersten Profivertrag beim VfL Wolfsburg / Kevin Schindler bleibt bis 2014 beim FC St. Pauli Zwei Unterschriften für die Zukunft

Hochklassige Mannschaften hat der Delmenhorster Fußball zwar schon länger nicht mehr zu bieten, dennoch hat die Stadt zwei große Talente hervorgebracht. Patrick Drewes und Kevin Schindler spielen in der kommenden Saison in den zwei höchsten Ligen des Landes, das haben die beiden Profis kürzlich durch ihre Unterschriften besiegelt. [AUTOR]
11.06.2012, 13:27
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Zwei Unterschriften für die Zukunft
Von Christoph Bähr

Hochklassige Mannschaften hat der Delmenhorster Fußball zwar schon länger nicht mehr zu bieten, dennoch hat die Stadt zwei große Talente hervorgebracht. Patrick Drewes und Kevin Schindler spielen in der kommenden Saison in den zwei höchsten Ligen des Landes, das haben die beiden Profis kürzlich durch ihre Unterschriften besiegelt. [AUTOR]

UND DANIEL COTTÄUS

Wolfsburg·Hamburg. Das Training auf den Plätzen an der Volkswagen-Arena war gerade beendet, als Patrick Drewes die Nachricht erhielt, auf die jeder Nachwuchskicker sehnsüchtig hofft. Trainer Felix Magath nahm den jungen Torhüter aus Delmenhorst beiseite und bot ihm einen Profivertrag beim VfL Wolfsburg an. Der 19-Jährige konnte sein Glück zunächst kaum fassen: „Solch ein Angebot zu bekommen, ist ein Traum.“

Anschließend sei alles zügig gegangen, berichtet Drewes. Nur eine Woche später unterzeichnete der Ex-Heidkruger den Dreijahres-Kontrakt (wir berichteten). In der kommenden Saison wird er hinter Diego Benaglio und Marwin Hitz die Nummer drei des Magath-Teams sein. Das verkündete der VfL Wolfsburg in einer Pressemitteilung, und plötzlich tauchte der Name Patrick Drewes in unzähligen Zeitungen und Internetportalen auf. Was folgte, waren massenweise Anrufe und Nachrichten, vor allem aus Delmenhorst. „Unglaublich viele Leute haben mir Glück gewünscht. Das hat mich sehr gefreut“, berichtet Drewes. Manchmal quoll das Handy des 19-Jährigen schier über. „Hin und wieder musste ich es mal ausstellen, um etwas Ruhe zu haben“, gibt der Torhüter zu.

Schließlich steht Drewes noch voll im Training und verbringt die meiste Zeit auf dem Fußballplatz, denn der Saisonhöhepunkt steht unmittelbar bevor. Mit der Wolfsburger U19 trifft er am 6. und 10. Juni im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft auf den FC Schalke 04. Drewes rechnet sich gute Chancen aus, den Titel aus dem vergangenen Jahr zu verteidigen. „Wir haben uns in der Rückrunde enorm gesteigert und gehen mit breiter Brust in die Spiele“, sagt der Delmenhorster.

Sollte es für die Wolfsburger nach Wunsch laufen, könnte Drewes, der bereits im Vorjahr zum erfolgreichen U19-Team gehörte, als zweifacher Deutscher Meister in die Saisonvorbereitung bei den Profis starten. Auf die erste Einheit am 2. Juli freut sich der Torwart, der kürzlich drei Testspiele für die Profis bestritt, bereits jetzt. Dann wird ein aufgerüsteter Kader erstmals zusammen auf dem Trainingsplatz stehen, um sich für das Ziel internationaler Wettbewerb fit zu machen. Stürmer Ivica Olic kommt von Bayern München, Spielmacher Diego soll von Atlético Madrid nach Wolfsburg zurückkehren. „Mit solchen Topspielern zu trainieren, wird ein Erlebnis“, ist sich Drewes sicher.

Der Traum vom Weserstadion

Besonders Diego hat der Delmenhorster zu dessen Bremer Zeit genau beobachtet, denn Drewes ist seit Kindertagen Werder-Fan. Dass er nun womöglich in der Bundesliga auf den Lieblingsklub treffen könnte, ist für den 19-Jährigen aber kein Problem: „Wenn es wirklich dazu kommen sollte, würde ich alles für den VfL geben. Aber ein Spiel im Weserstadion wäre natürlich schon etwas Besonderes für mich.“

Das Weserstadion in- und auswendig kennt dagegen Kevin Schindler, der für den FC St. Pauli spielt. Im vergangenen Jahr wechselte er von Werder zum Hamburger Stadtteilverein. Nur 33 Minuten – länger benötigte Schindler am 22. August nicht, um in seinem ersten Pflichtspiel sein erstes Tor für den Zweitligisten zu erzielen. Nach einer Flanke von Max Kruse war der Delmenhorster zur Stelle und traf zum zwischenzeitlichen 1:0 gegen den MSV Duisburg. St. Pauli gewann die Partie am Ende mit 2:1 – und zudem die Gewissheit, in Schindler eine gute Alternative für das Offensivspiel verpflichtet zu haben. Heute, rund neun Monate nach Schindlers Premieren-Tor, stehen zwei Dinge fest. Erstens: Die Anzahl der Treffer des gelernten Angreifers hat sich seit dem Duisburg-Spiel nicht mehr verändert, zweitens: die große Wertschätzung, die sich Schindler in Hamburg erarbeitet hat, auch nicht. Vor zwei Wochen gab der Verein bekannt, den Vertrag des 24-Jährigen vorzeitig bis 2014 zu verlängern.

„Aufgrund seiner Dynamik und Schnelligkeit ist er eine wichtige Option für unsere Offensive. Er hat noch weiteres Potenzial und ist mit seiner Entwicklung noch nicht am Ende“, begründete Pauli-Trainer Andre Schubert den Schritt gegenüber dem Hamburger Abendblatt – vermutlich wohl wissend, dass er dem Gelobten damit den Urlaub versüßen würde.

Schindler selbst nämlich sieht Hamburg inzwischen als Heimat, fühlt sich in der Hansestadt nach eigener Aussage „pudelwohl“. So wohl sogar, dass er Angebote von Dynamo Dresden und Fortuna Düsseldorf ausschlug. „Es gab Anfragen von diesen Vereinen, aber ich habe keinen Grund gesehen, St. Pauli zu verlassen“, erklärt Schindler, der es in der abgelaufenen Saison auf 21 Einsätze in der 2. Bundesliga bringt. „Nach meiner Knieverletzung war es für mich erstmal wichtig, dass ich über einen längeren Zeitraum verletzungsfrei bleibe“, wertet der Delmenhorster sein erstes Pauli-Jahr zwar als Erfolg, weiß aber auch, dass er sich auf Dauer an Toren messen lassen muss: „Ich bin selbstkritisch genug, um zu wissen, dass ich mehr hätte rausholen können.“

62 Punkte, genausoviele wie der Dritte Fortuna Düsseldorf, hatte St. Pauli am Ende auf dem Konto, verpasste den Relegationsplatz nur aufgrund des um vier Treffer schlechteren Torverhältnisses. „Es hat sich leider während der gesamten Rückserie angedeutet, dass es am Ende eng werden könnte“, trauert Schindler der verpassten Chance hinterher. In den Augen des beidfüßigen Offensivallrounders, der in der Jugend beim Delmenhorster TB das Fußballspielen erlernt hat, ist Paulis sechster Aufstieg der Vereinsgeschichte allerdings nur verschoben. „Wenn man so nah dran war und oben mitgespielt hat, will man das natürlich wieder – mit besserem Ende.“

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