Korbball-Bundesliga Nord Zwischen DM-Hoffnung und Außenseiterrolle

Leeste. So früh wie nie zuvor fällt in diesem Jahr der Startschuss zur neuen Saison in der Korbball-Bundesliga Nord. Am ersten Spieltag, den der TuS Sudweyhe am Sonntag ab 10 Uhr ausrichtet, sind gleich vier der fünf Teams aus dem Landkreis Diepholz dabei.
03.09.2010, 18:31
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Von Christine Leska-Ottensmann

Leeste. So früh wie nie zuvor fällt in diesem Jahr der Startschuss zur neuen Saison in der Korbball-Bundesliga Nord. Am ersten Spieltag, den der TuS Sudweyhe am kommenden Sonntag ab 10 Uhr in der KGS-Halle Leeste ausrichtet, sind gleich vier der fünf Teams aus dem Landkreis Diepholz dabei. Lediglich Aufsteiger TSG Seckenhausen-Fahrenhorst hat noch frei.

Der Saisonauftakt verspricht bereits Hochspannung, denn im dritten Spiel dieses Tages treffen Sudweyhe und Stuhr aufeinander. Beide Teams haben sich die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft auf die Fahnen geschrieben.

Personell hat sich die Lage beim TuS Sudweyhe zumindest auf dem Papier ein wenig entspannt: Mona Martens rückt aus der A-Jugend hoch, zudem haben sich Jana Nullmeyer (Babypause), Ilka Mauz (Kreuzbandriss) und Antonia Bischoff (Operationen an den Achillessehnen) wieder zurückgemeldet. „Jana trainiert sehr engagiert und ist schon viel weiter als ich dachte“, lobt Trainer Alexander Mauz. Seine Frau Ilka darf allerdings erst seit drei Wochen wieder mittrainieren, Bischoff plagen noch Schmerzen.

Überhaupt – Schmerzen sind ein passendes Stichwort: Für Korbfrau Bianca Reinert (Entzündung im Schienbein) und Mannschaftsführerin Heike Lehmkuhl (Bänderriss) hat die Pause nach der Deutschen Meisterschaft nicht gereicht. Reinert kann erst seit vier Wochen halbwegs schmerzfrei trainieren, Lehmkuhl hatte bis vor kurzem Sportverbot. „Wann mir die beiden wieder zur Verfügung stehen, kann ich noch nicht sagen. Es ist also schon fast so wie in der vergangenen Saison“, seufzt der TuS-Trainer. Dennoch reichte es damals zu Platz drei, der aber erst am letzten Spieltag gesichert wurde. „Unsere große Schwäche war der Korbwurf. Viele Chancen, zu wenig Treffer. Das müssen wir besser machen“, fordert Mauz.

Von diesem Problem kann auch der TV Stuhr ein Liedchen singen. Das Team war punktgleich mit Sudweyhe, landete aber wegen der schlechteren Korbdifferenz auf dem undankbaren vierten Rang. Damit wollen sich die Stuhrerinnen in diesem Jahr aber nicht zufrieden geben. „Unser Ziel ist die Teilnahme an der DM“, kündigt Sandra Hellmers an. Sie ist die Nachfolgerin von Harald Altevoigt, mit dem die Zusammenarbeit nach vier Jahren endete (wir berichteten). Hellmers betritt jedoch keineswegs Neuland: Bereits von 1999 bis 2006 hatte sie die Mannschaft trainiert, ehe sie aus beruflichen Gründen aufhören musste (in Brinkum hat sie eine eigene Werbeagentur). Vor zweieinhalb Jahren stieg sie als Co-Trainerin wieder ein und übernimmt jetzt wieder die Hauptverantwortung an der Seitenlinie.

Personell hat sich in ihrem Team wenig getan: Antje Hüls, zuletzt nur Stand-By-Spielerin, hat aus beruflichen Gründen aufgehört. Dafür ist Katharina Drawert nach ihrem einjährigen Aufenthalt in Neuseeland wieder dabei. Hinzu kommen die Perspektivspielerinnen Laura Freiheit und Jasmin Rudolph, die vergangene Saison bereits einige Male im Kader stand.

Spricht man von der DM, hat kaum jemand die Damen des TSV Heiligenrode auf der Rechnung. Dabei halten sie stets gut mit und ärgern immer wieder einige ambitionierte Teams. In der vergangenen Spielzeit lagen sie nach zwölf von 18 Partien sogar nur einen Punkt hinter dem begehrten dritten Rang. Vielleicht wäre mehr möglich gewesen, wenn sich Korbfrau Gabi Brosowsky in der Winterpause nicht den Knochen der Mittelhand gebrochen hätte und für den Rest der Saison ausfiel. „Jetzt ist sie aber wieder topfit“, freut sich Mitspielerin Britta Sündermann.

Eine Neuerung gibt es beim TSV: Nach 15 Jahren eigenverantwortlichem Training haben die Heiligenroderinnen mit Dagmar Schnelle nun eine feste Trainerin. Die diplomierte Sportwissenschaftlerin unterstützte das Team in der Vergangenheit zwar schon häufig, doch jetzt hat sie das Traineramt fest übernommen. „Sie bot uns ihr Engagement an und wir haben dankend angenommen. Ihre Übungseinheiten machen richtig viel Spaß, Dagmar bindet andere Elemente mit ein. Das ist eine ganz neue Herausforderung“, schwärmt Sündermann. Co-Trainerin ist Silke Hilbig, die selbst viele Jahre erfolgreich bei den ersten Damen spielte. Trotz dieser positiven Änderungen stapeln die Heiligenroderinnen gewohnt tief. „Wir wollen wieder einige Gegner ärgern. Mit einem Platz im Mittelfeld sind wir zufrieden. Denn wir gehen davon aus, dass es wieder sehr eng zugehen wird und jeder jeden schlagen kann – bis auf die SG Findorff.“

Mit solch einer Platzierung wäre man auch beim FTSV Jahn Brinkum einverstanden. Schließlich war die Vorsaison verkorkst, das Team landete nur auf Rang acht. „Das ist nicht das, was wir können. Die Mädels haben viel mehr Potenzial“, betont Trainer Torsten Behrens. Die vergangene Spielzeit wurde daher in intensiven Gesprächen aufgearbeitet. „Oft haben wir bei Rückständen den Kopf hängen lassen. Jetzt wollen wir wieder mehr Spaß haben, mehr Ehrgeiz und Selbstvertrauen zeigen“, kündigt der FTSV-Coach an.

Bei diesem Vorhaben ist seine Frau Ulrike allerdings nicht mehr mit dabei. „Einer von uns beiden musste aufhören, da wir es zeitlich und familiär sonst nicht mehr geschafft hätten. Außerdem war sie vergangene Saison mit sich selber nicht zufrieden. Sie konnte ihren eigenen, sehr hohen Ansprüchen nicht gerecht werden“, weiß Behrens. Ihr Abschied ist nichtsdestotrotz ein großer Verlust. „Ulrike war extrem wichtig. Zusammen mit Sandra Ernst war sie die letzte alte Spielerin. Aber das ist auch eine Chance. Wir wollen und müssen die Mannschaft weiter verjüngen." Vier A-Juniorinnen trainieren bereits regelmäßig mit und sollen auch an den Spieltagen eingesetzt werden. Neu ins Team rücken noch Lisa Jürgens aus der Reserve und Saida Halep (ab Mitte Oktober). Nicht spielfähig ist momentan Sandra Jürgens, die an einer Knochenhaut-Entzündung an der Ferse leidet.

Erst am nächsten Wochenende greifen die Damen des Aufsteigers TSG Seckenhausen-Fahrenhorst ins Spielgeschehen ein. „Wir freuen uns auf diese Herausforderung. Meine Mädels sollen genießen, dass sie sich die Chance auf die Bundesliga erarbeitet haben. Ich hoffe, dass wir hier viel lernen und einige Gegner ein bisschen ärgern können“, wünscht sich Manuela Glander. Die Trainerin ist realistisch. „Der Sprung von der Niedersachsen- in die Bundesliga ist sehr groß. Es wäre vermessen, von einer genauen Platzierung oder dem Klassenerhalt zu sprechen, zumal unsere Saisonvorbereitung nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Wir hätten viel mehr tun müssen.“

In den letzten Jahren gab es für die Neulinge in dieser Liga nicht viel zu holen, oft stiegen sie direkt wieder ab. Das weiß auch Glander: „Wenn uns das passieren sollte, wäre es nicht tragisch. Die Hauptsache ist, dass wir den Spaßfaktor auch bei einer möglichen Pleitenserie hoch halten und uns vernünftig präsentieren. Dann kann ich auch mit Niederlagen leben.“

 

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