Die junge Mannschaft des Brinkumer SV schwankt noch (zu) sehr in ihren Leistungen / Personelle Veränderungen Zwischen Freude und Frust

Die ersten Tage des neuen Jahres verbrachte Frank Thinius in Österreich. Skifahren statt Fußball, abschalten vom Alltag in der Bremen-Liga. Denn der hielt für den neuen Trainer des Brinkumer SV einige Hürden bereit, die ihn wahlweise nachdenklich, verärgert und manchmal auch ratlos zurückließen. Und dann folgten wieder Leistungen, die seinem fußballerischen Ideal recht nahe kamen. Langweilig war es jedenfalls nie.
05.01.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Zwischen Freude und Frust
Von Jens Hoffmann

Die ersten Tage des neuen Jahres verbrachte Frank Thinius in Österreich. Skifahren statt Fußball, abschalten vom Alltag in der Bremen-Liga. Denn der hielt für den neuen Trainer des Brinkumer SV einige Hürden bereit, die ihn wahlweise nachdenklich, verärgert und manchmal auch ratlos zurückließen. Und dann folgten wieder Leistungen, die seinem fußballerischen Ideal recht nahe kamen. Langweilig war es jedenfalls nie.

Brinkum. Obwohl: Wenn Langeweile gleichbedeutend mit mehr Konstanz bei seinem Team gewesen wäre, hätte Frank Thinius diesen Umstand bestimmt gerne in Kauf genommen. Doch so weit, um gleichbleibend gute Leistungen in Serie abzurufen, ist die junge Truppe des BSV noch nicht. Frank Thinius hatte das ein Stück weit einkalkuliert, als er die Aufgabe im vergangenen Sommer übernahm.

"Ich sollte eine junge Mannschaft formen und auf den Weg bringen, gerade das war ja auch das Reizvolle für mich", bestätigt er. Das hieß im Umkehrschluss aber auch, dass der Trainer mit der einen oder anderen unliebsamen Überraschung leben musste. So präsentierte sich der Brinkumer SV speziell gegen die Top-Teams extrem motiviert. Die Vorgaben des Trainers wurden in diesen Duellen viel konsequenter umgesetzt als in anderen, die Mannschaft zeigte in Ansätzen immer wieder, zu was sie an guten Tagen in der Lage ist. Frank Thinius nennt exemplarisch den 4:3-Erfolg gegen den Blumenthaler SV, der ihn so zufriedenstellte wie keine andere Partie im bisherigen Saisonverlauf. Selbst das 2:6 gegen die Übermannschaft des FC Oberneuland passt in diese Kategorie, weil Brinkum zwischenzeitlich mit 2:0 führte und dem haushohen Favoriten über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner war - auch wenn das Endresultat etwas anderes sagen will.

Einfach erschreckend

"Trotzdem hat mir das, was die Mannschaft damals gemacht hat, gefallen", unterstreicht Frank Thinius. An anderen Tagen allerdings gab es rein gar nichts, was den Coach in seinem Tun bestätigte. Die 0:2-Heimschlappe gegen alles andere als übermächtige Habenhauser kann er bis heute nicht nachvollziehen, auch das 1:2 gegen den OSC Bremerhaven ließ ihn einigermaßen desillusioniert zurück. "Das war einfach erschreckend, auch für die Zuschauer", zeigt sich Thinius selbst mit dem Abstand etlicher Wochen noch frustriert.

Und dennoch zweifelt er nicht grundsätzlich und ausschließlich - schließlich sei die muntere Berg- und Tal-Fahrt der Seinen keine Zufallserscheinung. Es gebe konkrete Gründe. "In Brinkum haben sich die Zeiten geändert", erklärt Thinius, "es werden keine fertigen Spieler mehr verpflichtet, stattdessen haben wir uns zu einem Ausbildungsverein entwickelt." Mit allen Chancen, aber auch allen Risiken.

So wird der Brinkumer SV auch in 2012 mit einer jungen Mannschaft aufwarten, die allerdings in der Winterpause ein etwas anderes Gesicht erhalten hat. Gleich fünf Akteure haben den Klub verlassen, wobei Frank Thinius und Manager Frank Kunzendorf besonders einen Abgang bedauern: den von Hendrik Meyer. Der bullige Stürmer, der erst zu Saisonbeginn vom Kreisligisten TSV Schwarme gekommen war, hat die Umstellung in die Bremen-Liga viel schneller geschafft als gemeinhin angenommen. Er gefiel als Torschütze, Vorbereiter und ständiger Unruheherd.

Hendrik Meyer arbeitete viel, lief viel und stellte sich stets in den Dienst der Mannschaft. "Er ist für mich einer der Aufsteiger der Saison, schade, dass er uns schon wieder verlässt", stellt Thinius mit Bedauern fest. Weil sich Meyer derzeit auf seine Meisterprüfung vorbereitet, leidet der Fußball zwangsweise darunter. Viel (Frei-)Zeit bleibt nicht mehr, das berufliche Vorankommen geht eindeutig vor, deshalb zieht es den Offensivspezialisten zurück zu seinem Stammverein nach Schwarme.

Im Vergleich dazu dürften die Abgänge von Julian und Philipp Albrecht (ebenfalls zurück nach Schwarme) sowie Benjamin Schlon (Union 60) und Kai Fehrke sportlich zu verkraften sein. Julian Albrecht kam wegen diverser Verletzungen in der Hinrunde kaum zum Zuge, während die anderen mehr Einsatzzeiten forderten, die ihnen Frank Thinius nicht gewähren konnte (wollte).

Auf der anderen Seite haben sich vier Akteure dem Brinkumer SV angeschlossen, die perfekt ins Raster passen: Sie sind jung und verfügen über viel Potenzial. Ole Strangmann und Dennis Mertgen kommen beide vom Bezirksligisten BSC Hastedt, wo sie als torgefährliches Duo brillierten. Und die Freigabe für Stürmer André Tüsselmann vom Delmenhorster TB ist mittlerweile auch eingetroffen. Darüber hinaus vermeldete Manager Kunzendorf gestern Vollzug in Sachen Harun Uzun. Der Torwart wechselt vom Kreisligisten KSV Hicretspor Delmenhorst zum BSV. Laut Kunzendorf besitze der Neue ein ausgeprägtes Gefühl für Eins-gegen-eins-Situationen und sei stark auf der Linie. Uzun, der bereits einige Male in Brinkum mittrainierte, wird sich ab sofort mit der bisherigen Nummer eins Tim Meyer messen. "Ein offenes Duell", kündigt Kunzendorf an.

Frank Thinius freut sich auf das Quartett, aber er verhehlt nicht, dass seiner Truppe der eine oder andere erfahrene Akteur gut tun würde. "Besonders in der Mittelachse", erklärt der Coach, "das ist genau das, was uns von den Teams, die in der Tabelle vor uns stehen, unterscheidet." Möglicherweise wird sich in diesem Zusammenhang kurzfristig noch etwas tun. Aber selbst wenn nicht: Die Brinkumer wollen auf einem einstelligen Tabellenplatz landen. "Zurzeit sind wir Neunter, und wir wollen uns weiter verbessern", kündigt Thinius an - allen Risiken zum Trotz.

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