Anna-Lena Freese läuft die 100 Meter in Osterode in 11,57 Sekunden / Verzicht auf die DLV-Gala

Zwischen Top-Zeit und muskulären Problemen

Brinkum. Die Zeit war: erstaunlich gut. Die 100 Meter sind: nicht ihre Lieblingsstrecke.
03.07.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Zwischen Top-Zeit und muskulären Problemen
Von Jens Hoffmann
Zwischen Top-Zeit und muskulären Problemen

Krönte ihren Saisoneinstieg mit einer super 100-Meter-Zeit, verzichtete dann aber auf einen weiteren Lauf, um keine schwerwiegendere Verletzung zu riskieren: Anna-Lena Freese vom FTSV Jahn Brinkum.

Eibner-Pressefoto / Neis, eibner-pressefoto

Die Zeit war: erstaunlich gut. Die 100 Meter sind: nicht ihre Lieblingsstrecke. Trotzdem benötigte Anna-Lena Freese vom FTSV Jahn Brinkum für diese Distanz jetzt nur 11,57 Sekunden. Damit blieb sie beim Volksbank-Meeting in Osterode, wo sie gleichzeitig ihren Saisoneinstieg feierte, nur knapp unter ihrer persönlichen Bestmarke von 11,46 Sekunden. „Und sie hätte diese Zeit durchaus knacken können“, stellte ihr Stützpunkttrainer aus Hannover, Björn Sterzel, fest. Damit hatte er zweifelsfrei recht, und genau an dieser Stelle beginnt die Krux der Geschichte.

Denn Anna-Lena Freese musste ihr Tempo zehn Meter vor dem Ziel deutlich drosseln, um nicht eine weitere, möglicherweise schlimmere Verletzung zu riskieren. Zur Erinnerung: Auf Grund einer Muskelproblemen im Bereich des Beuger, die im Trainingslager in den USA auftraten, musste sie eine mehrwöchige Wettkampfpause einlegen und ihren Start in die Freiluft-Serie nach hinten verschieben. Osterode wurde schließlich als idealer erster Test auserkoren. Und dort lief es ja auch prima für Anna-Lena Freese. Einem laut Björn Sterzel eher „suboptimalen Start“ folgte eine bemerkenswerte Beschleunigungsphase, „die richtig stark war“, wie auch ihr Trainer fand. Ohne besagte Muskelverhärtung kurz vor Schluss wäre die Zeit wohl noch besser gewesen. Auf den Finallauf verzichtete die 20-Jährige dann bewusst. „Ein reine Vorsichtsmaßnahme“, versicherte Björn Sterzel. Eine Vernunftsentscheidung, könnte man auch sagen.

In diesem Zusammenhang ist auch Freeses Absage an der DLV-Gala in Mannheim zu verstehen. Dort wollte sie sich am kommenden Wochenende mit der Konkurrenz messen, dort, wo sie im vergangenen Jahr sagenhafte 23,28 Sekunden über die 200 Meter, ihre eigentliche Paradestrecke, lief. Aber die Muskelbeschwerden verlangen nach Vorsicht. So hat Anna-Lena Freese weiterhin die Deutschen Meisterschaften in Ulm am letzten Juli-Wochenende fest im Blick. Möglicherweise startet sie zuvor noch am 17. Juli bei einem Leichtathletik-Fest, das ebenfalls in Mannheim stattfindet. „Aber das entscheiden wir dann kurzfristig“, erklärte ihr Trainer.

Was nach Osterode blieb, war ein leicht diffuses Einerseits-andererseits-Gefühl. Einerseits gab es diese 100-Meter-Zeit, und die war so gut, dass sie zweifelsfrei als Mutmacher taugt. „Anna-Lena hat gemerkt, wie schnell sie wieder sein kann, und das ist die Hauptsache“, stellte Björn Sterzel zufrieden fest. Dass sie mit besagten 11,57 Sekunden aktuell unter den deutschen Top Ten zu finden ist, sei ein netter Randaspekt, aber nicht weiter von Belang.

Viel wichtiger sei dagegen eine Charaktereigenschaft seines Schützling, trübe Gedanken schnell mit einer zuversichtlichen Grundeinstellung zu verdrängen. Ein positiv denkender Typ sei Anna-Lena Freese. Jemand, der Bestätigungen des eigenen Leistungsvermögens richtig einordnen und daraus Selbstvertrauen schöpfen könne. Auch und gerade nach Rückschlägen.

Andererseits blieb die Gewissheit, nun schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit an der gleichen Körperstelle Beschwerden verspürt zu haben. Die Sache mit dem Beuger sei natürlich ärgerlich, so Björn Sterzel, aber definitiv nichts Gravierendes. Nichts, das nach einem abrupten Saison-Ende verlange. „Anna-Lena ist sowieso eine Kämpfernatur, die mit solchen Rückschlägen umgehen kann“, sagt er. Klar, sei die aktuelle Situation nicht so, wie man es sich wünschen würde. „Aber eine Karriere im Sport verläuft nie geradlinig“, fügt Sterzel hinzu, und Anna-Lena Freese sei fraglos eine Kämpfernatur. „Also muss man die Situation, so, wie sie jetzt ist, annehmen und akzeptieren.“ Punkt.

Und diese Situation sieht nach wie vor eine Sprinterin, deren Hauptaugenmerk auf den 200 Metern liegen. Daran hat sich nichts geändert. Allen Top-Resultaten über die 100 Meter zum Trotz. Aber die hätten fraglos ihren (Nutz-)Wert. „Um sich nämlich über die 200 Meter zu steigern, muss man auch die 100-Meter-Zeit verbessern“, erklärt Björn Sterzel. Deshalb könne es durchaus sein, dass Anna-Lena Freese innerhalb einer Saison mehr 100- als 200-Meter-Rennen bestreite, ohne dass darin ein Widerspruch zu erkennen sei.

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