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18-jähriger Daniel Kardoeus überrascht die Szene / Sieg über Tobias Jugelt sorgt für Erstaunen
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Vom Zauberschach zum Bremer Vizetitel

JULIUS KLOSS 29.06.2015 0 Kommentare

schach werder bremen
Daniel Kardoeus sorgte mit seinem überraschenden Bremer Vizetitel für Erstaunen in der Schach-Szene. (Julius Kloss)

Hinter David Kardoeus würde man im ersten Moment nicht unbedingt den erfolgreichen Jugendspieler vermuten, der momentan die Bremer Schachszene aufhorchen lässt. Er ist groß, athletisch, ein Typ eher wie ein Fußballer. Tatsächlich kickt er in seiner Freizeit für den TV Eiche Horn, seine große Leidenschaft ist jedoch das Spiel mit den Figuren. Erst kürzlich verblüffte der Spieler des SV Werder Bremen mit der Bremer Vizemeisterschaft und einem Sieg gegen Topfavorit Tobias Jugelt die Experten und heimste dafür viel Lob ein. Der Abiturient aus Horn wertet den Erfolg als „Meilenstein meiner Schachkarriere“. Mit seinem kämpferischen und teils auch wagemutigen Spielstil hat er sich darüber hinaus den Ruf als großes Talent erworben.

Begonnen hatte alles im zarten Alter von sechs Jahren. Damals gründete Vater Jens an der Grundschule an der Philipp-Reis-Straße eine Schach-AG für interessierte Schüler. Dass sein Sohn sich ebenfalls dieser AG anschloss hatte aber erstmal andere Gründe. „Ich habe in den Harry-Potter-Filmen das „Zauberschach“ gesehen und wollte so etwas auch lernen“, sagt David Kardoeus. Claus-Dieter Meyer, damals Schachtrainer bei Werder, erkannte Davids Talent und holte ihn mit zehn Jahren in die Jugendabteilung der Grün-Weißen.

Von da an ging es steil bergauf für den jungen Bremer. Jetzt, acht Jahre später, kann er sogar bereits auf einen Einsatz in Werders Bundesligateam zurückblicken, was in seinem Alter keineswegs eine Selbstverständlichkeit darstellt. „Das war eine tolle Erfahrung, ich bin Werder dafür sehr dankbar“, sagte der Abiturient über sein Debüt in Werders Topmannschaft. Weitere Einsätze in der Bundesliga sind in naher Zukunft allerdings nicht zu erwarten. Jedes Bundesligateam ist dazu berechtigt, in seinem Kader zwei Startplätze an Nachwuchsspieler zu vergeben. Dies führte zum Einsatz am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison. Da er nun aber den Jugendbereich aufgrund seines Alters verlasse und der Eintritt in Werders Bundesligamannschaft allein über die Spielstärke ein sehr schwieriges Unterfangen ist, rechnet Kardoeus mit keinen weiteren Einsätzen in den nächsten Jahren.

Abgeschlossen hat er mit dem Thema aber trotzdem nicht: „Eines meiner Ziele ist es, weitere Partien für Werder Bremen in der Bundesliga zu bestreiten“, sagt Kardoeus selbstbewusst. Zunächst stehe aber ein Studium an, vorliebig in Bremen und im Bereich Maschinenbau. Dass eine solche Doppelbelastung mit Beruf und Sport aber auch für Schachspieler kein Hindernis sein muss, zeigt das Beispiel des für Werder Bremen spielenden Bundesligaspielers Luke McShane. Der Engländer spielt seit Jahren auf Weltklasseniveau, arbeitet aber hauptberuflich als Investmentbänker in London. Der „Karriereplan“ des 18-jährigen Kardoeus sieht allerdings vorerst die Etablierung im Kader der zweiten Werder-Mannschaft vor, ehe er sich größeren Zielen widme.

Doch woher rührt die Spielstärke Kardoeus‘ überhaupt und was macht ihn zu so einem großen Talent? Vater Jens, seines Zeichens Pressewart der Schachabteilung der Werderaner, hält vor allem den Ehrgeiz und den absoluten Siegeswillen seines Sohnes für ausschlaggebend für den Erfolg. „David gibt keine Partie auf, auch gegen Tobias Jugelt war das Spiel eigentlich schon verloren, doch er hat sich zurückgekämpft und gewonnen“, so Kardoeus senior. Der Nachwuchsspieler sieht seine Stärken vor allem in seiner wagemutigen Spielweise. „Ich spiele sehr aggressiv, ergreife gerne die Initiative im Spiel und opfere auch mal eine gute Figur für eine schwächere um später einen Nutzen daraus ziehen zu können, was auch gegen Jugelt zum Erfolg geführt hat“, sagt David Kardoeus.

Sein Vorbild ist der norwegische Jahrhundertspieler Magnus Carlsen. „Er ist mein Idol. Sein taktischer Spielstil und die extravarganten Züge sind einfach nur bewundernswert. Ein Mal gegen ihn antreten zu dürfen, wäre ein absoluter Traum“, so Kardoeus über den Weltranglistenersten. Auf ebendieser Weltrangliste liegt der junge Mann aus Horn übrigens momentan auf Rang 11 942. Klingt im ersten Moment nicht sonderlich spektakulär, doch schaut man sich die Rangliste der U18-Spieler an so steht für Kardoeus dort Platz 396 zu Buche, in Deutschland sogar Rang 35. Der Abiturient gibt auch zu dass die Ranglistenplatzierung durchaus eine Rolle für ihn spiele. „Natürlich guckt man mal nach, wo man zur Zeit steht. Ich bin momentan zufrieden, möchte aber in diesem Jahr noch in die Top 25 der U18-Spieler in Deutschland“, gibt er sich ambitioniert.

Für Jens Kardoeus spielen die Platzierungen und Titel aber nicht die Hauptrolle: „Ich würde mich freuen, wenn er einfach dem Sport treu bleibt und seine Begeisterung dafür behält“. Ganz kalt lassen ihn die Erfolge seines Sohnes aber natürlich trotzdem nicht: „Klar bin ich auch etwas stolz wenn ich beispielsweise auf seinen Erfolg bei den Bremer Meisterschaften angesprochen werde.“

Ein Abwenden vom Schachsport oder ein Vereinswechsel scheinen für den Filius aber momentan zur Freude des Vaters keine Rolle zu spielen. „Ich bin ein Werder-Jung, der Verein tut unglaublich viel für die eigene Jugend, ich bin allen hier sehr dankbar und zur Zeit total glücklich“, äußert sich der Nachwuchsspieler. Natürlich müsse die Auswahl des Vereines später auch vom Wohnort abhängig gemacht werden, aber prinzipiell könne sich Kardoeus vorstellen für immer in Grün und Weiss zu spielen.

Fragt man ihn nach Menschen die sein Schachspiel außerordentlich geprägt haben, so fallen vor allem zwei Namen: zum einen wäre da Claus-Dieter Meyer, der das Talent des jungen Spielers schon früh erkannte und ihn zu Werder lotste.

Zum anderen nennt Kardoeus Dr. Oliver Höpfner, Vorsitzender der Schachabteilung bei Werder Bremen und Präsident des Landesschachbundes Bremen. „Er hat in vielen Trainingseinheiten meinen Spielcharakter erkannt und entwickelt und ist maßgebend an meinem heutigen Spielstil beteiligt“, lobt Kardoeus seinen Mentor.

Dass dieser Spielstil ein sehr guter und siegbringender ist, haben die jüngsten Ergebnisse bewiesen. Wie weit es nach oben gehen kann, ist zwar noch ungewiss, doch eines ist garantiert: aufgeben wird David Kardoeus seine Ziele nie.


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Leserkommentare
thowaei am 23.10.2019 14:25
In KEINEM Land der EU kann man aktuell mit 54 Jahren in Rente gehen. Slowenien ist diesbezüglich der Spitzenreiter mit einem Renteneintrittsalter von ...
gorgon1 am 23.10.2019 14:15
Absolut mein Meinung. !!!
Beste Grüße