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Kommentar über die Bundesliga-Saison
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Deutschland sucht die Super-Trainer

Mathias Sonnenberg 17.05.2019 0 Kommentare

Erfolgreich, aber doch nicht gut genug, um zu bleiben:  Gladbachs Trainer Dieter Hecking ist nur einer von vielen, die ihren bisherigen Arbeitgeber verlieren.
Erfolgreich, aber doch nicht gut genug, um zu bleiben:  Gladbachs Trainer Dieter Hecking ist nur einer von vielen, die ihren bisherigen Arbeitgeber verlieren. (Marius Becker / dpa)

Wer drei Euro ins Phrasenschwein werfen möchte, der würde jetzt sagen: Es ist angerichtet! Bundesliga, letzter Spieltag und erstmals seit zehn Jahren steht noch nicht fest, wer an diesem Sonnabend gegen 17.20 Uhr als Deutscher Meister 2019 gekürt wird. Wieder mal die Bayern oder doch noch Dortmund, diese Frage müsste Deutschlands Fußball-Seelen doch am finalen Bundesliga-Nachmittag dieser Saison noch einmal so richtig zum Kochen bringen. Tut sie aber nicht, dieser Schlussspurt hat was Quälendes. Denn Bayern und Dortmund rollen gefühlt mit letzter Kraft über die Ziellinie. 

Das beschreibt auch eine Bundesliga-Saison, die Borussia Dortmund phasenweise im Sturm eroberte – dann aber einen Mega-Vorsprung verspielte und sich wieder von einem FC Bayern überholen ließ, der immer mehr mit sich als den Gegnern zu tun hatte. Zuletzt rumpelten beide Mannschaften mehr oder weniger durch die Stadien, Glanzvolles war selten zu sehen. Es ist kein Meisterkampf wie in England, wo sich Manchester City und der FC Liverpool bis zuletzt mit euphorischem Fußball an der Spitze überboten. Aber Deutschland und England, das sind in dieser Saison eben zwei Ligen, die nicht auf Augenhöhe kämpfen.

Die Qualität der Spieler schrumpft

Dass Deutschlands Fußball in der Krise steckt, hat die Weltmeisterschaft 2018 gezeigt, die Champions League (im Achtelfinale war für die Bundesliga-Vereine Feierabend) und jetzt auch diese Bundesliga-Saison. Dass die englischen Klubs so stark sind, hat natürlich auch was mit Geld zu tun, das in der Premier League fast im Überfluss vorhanden ist. Aber das ist nicht neu, die Engländer werfen es nur nicht mehr wie früher ausschließlich ausländischen Stars in den Rachen, sondern produzieren jetzt selbst starken Nachwuchs. Das hat die Bundesliga auch immer wieder geschafft, doch zuletzt ruhte sich der deutsche Fußball auf Erfolgen der Vergangenheit aus.       

Doch weil die Qualität der Spieler schrumpft, müssen offenbar zuvorderst die Trainer die Sehnsucht nach Erfolgen erfüllen. Was einher geht mit einer grotesken Arbeitsplatzgefahr. Von den 18 Trainern, die im Sommer 2018 in die Saison gingen, werden im Sommer 2019 gerade mal sieben wieder auf der gleichen Bank sitzen – und das ist noch eine optimistische Annahme. Dass selbst ein Niko Kovac auch beim Gewinn von Meisterschaft und Pokalsieg keinesfalls sicher sein kann, weiter Trainer des FC Bayern zu bleiben, unterstreicht die neue Anspruchshaltung der Vereine. Auch ein Bruno Labbadia oder Dieter Hecking, die mit ihren Vereinen Wolfsburg und Gladbach noch immer die gesetzten Saisonziele übertreffen können, sind für ihre Vorgesetzten nicht mehr gut genug und verlieren ihre Jobs. 

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Der Trainer 2019 muss nicht nur erfolgreich sein und jeden Spieler besser machen, nein, er muss jetzt einen ganzen Verein formen und mit seiner Philosophie mitreißen. Nie war der Trainer einerseits wichtiger und einflussreicher als heute, aber andererseits auch noch nie mit solch einer gigantischen Erwartungshaltung konfrontiert. Die Sehnsucht nach einem Trainer, der wie einst Pep Guardiola bei den Bayern eine Mannschaft und den passenden Fußball-Stil neu erfindet, ist riesig. Und führt zu Namen, die für die meisten Fans totales Neuland sind. Marco Rose, Oliver Glasner, Alfred Schreuder, noch nie gehört? Sie sollen Gladbach, Wolfsburg und Hoffenheim in der kommenden zu neuen Ufern führen. Die Zeiten, in denen einfach Peter Neururer oder Mirko Slomka verpflichtet wurden, wenn es irgendwo nicht lief, sind passé.

Schon im Dezember als Meister gefeiert

Schlecht ist das nicht, die meisten Vereine scouten heutzutage Trainer so intensiv, wie sie es früher nur bei Spielern gemacht haben. Denn natürlich bedeuten bessere Trainer auch bessere Spieler. Und das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit von Erfolg. Florian Kohfeldt zeigt das ja gerade bei Werder, er hat viele Spieler besser gemacht. 

Was aber bleibt jetzt von dieser Fußball-Saison hängen? Joachim Löw hat für den Wiederaufbau der Nationalmannschaft drei seiner Weltmeister geopfert, Reinhard Grindel stolperte über eine geschenkte Uhr aus dem Büro des DFB-Präsidenten. Dortmund wurde schon im Dezember als Meister gefeiert. Und wenn die Bayern an diesem Sonnabend dann wie in den letzten sieben den Titel holen, hätte sich Uli Hoeneß' Spruch vom Weihnachtsmann, der noch nie der Osterhase war, mal wieder bewahrheitet. Mit anderen Worten: Die Schale wird erst im Frühling überreicht. Aber vielleicht entpuppt sich die Bundesliga ja im Finish an diesem 18. Mai wie zuletzt die Champions League: als absolut unberechenbar.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...