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Kommentar zum Handball-Boom
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Handball zeigt, was beim Fußball so nervt

Mathias Sonnenberg 24.01.2019 7 Kommentare

Die deutschen Handballer schrieben nach den Spielen viele, viele Autogramme.
Die deutschen Handballer schrieben nach den Spielen viele, viele Autogramme. (REUTERS/Wolfgang Rattay)

Der Januar gehört dem Handball. Denn während sich der Fußball nach der Winterpause immer erst so langsam in die Rückrunde quält, wird in den Sportarenen der Welt längst wechselnd um die Weltmeisterschaft und Europameisterschaft gekämpft. Jedes Jahr ein Großturnier, das ist im Handball seit 1993 so. Aber nicht immer wird Deutschland wie in diesem Winter bei der Heim-WM auch zu einem Handball-Land.

Die TV-Quoten lagen zuletzt konstant bei über zehn Millionen Zuschauern. Selbst das bedeutungslose Vorrundenspiel gegen Serbien schauten mehr Menschen als den Rückrundenauftakt Hoffenheim gegen den FC Bayern. Und an diesem Freitag wird die ARD mit dem deutschen Halbfinale gegen Norwegen ganz sicher neue Einschaltrekorde feiern.

Aber warum werden plötzlich so viele Menschen zu Handball-Fans, die ansonsten wenig Interesse an dieser Sportart zeigen? Natürlich haben ARD und ZDF einen großen Anteil. Die deutschen Spiele wurden alle am Abend übertragen. Und wenn möglich auch noch der Anstoß des deutschen Spiels von 18.15 Uhr mal eben auf 20.30 Uhr verschoben, um bessere Quoten zu garantieren. Diese – bei einer Fußball-WM völlig ausgeschlossene – Flexibilität hilft dem Handball.

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Doch die Begeisterung für Handball ist auch in der Sehnsucht nach normalen Sportler-Helden begründet. Nach Typen, die sich für ihren Sport und ihre Leidenschaft zerreißen. Oder wie es Christian Streich, Fußball-Trainer beim SC Freiburg, so schön sagt: „Du siehst Kerle, wie sie zusammenrummsen. Und wie sie dann wieder aufstehen, und keiner muckt.“ Und Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann findet, „dass die Handballer nicht so viel labern, das würde uns auf dem Fußballfeld auch gut zu Gesicht stehen“.

Ja, das stimmt, der Fußball kann sogar eine ganze Menge von den Handballern lernen. Aber nicht nur die Spieler, sondern auch die Fans. Schlägereien oder Ausschreitungen bei Handballspielen sind jedenfalls bei dieser WM nicht gemeldet worden. Auch der Einsatz von Pyros auf den Zuschauerrängen ist nicht bekannt. Denn während Fußballspiele – auch wenn sie natürlich viel mehr Öffentlichkeit auf sich ziehen – mittlerweile regelmäßig von der Polizei gesichert werden müssen, reicht bei Handballspielen meist eine Handvoll Ordner.

Handball ist geerdeter

Handball offenbart in diesen Tagen wieder einmal, was viele Fußball-Fans so nervt. Es gibt keine Spieler, die theatralisch auf das Parkett sinken und den sterbenden Schwan mimen. Und tut es nicht gut, dass der Schiedsrichter pfeift und die Spieler die Entscheidung einfach akzeptieren? Und wird doch mal lamentiert, geht es ratzfatz mit einer Zeitstrafe ab auf die Bank. Ganz ehrlich, das wünscht man sich doch auch beim Fußball! Es gibt auch keine Handballer, die gestikulierend vor dem Schiedsrichter herumhüpfen und eine Verwarnung für den Gegenspieler fordern.  

Handball ist im Vergleich zum Fußball geerdeter, er wirkt ehrlicher und authentischer. Das ist kein Vorwurf an den Fußball, denn wo viel Geld im Spiel ist, werden viele Werte des Sports über kurz oder lang mit Füßen getreten. Fußball-Vereine sind an der Börse notiert, sportliche Schwankungen haben große finanzielle Folgen. Wer als Sportler in diesem Business heranwächst, ist Teil des Systems und unterliegt fast zwangsläufig dem Vorwurf, an Bodenhaftung zu verlieren. 

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Die deutschen Handballer jedenfalls kommen nicht mit dicken Kopfhörern aus dem Bus, um auf dem Weg in die Arenen die Umgebung auszublenden. Sie schrieben nach den Spielen viele, viele Autogramme. Die TV-Sender sendeten Bilder von glücklichen Sportlern, die nach ihren Siegen erschöpft in der Kabine saßen und sich mit einer Flasche Bier zuprosteten. Und immer wieder gibt es diese Unterbrechungen bei den Spielen, in denen der TV-Zuschauer dank Richtmikrofon erfuhr, was der Trainer seinen Spielern an taktischen Anweisungen mit auf das Spielfeld gab. Auch wenn etwas unklar blieb, was Bundestrainer Christian Prokop denn nun mit „bisschen prellen, spanische Schule“ wirklich meinte.

Diese Nähe, glaubt der Fußball, hat er nicht mehr nötig. Kameras in der Kabine? Käme einem Tabubruch gleich. Dabei öffnen sogar Sportarten wie Basketball oder Football in den USA für die Medien ihre heiligen Räume. Der Fußball aber setzt seit Jahren auf wachsende Abschottung und Reglementierung seiner Spieler. Herausgekommen sind dabei Fußballer, die meist Nichtigkeiten von sich geben und unnahbar bleiben. Dabei täte dem Fußball-Geschäft ein bisschen mehr Nähe zu den Fans und Offenheit gegenüber den Medien ganz gut.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...