Wetter: Regenschauer, 9 bis 15 °C
WM-Boom?
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Mitglieder und Migration: Handball will vielfältiger werden

29.01.2019 0 Kommentare

Tim Suton
Tim Suton ist derzeit der einzige deutsche Handball-Nationalspieler mit Migrationshintergrund. Foto: Federico Gambarini (Federico Gambarini / dpa)

Uwe Gensheimer, Andreas Wolff, Finn Lemke - die Namen der deutschen Handball-Nationalspieler gingen den Fans bei der begeisternden Heim-WM leicht über die Lippen.

Nur ein Akteur im Team von Bundestrainer Christian Prokop hat einen Migrationshintergrund - Tim Suton, dessen Eltern aber schon vor seiner Geburt aus Kroatien nach Deutschland kamen.

Klaus Cachay, Sportsoziologe an der Uni Bielefeld, und Carmen Borggrefe von der Universität Stuttgart haben dieses Phänomen wissenschaftlich untersucht. In ihrer Arbeit „Weltmeister werden mit Euch! Eine Studie zum Problem der Unterrepräsentanz von Migrantinnen und Migranten im Handball“ kommen beide zu dem Ergebnis: Das Fehlen eines Migrationshintergrunds bedroht die Existenz des deutschen Handballs.

Der Deutsche Handballbund weiß um diese Problematik. „Migration ist ein Thema, weil wir wissen, wenn wir an diese Zielgruppe nicht herangehen, dass dann die Gesamtheit kleiner wird. Es steht seit ein paar Jahren auf unserer Agenda“, sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober der Deutschen Presse-Agentur. „Es gibt schon die ersten Maßnahmen, auch wenn wir nicht explizit besondere Programme auflegen.“

Laut einer Statistik der Bundeszentrale für politische Bildung lebten 2017 in Deutschland mehr als 19 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das ist fast ein Viertel (23,6 Prozent) der Gesamtbevölkerung. Doch während der Fußball kaum Probleme hat, Kinder aus anderen Kulturkreisen zu gewinnen, fällt dies im Handball äußerst schwer.

Die Erklärungen dafür sind vielschichtig. Integration, Tradition, Infrastruktur und Schule sind die häufigsten Schlagworte, die in diesem Zusammenhang fallen. „Entscheidend sind dabei auch die Eltern, denn wir holen die Kinder schon ganz früh in die Vereine“, betonte Schober.

Für die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände ist eine mögliche Erklärung für den geringen Migrantenanteil im Handball, dass die Sportart in vielen Herkunftsländern weitestgehend unbekannt ist und der Sport dadurch keine Basis hat, auf die bereits früher aufgebaut werden konnte.

Nach Ansicht von Borggrefe ist aber auch der Handball gefordert. „Wenn sie die Kommunikationsmittel der Vereine ansehen, die Homepages oder die Social-Media-Kanäle, dann sieht man lauter blonde Kinder, die dort abgebildet sind“, sagte die Sport-Wissenschaftlerin dem Newsportal watson.de.

Anders als in Frankreich, wo die Bemühungen zur Integration viel früher begannen und die Nationalmannschaft zu etwa zwei Dritteln aus Spielern mit Migrationshintergrund gebildet wird, setzt der DHB in der Außendarstellung immer noch verstärkt auf typisch deutsche Tugenden.

Verbandsboss Andreas Michelmann findet dies nicht verwerflich. Sein Credo: Bei dem Versuch, den Handball vielfältiger zu machen, dürfe man sich nicht verbiegen. Es sei der falsche Weg, „zu verbergen, dass Handball eine europäische oder gar deutsche Sportart ist, mit der Begründung, andernfalls würden Migranten dadurch abgeschreckt oder müssten sich kulturell von uns abgrenzen“, sagte Michelmann in einem Interview der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Aus Sicht des DHB-Präsidenten komme es vielmehr darauf an, die richtigen Angebote zu machen. „Vielleicht müssen wir stärker die Kombination von Sport und Sprache anbieten. Denn wenn die Eltern mitbekommen, dass ihre Kids beim Handball spielend Deutsch lernen und so auch ihre Chancen in der Schule steigen, kann das ein Weg sein, über die Kinder zu mehr Nachwuchs für den Handball zu kommen, ohne sich als Sportart zu verbiegen“, sagte Michelmann.

Mit Aktionstagen an Grundschulen oder dem AOK-Startraining, bei dem Nationalspieler mit Kindern üben, soll der Nachwuchs für den Handball begeistert werden - unabhängig von Herkunft und Hautfarbe. „Wenn ich als Verein in die Schule gehe, spreche ich jedes Kind an. Da mache ich keinen Unterschied. Jeder ist herzlich willkommen“, sagte Schober. Und Michelmann warb: „Wer zu uns kommt und sich in unsere Kultur integrieren will, für den ist gerade Handball eine gute Möglichkeit.“ (dpa)


Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Lokalsport im Überblick

Sport in Bremen: Meldungen aus Bremen und den Stadtteilen

 

Die Norddeutsche: Sport aus Bremen-Nord, Schwanewede, Elsfleth, Berne und Lemwerder

 

Osterholzer Kreisblatt/Wümme-Zeitung: Sport aus Hagen, Hambergen, OHZ, Ritterhude, Gnarrenburg, Worpswede, Tarmstedt, Lilienthal, Grasberg

 

Achimer Kurier/Verdener Nachrichten: Sport aus Achim, Verden, Ottersberg, Oyten, Sottrum, Rotenburg, Langwedel, Thedinghausen, Kirchlinteln, Dörverden

 

Regionale Rundschau/Syker Kurier: Sport aus Stuhr, Weyhe, Syke, Bassum, Bruchhausen-Vilsen

 

Delmenhorster Kurier: Sport aus Delmenhorst, Hude, Ganderkesee, Dötlingen, Harpstedt, Wildeshausen

Sport aus der Region
Sport aus der Region
Leserkommentare
admiral_brommy am 19.10.2019 13:20
Durchaus nicht.



Bildungserfolg hängt immer von diversen Faktoren ab. Daher ist es Aufgabe der Politik, diese Faktoren so ...
suziwolf am 19.10.2019 13:17
@Siegfried ...

Sie machen aber jetzt die Idee der BI zum
regelrechten Mischmasch.

• Produktion von Aluminium ...