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Kommentar über den FC Union
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Passt auf euch auf, Berliner Freunde

Marc Hagedorn 30.05.2019 0 Kommentare

Die Fans von Union Berlin feiert den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga.
Die Fans von Union Berlin feiert den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. (Britta Pedersen /dpa)

Nina Hagen singt die Vereinshymne. Der Stadion-DJ legt regelmäßig Hardrock auf. Und wenn das Stadion vergrößert oder aufgehübscht werden muss, dann rühren die Fans hier selbst den Zement an. Willkommen in Köpenick, willkommen beim 1. FC Union Berlin, der es erstmals in seiner Vereinsgeschichte in die erste Fußball-Bundesliga geschafft hat. 

Gibt es irgendeinen Fußballfan im Land, der es nicht gut findet, dass „Eisern Union“ jetzt in der ersten Liga spielt? Abgesehen von den Fans des VfB Stuttgart natürlich, dessen Platz die Berliner nun einnehmen. „Eisern Union“ muss man einfach mögen, wenn man ein Herz für rührige Außenseiter, rauen Charme und urwüchsige Fußballkultur hat. Allein diese Zahl lässt die Augen von uns Fußball-Romantikern glänzen: 18.000 der 22.000 Plätze im Stadion Alte Försterei sind Stehplätze. Stehplätze! Im Jahr 2019!

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Der 1. FC Union ist schon ein ganz besonderer Fall. Tief verwurzelt im Ost-Teil der Stadt und dem Bewusstsein der Menschen in den neuen Ländern, erstklassig zuletzt 1989, in der damaligen DDR-Oberliga. „Eisern Union“, Gegenentwurf zum verhassten „Stasi-Klub“ BFC Dynamo. 

In Köpenick ist immer was los: Das jährliche Weihnachtssingen im Stadion ist für 28.000 Besucher Pflichttermin. Ein paar Mal ist der Klub in den vergangenen Jahrzehnten haarscharf an der Pleite vorbeigeschrammt. Immer ist „Eisern Union“ wieder aufgestanden. „Eisern Union“ ist der aufrichtige Kumpel, der sich nicht verbiegt, und der im Zweifel lieber der nette Verlierer als der abgebrühte Kassierer ist.

Jetzt also erste Liga. Sehr schön. Ein weiterer Traditionsverein ganz oben. Super. Ein Stadtderby in Berlin. Geil. Ein richtiger Ost-Verein erstklassig. Endlich. (RB Leipzig müsste ja eigentlich in Österreich spielen, meinen Spötter, also dort, wo Mäzen Mateschitz herkommt).

„Es verändert sich nichts“, hat der Union-Präsident gleich nach dem Aufstieg versprochen. Schön wär’s, aber wenn er sich da mal nicht täuscht. Denn es wird alles anders werden. Fußball in der ersten Liga ist vor allem eines: großes Theater und kunterbunte Show. Da werden Heldengeschichten inszeniert, vor allem vom Bezahlfernsehen und den Boulevardmedien.

Immer wieder liebenswerte Underdogs in der Bundesliga

Es hat in den vergangenen Jahren regelmäßig liebenswerte Underdogs in der Bundesliga gegeben. Darmstadt 98, Eintracht Braunschweig, Greuther Fürth, Paderborn. Ihre Saisonverläufe folgten stets einem nur leicht variierten Drehbuch: Anfangs verzauberten die frechen Aufsteiger das Publikum mit überraschenden Siegen und unerwarteten Großtaten. Auch die Zeit der ersten Krise ist meist unterhaltsam und für den Verein auszuhalten – vorausgesetzt, er kriegt rechtzeitig die Kurve.

Wenn nicht, dann gute Nacht. Dann wird der einstige Liebling zum x-beliebigen Loser, dann kann auch viel kaputtgehen. Paderborn wäre nach seiner ersten Bundesliga-Stippvisite fast in der vierten Liga gelandet, genau wie Braunschweig. Fürth und Darmstadt schafften es so gerade, nicht in die dritte Liga durchgereicht zu werden. Also bei aller Vorfreude jetzt: Passt auf euch auf, Freunde.

Im Moment ist aber noch Status Schmetterlinge im Bauch. Denn „Eisern Union“ steht nicht nur für einen Klub, der anders ist als der große Rest, wie zum Beispiel der FC St. Pauli, sondern er ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass man heutzutage im Profifußball jenseits von SAP-Hoffenheim, Rote-Brause-Leipzig und VW-Wolfsburg etwas erreichen kann. Erfolg setzt nicht zwangsläufig Investitionen von Aber-Millionen Euro voraus. Manchmal reicht auch einfach gute Arbeit. Schönen Gruß nach Hamburg, Hannover und Stuttgart.

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Stichwort Arbeit. Man darf der Selbstbeschreibung des 1. FC Union als Arbeiterklub aber auch nicht komplett auf den Leim gehen. Auch der 1. FC Union zahlt seinen Spielern, erst recht demnächst in der ersten Liga, Hunderttausende von Euro. Das Budget für die Profimannschaft soll dann bei 40 Millionen liegen. An der Werkbank oder auf dem Bau muss vormittags vor dem Training keiner der Spieler malochen.

Aber wahr ist auch, dass der 1. FC Union näher an der Lebenswirklichkeit seiner Fans ist, als es beim FC Bayern, Borussia Dortmund oder Schalke 04 der Fall ist. Das fühlt sich gut an. Der Bundesliga können ein bisschen Bodenständigkeit und Rock’n‘Roll nicht schaden, Hochglanz gibt‘s hier schon zur Genüge. Der 1. FC Union wird dem satten Betrieb nicht dauerhaft Flügel verleihen, aber er wird den Laden etwas aufmischen. Freuen wir uns drauf.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...