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Final Four in Ulm
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Tischtennis: Werder holt nur die Silbermedaille

Jörg Niemeyer 05.01.2019 0 Kommentare

Bastian Steger zeigte in Ulm eine ganz starke Leistung, für den Pokalsieg reichte es trotzdem nicht.
Bastian Steger zeigte in Ulm eine ganz starke Leistung, für den Pokalsieg reichte es trotzdem nicht. (Benjamin Lau)

Da standen die Werderaner nun mit ihren Silbermedaillen um den Hals – aber mit leeren Händen. Wie gern hätten sie den Pokal in die Höhe gestemmt und den Konfettiregen über sich ergehen lassen, der ein paar Minuten später von der Decke der Ulmer Ratiopharm-Arena über die glücklichen Akteure der TTF Ochsenhausen herunterrieselte.

Aber als die Hymne aller Sieger weltweit, das Lied „We are the Champions“ von Queen, aus den Boxen schallte, waren die im Finale des Final Four unterlegenen Bremer schon gar nicht mehr in der Halle. Nach einem atemberaubenden, dramatischen Tag wartete der nächste Kampf auf sie: 160 Kilometer auf winterlichen Autobahnen, um noch das 20.40-Uhr-Flugzeug von München nach Bremen zu erwischen. Wie schon bei der Endrunde um den deutschen Tischtennis-Pokal, war Werder auch gegen das Wetter in der Außenseiterrolle – und behielt wenigstens diesmal die Oberhand. Zwar hob die Maschine mit Verspätung ab, aber immerhin konnten die Werderaner die Nacht dann doch im heimischen Bett statt im Auto verbringen.

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Eine unwirkliche Mischung aus Enttäuschung und Stolz begleitete die Werderaner im Auto. „Ich glaube, dass wir uns nach zwei, drei Nächten nicht mehr so sehr als Verlierer fühlen“, sagte Teamchef Sascha Greber. Nach einer großartigen Vorstellung seiner Mannschaft war er sich aber sicher, in der mit 4020 Zuschauern voll besetzten Halle – das ist bisheriger Rekord beim Pokalfinale – viele Sympathien gewonnen zu haben. „Mir haben auch viele Fans gratuliert“, sagte Trainer Cristian Tamas. Und damit meinte er nicht nur die etwa 20 mitgereisten aus Bremen, denen ebenfalls großer Dank für ihren Einsatz gebühre, sondern auch Zuschauer, die noch keine Werder-Fans waren.

Bremer wollten den Pokalsieg

Alle in der Halle und erst recht die gegnerischen Teams, erst der ASV Grünwettersbach im Halbfinale und dann die TTF Ochsenhausen im Endspiel, haben gesehen, wie sehr die Bremer den Pokalsieg wollten. „Die Spieler sind heute über sich hinausgewachsen“, sagte Tamas – das war nicht übertrieben. Während Florent Lambiet am Sonnabend nicht zum Einsatz kam, überzeugten seine Mannschaftskameraden mit einer herausragenden Leistung. „Wir haben unsere schlechte Bundesliga-Saison völlig ausblenden können“, freute sich Tamas, „aber am Ende sollte es trotzdem nicht reichen.“

Gustavo Tsuboi, Werders brasilianischer Weltranglisten-42., zeigte in Ulm wohl seine bislang beste Vorstellung im Werder-Trikot. Tsuboi rang im Halbfinale Grünwettersbachs Nummer eins Ricardo Walther mit 3:2 nieder und steuerte gegen Ochsenhausen auf eine große Sensation zu. Gegen den Franzosen Simon Gauzy, der als 34. der Welt der schlecht platzierteste TTF-Akteur des Tages war, war Tsuboi drauf und dran, Werder mit 2:1 in Führung zu bringen.

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Er hatte sich mit Gauzy phantastische Ballwechsel geliefert und seinen Gegner im fünften Satz fast schon am Boden. 4:1 hieß es für den Bremer, als Gauzy mit letztem Einsatz und Bogenbällen die unerwartete Wende erzwang. Statt das scheinbar sichere 5:1 zu machen, verschlug Tsuboi – und holte keinen Punkt mehr. Das 4:11 bedeutete das 1:2 im Gesamtstand und damit eine Hypothek, die Bastian Steger als 55. der Welt trotz starker Leistung gegen die Nummer sechs der Welt, Hugo Calderano, nicht mehr wettmachen konnte. „Ich hatte die Chance zum 5:1 – das ist schon sehr enttäuschend“, sagte Gustavo Tsuboi.

Viel Pech an diesem überragenden Tag

Bitter, dass der 37-Jährige, der in dieser Saison so oft weit unter seinen Möglichkeiten gespielt hatte, an diesem überragenden Tag irgendwie trotzdem zu Werders Pechvogel wurde. So ein bisschen traf das auch auf Hunor Szöcs zu, dem die Erfolgserlebnisse in dieser Saison auch ziemlich abhanden gekommen sind und der am Sonnabend wieder einmal knapp davor scheitern sollte. „Huni hat ganz stark gespielt“, sagte Tamas nach dem 2:3 seines Schützlings im Duell mit dem Grünwettersbacher Bojan Tokic.

Szöcs führte im fünften Satz schon mit 9:7, um dann erneut nicht die Früchte seiner eigentlich hervorragenden Arbeit zu ernten. Er hatte in beiden Spielen des Tages, also auch im Finale gegen den überragenden Hugo Calderano, alles gegeben. „Aber es war nicht genug“, resümierte er, ohne diesmal so enttäuscht wie nach vielen Punktspielen zuvor zu sein.

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Wie sehr der zur neuen Saison zum TSV Bad Königshofen wechselnde Bastian Steger Werder fehlen könnte, demonstrierte der Routinier beim Final Four noch mal mit allem Nachdruck. „Basti hat uns ins Finale gebracht“, lobte Tamas seine Nummer eins, die mit zwei Siegen gegen Grünwettersbach bestach und im Endspiel auch mit dem umkämpften 3:2 über den Koreaner Jang Woojin, immerhin die Nummer elf der Welt, für das Highlight aus Bremer Sicht sorgte. „Vielleicht gelingt uns ja die Sensation“, teilte Steger unmittelbar nach seinem 1:1-Ausgleich via Hallenmikrofon den Zuschauern mit. Die meisten unter den 4020 wollten diese Kampfansage eigentlich nicht hören, denn Ochsenhausen, nur etwa 70 Kilometer von Ulm entfernt, genoss in der Arena hörbar ein Heimspiel.

Ochsenhausener ließen sich nicht beeindrucken

Doch weder von den eigenen schlechten Ergebnissen in der Bundesliga noch von der Kulisse noch von den in der Weltrangliste so hoch platzierten Ochsenhausenern ließen sich die Werderaner an diesem Tag beeindrucken. Ihr Fokus lag, wie versprochen, auf dem Pokalsieg – und so viel sollte am Ende tatsächlich nicht fehlen. „Die Teams der Liga, das hat sich heute wieder gezeigt, sind sehr eng zusammengerückt“, sagte der Geschäftsführer der Tischtennis-Bundesliga (TTBL), Nico Stehle, am Ende der stimmungsvollen Veranstaltung, die die TTBL als Organisator hervorragend über die Bühne gebracht hatte.

Dass mit Ochsenhausen der Tabellenführer auf den aktuellen Vorletzten aus Bremen traf, war jedenfalls zu keinem Zeitpunkt zu spüren. So aber feierten die Süddeutschen unter rieselndem Konfetti ihren ersten Titelgewinn nach 15 erfolglosen Jahren. „Wir waren auch bereit“, sagte Hunor Szöcs. Gegen fast jeden anderen Gegner hätte Werders Leistung wohl auch zum Triumph gereicht.

Weitere Informationen

Pokal-Halbfinale in Ulm

SV Werder - ASV Grünwettersbach  3:1

Steger - Qiu  3:2 (8:11, 11:8, 4:11, 11:6, 12:10)

Tsuboi - Walther  3:2 (12:10, 15:13, 4:11, 5:11, 11:8)

Szöcs - Tokic  2:3 (7:11, 6:11, 12:10, 11:6, 9:11)

Steger - Walter  3:0 (11:6, 11:9, 11:5)

TTC Grenzau - TTF Ochsenhausen   0:3

Finale

TTF Ochsenhausen - SV Werder  3:1

Calderano - Szöcs  3:1 (9:11, 11:5, 11:6, 11:6)

Jang - Steger  2:3 (11:7, 3:11, 5:11, 11:6, 9:11)

Gauzy - Tsuboi  3:2 (10:12, 11:9, 9:11, 11:9, 11:4)

Calderano - Steger  3:0 (13:11, 11:8, 11:3)


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Leserkommentare
hopfen am 21.10.2019 11:38
Ein sehr gutes Beispiel dafür wie realitätsfern Politiker inzwischen sind. Würden alle fast identische Ferienzeiten bekommen, würde das absolute ...
admiral_brommy am 21.10.2019 11:29
Zitat: ".....und die Behörden lehnen seinen Asylantrag ab. "

Ausreisepflichtig scheint er aber nicht zu sein. Warum?
Warum ...