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Trotz Problemen: Die Leichtathletik-WM ist keine Skandalveranstaltung

Jörg Niemeyer 04.10.2019 0 Kommentare

Seit dem späten Donnerstagabend ein Star der Leichtathletik: Niklas Kaul, 21-jähriger Weltmeister im Zehnkampf aus Deutschland.
Seit dem späten Donnerstagabend ein Star der Leichtathletik: Niklas Kaul, 21-jähriger Weltmeister im Zehnkampf aus Deutschland. (MICHAEL KAPPELER/dpa)

Die Auftritte der Sportler sind das Eine, die mal fantastischen, mal verstörenden oder gar schockierenden Bilder das Andere. Es ist dieses Gemisch aus menschlicher Leistung im körperlichen Grenzbereich und eindrucksvollen Impressionen, das eine Leichtathletik-WM für Zuschauer so attraktiv macht. Wer die Wettkämpfe verfolgt, spürt die besondere Atmosphäre. Leichtathletik ist spannend, weil es nicht nur um Topleistungen geht, sondern immer auch unkalkulierbare Mächte im Spiel sind. Triumph oder Tragödie: Ein Fehlstart, ein Sturz oder eine Verletzung können jederzeit zum Aus führen. Bestes Beispiel: der Zehnkampf mit dem deutschen Sensationssieger Niklas Kaul.

Bis Sonntag noch läuft die WM in Doha. Sie hat tolle Bilder geliefert, wie sie sich die Fans wünschen. Und Bilder, die die Welt nicht braucht. Ausgerechnet in einem arabischen Land gibt es eine schamlose Premiere: Kameras in den Startblöcken, die nicht nur die Gesichter der Athleten zeigen, sondern auch deren Schritt. Besonders für Frauen im knappen Sportdress ein entwürdigender Vorgang.

Vielleicht stehen diese Kameras in den Startblöcken exemplarisch für das, was im Spitzensport – nicht nur in der Leichtathletik – heutzutage schiefläuft: Die Entscheider sprechen nicht oder nicht ausführlich genug mit denen, über die sie entscheiden. Nicht jede originelle Idee zündet am Ende. Möglicherweise haben ja nur Männer die umstrittenen Startblockkameras getestet. Das wäre eine Erklärung, aber keine Entschuldigung. Und sicher ist: Das Schamgefühl ist bei aller Konzentration auf das technisch Machbare auf der Strecke geblieben.

Klimatische Bedingungen sind schwer zu beseitigen

Nun ist dieses Problem abgeschwächt worden, indem die kompromittierenden Bilder geschwärzt werden. Das Problem mit den klimatischen Bedingungen in Katar ist dagegen nicht so leicht zu beheben. Lässt sich die Temperatur im Stadion noch mit einer gigantischen Klimaanlage herunterfahren, geht das beim Marathonlauf durch die Straßen der Hauptstadt nicht. Kein Wunder, dass die Aktiven angesichts der hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit reihenweise kollabieren.

So gab es gleich zu Beginn der WM schockierende Bilder von Sportlern, die völlig entkräftet in Rollstühlen von der Strecke gebracht werden mussten. Welch krasser Gegensatz im Vergleich zu den Fernsehbildern, die Thomas Bach im Stadion bestens gelaunt in einem komfortablen Sessel zeigten. Der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in einer Wohlfühloase, umgeben von Einheimischen, die ihre Gäste mit Getränken aus blankpolierten Kannen versorgen: Auch das ist die WM in Doha. Aber unterscheidet sie sich so sehr von anderen Sportveranstaltungen?

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Die katarischen Funktionäre haben gelogen, als sie voll besetzte Stadionränge versprachen. Das ist unverzeihlich, aber irgendwie auch entlarvend. Denn wie dumm muss jemand sein, der der Öffentlichkeit sagt, dass nur noch Restkarten zu kaufen seien, wenn wenig später bei den Wettbewerben gähnende Leere im Stadion herrscht? Peinlich ist auch, dass Bauarbeiter und Soldaten ins Stadion geholt werden, um wenigstens für ein bisschen Stimmung zu sorgen.

Optimale Bedingungen 

Doch weder die ausbleibenden Stadionbesucher noch die klimatischen Bedingungen machen aus der WM in Katar eine Skandalveranstaltung. Eine Fußball-WM im heißen Mexiko mit Spielen zur Mittagszeit hat es ebenso gegeben wie Olympische Spiele in Peking oder Sotschi, obwohl China und Russland nicht dafür bekannt sind, westliche Standards zum Beispiel in Menschenrechtsfragen einzuhalten. Die WM in Doha in einer überdimensionierten Kühlbox mag ja umwelt- und klimapolitischer Wahnsinn sein. Aber wahr ist auch, dass die Athleten im Stadion hervorragende Bedingungen vorfinden. Dass sie für den Wettkampf sozusagen von der einen Klimazone in eine andere wechseln, steht auf einem anderen Blatt. Aber das wussten die Sportler und ihre Trainer vorher, und darauf haben sie sich so gut wie möglich vorbereitet.

Spannender als die Tatsache, dass die WM in Doha läuft, ist die Frage, warum sie dorthin vergeben worden ist. Aber diese Frage sollte, allein schon aus Respekt vor den Sportlern, nicht in den Tagen der WM thematisiert werden. Das Beispiel der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland zeigt, dass auch in hiesigen Breiten jahrelang und am Ende vielleicht sogar vergeblich nach einer Antwort gesucht wird. Leider gehört das heute genauso zum Sport wie die vielen schönen, manchmal aber auch schwer zu ertragenden Bilder.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?