Amazone feiert Richtfest für neue Lackiererei in Altmoorhausen / Rund 20 Millionen Euro Investition 17,5 Meter hoher Maßstab und Meilenstein

Hude-Altmoorhausen. „Auf den Zimmermann mussten wir verzichten, auf Beton, Stahl und Stein ist hier zu richten“, reimte Marco Schuhmann von der Firma Syston Betonbausysteme. Der Mangel an Tradition stellte sich beim Richtfest für die neue Lackiererei der Amazonen-Werke im Gewerbegebiet Altmoorhausen am gestrigen Mittwochnachmittag allerdings durchaus als Vorteil heraus.
02.07.2015, 00:00
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Von Ute Winsemann

„Auf den Zimmermann mussten wir verzichten, auf Beton, Stahl und Stein ist hier zu richten“, reimte Marco Schuhmann von der Firma Syston Betonbausysteme. Der Mangel an Tradition stellte sich beim Richtfest für die neue Lackiererei der Amazonen-Werke im Gewerbegebiet Altmoorhausen am gestrigen Mittwochnachmittag allerdings durchaus als Vorteil heraus. Denn während bei der klassischen Variante zwar der Dachstuhl steht, aber noch nicht eingedeckt ist, fanden die Gäste diesmal unter „vielen Quadratmetern Schattenspender“ in Form des bereits weitgehend aufgelegten Dachs Platz, wie der Leiter des Huder Amazone-Standorts, Stephan Evers, bei seiner Begrüßung bemerkte.

Lediglich für den eigentlichen Richtspruch begaben sich alle kurz nach draußen. Dort mussten sie den Blick ziemlich hoch in den gleißenden Sommerhimmel heben. Schließlich ist die Halle für die „Farbgebungsanlage“, wie sie bei Amazone offiziell heißt, 17,5 Meter hoch und damit noch deutlich höher als die bisher in Altmoorhausen stehenden sieben Fertigungshallen sowie die ebenfalls neue Logistikhalle. Doch nicht nur der Höhe wegen sprach Evers davon, dass Amazone mit dem Projekt „klare Maßstäbe setzen“ wolle.

Vielmehr bezog er sich dabei vor allem auf das, was ab dem nächsten Jahr in der Halle passieren soll. Die neue Lackiererei ermögliche nicht nur, die Produktqualität weiter zu verbessern und die Kosten zu senken. Sondern sie werde auch in Hinblick auf die Umwelt optimiert, ob nun beim Einsatz von Lösemitteln oder auch beim Energieverbrauch. In verschiedenen Tauchbecken können Bauteile bis zu 6,5 Metern Länge, 1,5 Metern Breite und 2,5 Metern Höhe sowie 1,5 Tonnen Gewicht behandelt werden. Außerdem ist eine moderne Abwasserbehandlungsanlage vorgesehen. Alle sensiblen Bereiche werden nach Amazone-Angaben in speziellen Auffangwannen untergebracht, die doppelt gegen Lecks abgesichert sind.

Die Gruben sind derzeit in Arbeit, parallel werden die Wände verkleidet. Voraussichtlich im August soll – nach etwa einem halben Jahr Bauzeit – die Hallensohle geschlossen werden.

Dann geht die Arbeit aber erst richtig los, denn dann folgt die technische Ausstattung des Gebäudes. Die eigentliche Farbgebungsanlage soll ab Ende Oktober aufgebaut werden. Ab Frühjahr 2016 soll sie nach und nach in Betrieb gehen. Die vollständige Übergabe ist laut Evers für Herbst 2016 geplant.

Die Technik beansprucht nicht nur viel Zeit, sondern kostet auch das meiste Geld. Genaue Beträge wollte Evers zwar nicht nennen. Er erklärte jedoch, dass mehr als zwei Drittel der Investitionssumme von rund 20 Millionen Euro für die Ausstattung benötigt werden, der reine Bau mache weniger als ein Drittel aus.

Dabei ist auch der „beeindruckend“, wie Bürgermeister Holger Lebedinzew feststellte – „schon von der Autobahn aus, aber hier drinnen noch mehr“. Die Halle für die Lackiererei überspannt rund 8000 Quadratmeter. Die Logistikhalle daneben ist etwa 2600 Quadratmeter groß. Dort sollen später fast flächendeckend Hochregale stehen, sowohl für den Wareneingang als auch als Materiallager für die Endmontage und den Kommissionierbereich. Außerdem ist noch Platz für einen Sozialbereich mit Büros, Umkleide- und Aufenthaltsräumen vorgesehen.

Allein an überdachter Fläche vergrößert sich der Standort so um rund 60 Prozent. Finanziell sei die Dimension sogar fast doppelt so groß wie alles, was bislang in Altmoorhausen stand, sagte Evers. Die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Familienunternehmens mit Hauptsitz in Hasbergen bei Osnabrück bezeichnete er denn auch als „Meilenstein, der für Amazone insgesamt einzigartig ist“.

Das sei auch „ein starkes Zeichen für den Standort“ und dessen Belegschaft, der er bei der Gelegenheit für den „unermüdlichen Einsatz“ dankte. Mit dem Projekt schaffe das Unternehmen nicht zuletzt die Voraussetzungen für „langfristig sichere und gute Arbeitsplätze“.

Amazone, laut Bürgermeister Lebedinzew der größte Arbeitgeber in der Gemeinde, hat nach eigenen Angaben in Hude 635 Beschäftigte. Insgesamt sind es rund 1800 in Deutschland, hinzu kommt noch ein Werk in Russland. In der Anlaufphase der neuen Anlage würden wohl einige zusätzliche Arbeitskräfte benötigt, meinte Evers. Insgesamt würden in diesem Fall aber vor allem Arbeitsplätze aus dem Kernort verlagert. Denn wenn die neue Lackierei reibungslos läuft, soll die alte stillgelegt werden.

Im nächsten Schritt der Produktionsverlagerung nach Altmoorhausen folge die Einzelteilfertigung, kündigte Evers an. Dafür gebe es gegenwärtig aber noch keinen genauen Plan.

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