Stenumer Familientradition hält seit 1835 an / Landidyll-Hotel steht im Jubiläumsjahr wirtschaftlich besser da als je zuvor 175 Jahre Backenköhler: Vom Wirtshaus zum Großunternehmen

Ganderkesee-Stenum. Als die Geschichte des Hauses Backenköhler begann, sollte es noch 79 Jahre bis zum Ersten Weltkrieg dauern, 114 bis zur Kanzlerschaft Adenauers, 154 bis zum Fall der Mauer: 1835 erhielt Johann Harm Backenköhler für seine kleine Gaststätte in Stenum eine Schankerlaubnis. Eindreiviertel Jahrhunderte nach diesem Ereignis ist der Betrieb immer noch im Familienbesitz: Sein Ur-Ur-Ur-Enkel Uwe Vosteen leitet ihn mit seiner Frau Cerstin in sechster Generation.
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Von Alexander Schmolke

Ganderkesee-Stenum. Als die Geschichte des Hauses Backenköhler begann, sollte es noch 79 Jahre bis zum Ersten Weltkrieg dauern, 114 bis zur Kanzlerschaft Adenauers, 154 bis zum Fall der Mauer: 1835 erhielt Johann Harm Backenköhler für seine kleine Gaststätte in Stenum eine Schankerlaubnis. Eindreiviertel Jahrhunderte nach diesem Ereignis ist der Betrieb immer noch im Familienbesitz: Sein Ur-Ur-Ur-Enkel Uwe Vosteen leitet ihn mit seiner Frau Cerstin in sechster Generation.

Ob Grüne oder Goldene Hochzeit, Kohlessen oder Betriebsfeier, Party oder Tagung: Einmal in seinem Leben war vermutlich jeder Stenumer, Bookholzberger oder Ganderkeseer bereits bei Backenköhler. Vermutlich sogar häufiger. Schließlich ist das Restaurant und Hotel am Dorfring eine gastronomische Institution in der Umgebung - und das seit langer Zeit: In diesem Jahr feiert Backenköhler seinen 175. Geburtstag.

Die lange Tradition erfüllt das Inhaber-Paar mit Stolz, Respekt, sogar mit ein bisschen Ehrfurcht. 'Wenn man die alten Fotos betrachtet, auf denen Eltern, Groß- oder Ur-Großeltern vor dem Gebäude stehen - da kribbelt es schon ganz schön in einem', sagt Uwe Vosteen. Eine Last spüre er ob der Familiengeschichte aber nicht, im Gegenteil: 'Meine Ur-Großmutter hat zum Beispiel 1930/31 ein Wohngebäude und eine Kegelbahn gebaut, kurz nach der Weltwirtschaftskrise, als die Menschen eigentlich nur durchkommen wollten. Dieser Mut ist höchst motivierend', erzählt der 48-Jährige.

Seit dem ersten Bier, das 1835 über den Tresen ging, ist aus dem kleinen Wirtshaus ein Großunternehmen geworden. Es heißt heute Landidyll-Hotel Backenköhler, verfügt über 1000 Plätze, 50 Hotelzimmer mit 94 Betten, fünf Tagungsräume. 110 Menschen arbeiten dort, davon 17 Auszubildende (die häufig vordere Plätze bei gastronomischen Wettbewerben belegen). Seit zwölf Jahren ist das Haus Mitglied der Landidyll-Kooperation, 2009 wurde es mit dem Qualitätsmanagement-2-Siegel ausgezeichnet, das deutschlandweit nur einige Dutzend Betriebe vorweisen können.

Uwe Vosteen nennt diese Fakten, als er plötzlich zwei Damen erblickt, die hinten links im Gastraum sitzen. Er entschuldigt sich, geht schnell zu ihnen, begrüßt sie mit Handschlag, hält einen kurzen Klönschnack. 'Liebe Stammgäste', sagt er erklärend und widmet sich dann wieder dem Gespräch über sein Haus.

Was der Geschäftsführer anschließend über den Erfolg von Backenköhler sagt, passt zu seiner Sorge um die beiden Damen: 'Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass die Leute hier nicht nur essen, trinken oder schlafen möchten. Sie wollen wertgeschätzt und beachtet werden - Gastronomie bedeutet, Menschen glücklich zu machen!' Das gelinge ihm und seinen Mitarbeitern, weswegen es Backenköhler im aktuellen Jubiläumsjahr besser als je zuvor gehe.

Nur die richtige Arbeitseinstellung zu haben, reicht freilich nicht für eine 175-jährige Erfolgsgeschichte. Dafür braucht es auch eine Reihe richtiger Entscheidungen. Wie den Bau der Hotelzimmer 1968 und 1980, wie die Runderneuerung des Tagungsbereichs 1999, wie die Errichtung der 'Köhlerdiele' vergangenes Jahr. Der Mut zu diesen Ausgaben (alleine die heutigen Inhaber investierten in ihrer 19-jährigen Amtszeit fünf Millionen Euro) zahlte sich stets aus: Die Hotelzimmer sind gut ausgelastet, die Tagungsräume nutzen rund 200 Unternehmen pro Jahr, die noch junge 'Köhlerdiele' buchen Feierwillige aus der Umgebung regelmäßig als rustikalen Partyraum. Überregional bekannt ist Backenköhler zudem als Ziel bei Kohlfahrten. 'In der Kohlsaison bleibt an Wochenenden bei uns kaum ein Platz unbesetzt', sagt Vosteen zufrieden.

Bekocht werden die Gäste von den Küchenchefs Markus Lamprecht und Marc-André Hellweg, für die Atmosphäre im Haus sorgt Cerstin Vosteen (46). Ihr Auge für Farben, Formen oder Blumen-Arrangements gebe den Räumen das gewisse Wohlfühl-Etwas, schwärmt ihr Gatte. 'Auch unseren neuen Beauty- und Massagebereich hat sie wundervoll umgesetzt.' Und sie hält stets Ausschau nach Trends und neuen Entwicklungen. 'Denn zurücklehnen geht nicht', sagt Uwe Vosteen. 'Um auch in Zukunft erfolgreich sein zu können, müssen wir uns jeden Tag weiterentwickeln.' Angesichts dieser Einstellung stehen die Chancen gut, dass Backenköhler auch mit 175 Jahren nicht zum Gastro-Greis wird, sondern mit frischem Elan auf die 200 zusteuert.

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