Dem Fachkräftemangel entgegen steuern

Ein Meilenstein für Delmenhorst

In Delmenhorst wird von verschiedenen Seiten daran gearbeitet, Standort für eine Hochschulausbildung zu werden, an der BBS II startet ab Oktober der erste Studiengang, das Fernstudium richtet sich an Erzieher.
12.04.2021, 19:30
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Ein Meilenstein für Delmenhorst
Von Gerwin Möller
Ein Meilenstein für Delmenhorst

Professor Christian C. von der Heyden (Mitte) aus Bielefeld erläuterte BBS-II-Schulleiter Ulrich Droste (rechts) die Vorteile der Kooperation mit der privaten Fachhochschule. Links im Bild Jana Meyer zu Drewer, ebenfalls vom Fernstudienanbieter.

INGO MÖLLERS

„Es wird Zeit, dass man auch in Delmenhorst studieren kann“, sagte Ulrich Droste. Der Schulleiter der Kerschensteiner Schule begrüßte Montagmittag Gäste von der privaten Fachhochschule des Mittelstandes aus Bielefeld. Christian C. von der Heyden und Jana Meyer zu Drewer kamen an die Berufsbildenen Schulen II (BBS II) nach Delmenhorst, um einen Kooperationsvertrag zu unterzeichnen. Ab Oktober wird für Absolventen einer Ausbildung zum Erzieher ein Bachelorstudiengang „Sozialpädagogik und Management“ angeboten. Mit dem Studienabschluss wird die Qualifikation erworben, Führungsaufgaben, beispielsweise als Leitung einer Kindertagesstätte, aufzunehmen oder mit hoheitlichen Aufgaben in einem Jugendamt betraut zu werden.

Als „Meilenstein für Delmenhorst“ bezeichnete Markus Pragal, Erster Stadtrat im Rathaus, den Start des Bachelor-Studiengangs. Delmenhorst sei bisher eine der wenigen kreisfreien Städte Niedersachsens ohne ein eigenes Hochschulangebot. Es gebe weitere Initiativen, die sich für einen Hochschulstandort in Delmenhorst einsetzen, an dieser Stelle sei „sehr pragmatisch“ mit der Umsetzung begonnen worden. Das sei gerade deswegen sehr bedeutsam, weil damit „engagierte Kräfte in der Stadt gehalten und an Delmenhorst gebunden werden können“. Man bilde mit diesem Angebot nicht allein Führungskräfte aus, die man dringend für Kindertagesstätten benötige, das Studium biete jungen Menschen auch darüber hinaus eine Perspektive für ihre Zukunft. Pragal erinnerte auch daran, dass die kreisfreie Stadt mehr schaffe, als nur dem eigenen Fachkräftemangel entgegen zu steuern, „Delmenhorst ist keine Insel“, mit seiner vielfältigen Bildungslandschaft wirke man auch für die Region.

Das Studium wird als „konsekutives Modell“ im Rahmen der Erzieherausbildung organisiert. Das heißt, dass die Absolventen im direkten Anschluss an ihre Ausbildung ein berufsbegleitendes Studium zum Bachelor of Arts Sozialpädagogik und Management aufnehmen können. „Die Interessenten bisher sind über 30-Jährige“, sagte Ulrich Droste. Die Zielgruppe umfasse nicht nur diejenigen, die jetzt ihre Erzieherausbildung abschlössen, sondern auch solche, deren Ausbildung schon länger zurückliege. Die Dauer gab Jana Meyer zu Drewer mit zwei Jahren an. Sie finde parallel zur Tätigkeit in einer Kita oder Jugendeinrichtung statt. „Fahrten nach Bielefeld sind nicht erforderlich“, sagte Meyer zu Drewer. Man könne in der gewohnten Umgebung wohnen bleiben und arbeiten. Im Studium würden viele Lerninhalte aus der Erzieherausbildung angerechnet, sodass die Studierbarkeit innerhalb der Regelstudienzeit realistisch sei. Meyer zu Drewer geht von einem Aufwand von acht bis 16 Stunden pro Woche aus. Es seien acht Präsenztermine pro Jahr, alle in Delmenhorst, für die Vorbereitung und Durchführung der Modulprüfungen vorgesehen. Im letzten halben Jahr des Studiums werde die Bachelorarbeit geschrieben, die am Ende in einem abschließenden Kolloquium vorgestellt wird.

Für die Studenten fallen Studiengebühren an, Schulleiter Droste sprach von monatlichen 300 Euro, eine Aufnahme- sowie Prüfungsgebühr kämen hinzu. Da die Studierenden jedoch bereits während des Studiums in einer Einrichtung arbeiten und Geld verdienen, sollte dieser Punkt kein Hindernis sein. Außerdem haben die Einrichtungen und die Stadt Delmenhorst eine finanzielle Unterstützung für die Studierenden zugesagt.

Droste weiß schon von sechs Anmeldungen fürs erste Studienjahr. Christian C. von der Heyden von der Bielfelder Fachhochschule warb für die gute Ausbildung: Mit Delmenhorst schließe man gerade die 43. Partnerschaft ab. Die Privathochschule agiere in elf Bundesländern und zeichne sich auch durch eine niedrige Abbrecherquote aus, diese liege unter fünf Prozent. Selbst gestecktes Ziel für Droste ist die Zahl von 20 Studenten, die in diesem Oktober ihr Fernstudium aufnehmen sollen.

An der Kerschensteiner Schule wird ein Fernstudienzentrum eingerichtet, die Leitung des Zentrums übernimmt vonseiten der BBS II die Pädagogin Katrin Meyer-Abich. Träger der Maßnahme wird aus formalen Gründen das Steinbeis Transferzentrum für Qualifizierung und Beratung Delmenhorst sein.

Info

Zur Sache

Das Angebot, einen Abschluss zum Bachelor Sozialpädagogik & Management sowie als staatlich anerkannter Sozialpädagoge in Delmenhorst zu erreichen, richtet sich an alle Erzieher, die ihre Ausbildung im Herbst 2021 oder früher beendet haben und die über die Zusatzprüfung für die Fachhochschulreife verfügen. Am Donnerstag, 22. April, gibt es dazu ab 18 Uhr online Informationen in einem Livestream. Die Präsentation kann über Youtube verfolgt werden. Der Link zum Livestream wird auf der Homepage der Berufsbildenden Schulen II unter „News“ sowie auf der Startseite www.bbs2.de zu finden sein.

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