Abbrucharbeiten im Wollepark „Es war keine leichte Zeit“

Der Startschuss für den angekündigten Abbruch der Gebäude „Am Wollepark 13 und 14“ fiel diesen Dienstag. Die Wohnblöcke sollen planmäßig bis Ende November verschwunden sein und für neue Ideen Raum schaffen.
16.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Lina Wentzlaff

Der Wollepark gilt als sogenannter architektonischer Schandfleck der Stadt, das Quartier sorgt regelmäßig auch überregional für Schlagzeilen. Mit dem Abriss der bereits leer stehenden Blöcke wurde schon vor Jahren begonnen, nun geht es den nächsten Geschossbauten an den Kragen. Der Startschuss für den angekündigten Abbruch der maroden Gebäude „Am Wollepark 13 und 14“ fiel diesen Dienstag.

Die Neuplanung der vor wenigen Jahren noch als problematisch angesehenen Ecke im Norden des Quartiers ist in vollem Gange: Erste Fortschritte des Abbruchs sind hinter dem Bauzaun schon zu sehen. Damit es jetzt mit dem Gebäudeabriss losgehen kann, waren noch Untersuchungen auf Schadstoffe, Beweissicherung an benachbarten Wohnblöcken und weitere Arbeiten nötig.

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Nächster Meilenstein der Umgestaltung

Da die Immobilien mit Asbest belastet sind, waren umfangreiche Vorarbeiten erforderlich. Allein diese nahmen mehrere Monate in Anspruch. Als letzter Schritt kann nun die entkernte Hülle dem Erdboden gleichgemacht werden.

„Braucht noch jemand einen Balkon?“, witzelte Oberbürgermeister Axel Jahnz (SPD), als die große Maschine sich auf das Gebäude zubewegte und einen Teil der Fassade abriss. Der Verwaltungschef hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst den ersten Baggerbiss zu begleiten. „Damit ist der nächste Meilenstein bei der Umgestaltung des Wolleparks erreicht“, erklärte er stolz. Die Wohnblöcke sollen planmäßig bis Ende November verschwunden sein und Raum schaffen für neue Perspektiven.

Zuletzt wurden einige der großen Mehrfamilienkomplexe verschiedenen Immobilien-Investoren abgekauft. Anfang 2019 hatte die Stadt die maroden Gebäude „Am Wollepark 13 und 14“ mit 51 Wohnungen erworben. Nach einigen juristischen Auseinandersetzungen, bei denen es vor allem um den Preis der Immobilien ging, investierte das Rathaus fast eine Million Euro allein für den Ankauf.

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Die Gewoba als Sanierungsträger und die Firma Umtec regelten die Ausschreibung und die Vergabe der Abbrucharbeiten. Den Zuschlag erhielt die Firma Freimuth aus dem Landkreis Cuxhaven, die sich in Delmenhorst schon bestens auskennt. Durch sie wurden auf der gegenüberliegenden Straßenseite andere Blöcke abgerissen. „Wir freuen uns auf das neue Projekt“, betonte Bauleiter Lüder Steinberg.

„Da in den Gebäuden viele Schadstoffe wie Asbest zu entfernen waren, gestalteten sich die Vorarbeiten als sehr aufwendig“, erklärte Steinberg. Doch nach dem komplizierten Verfahren mit großen Filteranlagen sei der Abriss ein Leichtes, da die Mehrfamilienkomplexe – ähnlich wie bei Plattenbauten – aus einzelnen Teilen bestehen und größtenteils einfach so abgerissen werden könnten.

Beim Eckgrundstück Am Wollepark / Nordwollestraße, das auf seiner östlichen Seite von der Delme begrenzt wird, stehe eine ganz besondere Aufgabe an. Der Abriss schaffe unter anderem die Möglichkeit, den Zugang zum historischen Landschaftspark und zum Nordwolle-Gelände neu anzulegen. „Es gibt vielfältige Möglichkeiten, um das Gebiet attraktiver zu gestalten. Es soll keiner mehr sagen können, dass Delmenhorst hässlich ist“, betonte Jahnz. Die rund 23 Hektar große Anlage sei auch von der Bahnlinie Delmenhorst-Bremen zu sehen und somit oftmals das überregionale Aushängeschild der Stadt.

Projekt immer wieder auf der Kippe

Alle Beteiligten seien für das Großprojekt auch einen harten Weg gegangen. „Es war keine leichte Zeit“, berichtete der Oberbürgermeister, der sich seit sechs Jahren für den Abriss des Wohnblocks einsetzt. Das Projekt hätte zwischendurch immer wieder auf der Kippe gestanden. Umso schöner sei es deswegen, dass der Abriss nach Abschluss der Schadstoffsanierung planmäßig stattfinden könne. Die Stadt wolle damit einen weiteren städtebaulichen Missstand im Wollepark beheben.

Lüder Kruse vom Fachbüro Umtec sowie Susanne Ahrens und Günter Jaschob von der Gewoba, die als Treuhänder der Stadt und Sanierungsträger für den Wohnblock Am Wollepark tätig sind, unterstützten den Oberbürgermeister beim Startschuss des Wohnblockabbruchs.

Abriss weiterer maroder Gebäude

Die letzten großen Abrissherausforderungen werden die direkt benachbarten Wohnblöcke 11 und 12 sein. Es sind jene Gebäude, die 2017 bundesweit für Schlagzeilen sorgten. In den Wohnungen waren wegen Außenständen bei den Nebenkostenzahlungen an die Stadtwerkegruppe sowohl das Gas als auch das Wasser abgestellt worden.

Nach Angaben des Oberbürgermeisters sei es unvorstellbar, diese zu sanieren – so wie zuletzt von der Stadtratsfraktion Bürgerforum gefordert –, auch auf die Gefahr hin, dass er mit weiteren Projekten als „Abbruch-OB“ in die Geschichte eingehen werde. Der genaue Zeitpunkt des Arbeitsbeginns an diesem Standort sei allerdings noch offen.

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