Weniger Zuschauer bei Übertragung von Werder-Spielen

Abstiegsgespenst macht auch Wirten Sorgen

Delmenhorst·Ganderkesee. Die sportliche Situation von Werder Bremen macht auch so manchen Gastwirt im Umland Sorgen. Hintergrund ist die Angst, dass die Werder-Spiele in der ersten Liga und damit auch Gäste wegfallen könnten.
31.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Eike Nienaber
Abstiegsgespenst macht auch Wirten Sorgen

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Sonnenburg

Delmenhorst·Ganderkesee. Im benachbarten Bremen spukt das Abstiegsgespenst, was auch so manchen Gastwirt im Umland bange macht. Ob nun im großen Traditionsgasthaus oder in der typischen Fußballpinte - man ist sowohl sportlich als auch finanziell in Sorge, dass die Werder-Spiele in der ersten Liga wegfallen könnten. Ein Stimmungsbild vom 20. Spieltag in Delmenhorst und umzu.

Die Fernsehkamera hält direkt auf Gerhard Menkens, der das Scheinwerferlicht jedoch kaum wahrzunehmen scheint. Kein Wunder, denn das Hauptgeschehen spielt sich einige Meter weiter auf den beiden großen Leinwänden im winterfesten Sommergarten seines Gasthauses in Hoykenkamp ab - es ist Sonnabendnachmittag, und die Münchner Bayern sind zu Gast im Bremer Weserstadion. Ein Fernsehteam begleitet den 42-Jährigen gerade auf Schritt und Tritt.

Gedreht wird ein Portrait über den Traditionsgasthof, und Menkens hätte jetzt auch eigentlich jede Menge zu tun - es ist ja schließlich Hochsaison für Kohltouren. "Wir sind aber heute gut aufgestellt und auf den Ansturm vorbereitet." Der Wirt ist noch immer gelassen, denn gut aufgestellt und vorbereitet präsentieren sich zunächst auch die Bremer Kicker. Frings, Pizarro und Co. halten mit, bringen den Rekordmeister aus München gar das eine oder andere Mal in Verlegenheit.

Und dennoch - auf Werders Saisonverlauf insgesamt angesprochen, weicht die Gelassenheit aus Menkens Gesicht. "In guten Spielzeiten haben wir bis zu 200 Fans, die sich hier die Partien anschauen." Betriebswirtschaftlich schlage sich die sportliche Krise der Bremer auch in Hoykenkamp negativ nieder. "Gut, heute ist ein Heimspiel, und viele Stammgucker sind im Stadion, aber im Großen und Ganzen sollten bei einer solchen Paarung schon mehr Plätze besetzt sein", sagt der Gastwirt und fügt an, dass nach Niederlagen die Leute auch weniger Lust hätten, noch länger zu verweilen.

Bezahlung schon vor Schlusspfiff

"Das ist wie Ratten, die das sinkende Schiff verlassen", stellt auch Marion Klatte, Inhaberin des "Cramer's" in der Delmenhorster Innenstadt, fest. Die Gäste bezahlten mitunter schon vor dem Schlusspfiff und zögen dann enttäuscht von dannen. Für Gerhard Menkens sind eventuelle Geschäftseinbußen jedoch eher von sekundärer Bedeutung. Er ist Werder-Fan durch und durch, leidet derzeit mit seinem Verein in einer Art emotionalen Symbiose.

Ortswechsel: "Jan Harpstedt" am Hasporter Damm ist der Prototyp einer klassischen Fußballpinte - im positiven Sinne. Rustikales Ambiente und eine treue Stammkundschaft - die Spiele von Werder Bremen, die guckt die Nachbarschaft hier im Kreise alter Bekannter, an den Tischen und am Tresen dominieren die Fachsimpeleien beim Nachmittagspils. Nach dem Führungstor durch Per Mertesacker ist man noch guter Dinge. "Na, das ist doch schon mal ein kleines Erfolgserlebnis", frohlockt Wirt Rolf Kühne.

Doch die Freude soll nicht lange anhalten. "Man muss sich langsam wirklich Gedanken machen, wohin das noch führen kann", sagt Rolf Kühne mit Sorgenfalten auf der Stirn. "Inge, wir können nach Haus", ruft im Hintergrund Helmut Thiessen. Doch seine Gattin möchte erst noch austrinken - vom Auszug der enttäuschten Fans ist bei "Jan Harpstedt" nicht allzu viel zu spüren. "Richtig lohnen tut sich der Sky-Vertrag eh nicht", findet Kühne. Es sei eher die Leidenschaft für König Fußball als betriebswirtschaftliches Kalkül, die den Wirt auch weiterhin die allwöchentliche Tore- und Punktejagd übertragen lässt. "Das werden wir selbst im Abstiegsfall beibehalten", versichert er auf der einen Seite, fragt auf der anderen jedoch zweifelnd: "Aber wer will schon an einem Montagabend in der Kneipe sitzen?"

Beim Abstiegsgedanken gerät Marion Klatte vom "Cramer's" allerdings schwer ins Überlegen. "Nicht nur die Stimmung leidet, am Ende eines Spieltages muss ich die Sache letztlich auch aus der finanziellen Sicht betrachten." Das frühe Aus in Pokal und Champions-League seien für ihre kleine Gaststätte mit fast ausschließlich Werder-Fans als Kundschaft ein herber Rückschlag gewesen. Und jetzt auch noch die Sorge, dass im benachbarten Bremen in der nächsten Saison nur noch zweitklassig gekickt wird - da dürfe man nicht zu spät anfangen, sich mit dem "Worst Case" auseinanderzusetzen. "600 Euro pro Quartal sind eine Stange Geld für Spiele, die eigentlich keiner sehen will", spielt Klatte bereits mit dem Gedanken, König Fußball womöglich aus dem "Cramer's" verbannen zu müssen.

Überlegungen, die Dieter Winter wiederum nicht einmal im Ansatz kommen. Das Haus Adelheide profitiere von der unmittelbaren Nachbarschaft zur Kaserne. "Die Soldaten sind Fans aller Couleur. Wir zeigen halt die Spiele, die gewünscht werden", so Pächter Winter, der aufgrund der sportlichen Talfahrt Werders nach eigenen Angaben "keinerlei Einbußen" hat. Und selbst Alper Samanci, in dessen "Cabarelo" in Deichhorst meist grün-weiß gejubelt - oder derzeit eher gelitten - wird, zeigt sich optimistisch. "Von den Besucherzahlen her kann ich keine aggressiven Rückgänge verzeichnen. Sicher, die Stimmung könnte besser sein, aber letzten Endes kann es doch nur noch aufwärts gehen." Für Samanci liegt Liga Zwei in weiter Ferne, er glaubt nicht an Abstieg - im Gegenteil. "Nach dieser einen verkorksten Saison greift Werder im nächsten Jahr wieder oben an", ist der Wirt sicher.

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