Blaue Tonne wird wieder geleert

Altpapier-Posse in Delmenhorst

Mitte März stellte die Delmenhorster Abfallwirtschaft coronabedingt die Abholung des Altpapiers ein, weshalb es im gesamten Stadtgebiet zu Problemen kam. Nun soll die blaue Tonne wieder geleert werden.
03.05.2020, 17:58
Lesedauer: 2 Min
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Altpapier-Posse in Delmenhorst
Von Andreas D. Becker
Altpapier-Posse in Delmenhorst

Überquellende blaue Altpapiertonnen gehören in Corona-Zeiten in Delmenhorst schon zum Alltag. Darüber ärgern sich viele Bürger, auch der Stadtrat schaltete sich ein. Mit Erfolg. Zumindest sporadisch wird nun wieder Altpapier abgefahren.

Ingo Moellers

„Die derzeitige Situation hat uns allen gezeigt, wie wichtig viele Dinge sind, die im Leben vor Corona nicht die große Bedeutung hatten. Dazu zählt auch die Abholung von Altpapier.“ So begann die Abfallwirtschaft Delmenhorst (ADG) in dieser Woche eine Pressemitteilung. Damit gab sie bekannt, dass sie ab Mittwoch, 6. Mai, wieder Altpapier in Delmenhorst abholen würde. Zumindest in einigen auserwählten Abfuhrbezirken. Und nicht zu den üblichen Tagen. Ein Friedensangebot bei einem Thema, dessen Wutpotenzial die Verantwortlichen unterschätzt hatten.

Seit Mitte März bleiben die Delmenhorster nun schon auf ihrem Altpapier sitzen. Was ab Mitte April auf immer mehr Unverständnis stieß, zumal die ADG, ein Unternehmen der Stadtwerkegruppe (SWD), die sich wiederum vollständig im Besitz der Stadt Delmenhorst befindet, den Rest- und Biomüll weiter planmäßig abholte. Aber genau das war das Problem: Um die Abholung dieser beiden Müllsorten sicherzustellen, wurde die Altpapierabfuhr eingestellt. Und damit wurden viele Bürger verärgert.

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Die ADG erklärte ihr Vorgehen einem Bürger selbst so: „Wir haben zur Sicherstellung der Bio- und Restmüllabfuhr unsere gesamte Belegschaft in zwei Teams aufgeteilt, die im Wochenwechsel arbeiten.“ Ebenso seien nur noch zwei Mitarbeiter auf einem Fahrzeugen eingesetzt, was zur Folge habe, dass mehr Fahrzeuge für die Abfuhr benötigt werden.

Weiter heißt es in dem Schreiben, das dem WESER-KURIER vorliegt: „Somit sollte erklärt sein, warum wir kein Altpapier abholen. Stellen Sie sich bitte einmal vor, dass in der Belegschaft ein oder mehrere Mitarbeiter von dem Virus betroffen wären. Sämtliche Kollegen müssten in Quarantäne. Somit würde nicht nur das saubere Papier bei Ihnen bleiben. Nein, Sie hätten auch keine Bio- und Restmüllabfuhr. Ich möchte mir nicht ausmalen, welche Folgen das hätte.“ Gleichzeitig hatte die ADG für ihre Belegschaft 50 Prozent Kurzarbeit angemeldet, stockte das Kurzarbeitergeld aber wiederum auf 95 Prozent des regulären Einkommens auf.

Viele Delmenhorster beschäftigten aber ihre überquellenden blauen Altpapiertonnen. Vor allem bei Facebook ließ sich so mancher Eintrag finden, in dem sich die Bürger Luft machten. Wenn die Stadt nicht dazu in der Lage sei, das Papier abzuholen, solle sie diese Aufgabe eben an einen privaten Verwerter abgeben, schlägt einer vor. Ein weiterer merkt an: „Die Nachbarn in Ganderkesee bekommen weiterhin ihre Papiertonnen abgeholt.“ Und eine andere Delmenhorsterin schreibt: „Bei uns an der Ecke wird schon Papier am Altkleidercontainer entsorgt. Liegt alles voll da.“

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Schließlich schaltete sich die Delmenhorster Politik ein, CDU sowie die Fraktion Grüne und Partner forderten, dass die ADG die Altpapierabfuhr gemäß Abfuhrkalender wieder aufnehmen solle. „Die Tonnen quellen inzwischen in der ganzen Stadt über“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Kristof Ogonovski Ende April. Er selbst konnte die Einstellung der Abfuhr nicht nachvollziehen. „In anderen Kommunen wird ja auch der Infektionsschutz eingehalten und trotzdem läuft die Abfuhr wie gehabt“, sagte er. Auch die SPD hatte Stadtwerkechef Hans-Ulrich Salmen aufgefordert, das Vorgehen zu überdenken.

Neben der Abfallannahme an der Steller Straße wurden kurzfristig im Stadtzentrum und -norden zwei weitere öffentliche Abgabestellen eingerichtet. Da aber nicht jeder die Möglichkeit hat, dort sein Altpapier hinzuschleppen, machte die Politik weiter Druck. Mit Erfolg.

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