Gedenkfeier zum Antikriegstag in Delmenhorst Mehr Zukunft, weniger Wettrüsten

Das Wettrüsten hat neue Dimensionen angenommen, Kriege schwelen und breiten sich aus, und im Sozial- und Gesundheitssektor fehlt Geld. Der DGB in Delmenhorst will auf diese Unstimmigkeiten aufmerksam machen.
27.08.2020, 16:07
Lesedauer: 2 Min
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Mehr Zukunft, weniger Wettrüsten
Von Annika Lütje

Krieg und Frieden – so heißt nicht nur ein Klassiker der Literatur, sondern das sind auch zwei Themen, die seit 1945 nicht etwa an Brisanz verloren, sondern – im Gegenteil – in den vergangenen Jahren nur an Bedeutsamkeit gewonnen haben und auf der täglichen Agenda gar nicht weit genug oben stehen können. So sieht es auch der Delmenhorster Stadtverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Deshalb rührt er bereits die Werbetrommel für den Antikriegstag. In Deutschland wird er am 1. September begangen. Und in diesem Jahr fällt ihm laut Stadtverbandsvorsitzendem Uwe Helfrich noch einmal eine besondere Gewichtung zu, denn das Ende des Nazi-Regimes und des Zweiten Weltkrieges jährt sich zum 75. Mal.

Und was haben die Regierungen dieser Welt daraus gelernt? Nicht viel, findet Helfrich. Das Wettrüsten habe inzwischen ungeahnte Dimensionen erreicht, das würden die aktuellen Zahlen zeigen, beschreibt er in einer Mitteilung die Lage und führt aus: „Die globalen Rüstungsausgaben belaufen sich inzwischen auf zwei Billionen US-Dollar. Die deutsche Bundesregierung spielt dabei eine unrühmliche Vorreiterrolle. Deutschland ist nicht nur viertgrößter Rüstungsexporteur weltweit, sondern ist bei den Ländern mit den meisten Rüstungsausgaben auf den siebten Platz vorgerückt. Wenn die Bundesregierung die Nato-Zielvorgabe erfüllen würde, zwei Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung auszugeben, so könnte dies eine weitere Erhöhung des Wehretats um mehr als 20 Milliarden Euro bedeuten.“ Dabei führe die Corona-Pandemie deutlich vor Augen, dass das Geld in anderen Bereichen viel dringender gebraucht würde: zum Beispiel im Sozial- und Gesundheitssektor.

Nach Helfrichs Meinung sei es „höchste Zeit, das Ruder herumzureißen“. Neben einem starken und solide finanzierten Sozialstaat seien immense öffentliche Investitionen in Gesundheit und Pflege, ins Bildungssystem, in eine sozial-ökologische Gestaltung der Energie- und Verkehrswende, in die kommunale und digitale Infrastruktur sowie in den sozialen Wohnungsbau nötig.

Um darauf sowie auf das weltweite Wettrüsten und die sich ausbreitenden Kriegsschauplätze dieser Welt aufmerksam zu machen, veranstaltet der Delmenhorster DGB-Stadtverband auch in diesem Jahr eine Gedenkfeier anlässlich des Antikriegstags. „Nie wieder Krieg! In die Zukunft investieren, statt aufrüsten!“, lautet das Motto.

Allerdings muss die Feier in diesem besonderen Jahr coronabedingt eher klein ausfallen. Um die Hygienemaßnahmen erfüllen zu können, wird die Gedenkveranstaltung "in kleinem Kreis" stattfinden, kündigt Helfrich an. Er finde das selbst "schlimm", wie er mitteilt, aber er sehe "eine große Verantwortung gegenüber den Teilnehmern der Gedenkveranstaltung. Die Gesundheit aller sollte gerade im Vordergrund stehen, und ich freue mich, dass wir für das Gedenken eine angemessene Alternative gefunden haben.“

Und diese sieht einen Internetanschluss vor. Denn „die Gedenkfeier wird aufgezeichnet und im Internet zu sehen sein“, verrät Helfrich. Neben einer Rede seinerseits wird es gelesene Texte zu hören geben. Dafür konnte unter anderem der bekannte Delmenhorster Schauspieler Johannes Mitternacht gewonnen werden.

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