In Delmenhorst geborener Regisseur Apokalypse Pfälzer Art

Der in Delmenhorst geborene und aufgewachsene Regisseur Matthias Schmidt hat die Apokalypse für den SWR inszeniert. Und zwar als Komödie, auf einem Weingut in der Pfalz.
21.10.2015, 00:00
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Von THERESA MIELENZ

Armageddon mit Bruce Willis in der Hauptrolle, The Day After Tomorrow mit Jake Gyllenhaal und World War Z mit Brad Pitt.

Alles beginnt mit einem kleinen, aber entscheidenden Rechenfehler. Eigentlich sollte Komet Gisbert – in Form und Größe des Saarlandes im Weltall unterwegs – die Erde um einige hundert Kilometer verfehlen. Nun soll das Ende jedoch kurz bevorstehen. In fünf Wochen ist alles aus. Diese Nachricht erreicht auch Winzerfamilie Fröhlich aus Bad Dürkenheim in der Pfalz. Jedes Familienmitglied hat seine ganz eigene Art, mit dieser Hiobsbotschaft umzugehen.

„Opa Fröhlich legt sich eine To-Do-Liste an. Er möchte noch einmal Drogen nehmen, Black Jack spielen und eine Nacht mit Callgirls verbringen“, erzählt Matthias Schmidt. Die Tochter versucht unterdessen, eine Weltreise zu unternehmen, um endlich aus der Pfalz verschwinden zu können. Der Sohn will seine Liebe zur indischen Austauschschülerin noch mal in vollen Zügen genießen und Mutter Fröhlich plant, die Affaire mit ihrer Jugendliebe zu beenden. „Der Mann lässt sich jedoch nicht so einfach abwimmeln“, deutet der 36-Jährige an. Das Chaos ist also vorprogrammiert.

Action und große Explosionen, wie man sie aus Weltuntergangsszenarien kennt, sucht man bei „Pälzisch im Abgang“ vergeblich. „Es ist vielmehr eine kleine, lustige Familiengeschichte“, so Schmidt. Aber die Pfalz kann auch dramatisch. So soll es vor allem in der letzen Folge emotional zugehen. „Die Figuren werden ernsthafter und auch das Thema des bevorstehenden Todes wird mit dem nötigen Respekt behandelt“, sagt Schmidt.

Statt Effektkino gibt es also große Gefühle. „Wir tun nicht so, als hätten wir viel Geld für die Produktion gehabt“, betont der gebürtige Delmenhorster an dieser Stelle. Für ihn war „Pälzisch im Abgang“ dennoch das bislang größte Projekt als Regisseur. Und auch das aufwendigste. Die sechs Folgen der Miniserie wurden innerhalb von sechs Wochen abgedreht. „Ich habe von morgens bis abends ohne Pause gearbeitet. Auch am Wochenende“, blickt Schmidt auf die anstrengenden Tage zurück. Ein solches Pensum sei allerdings normal im deutschen Fernsehen. „Für uns war es jedoch eine spezielle Herausforderung“, sagt Schmidt im Hinblick auf die Arbeit in einem relativ unerfahrenen Team.

Denn die Serie entstand zum 30. Geburtstag der SWR-Nachwuchsreihe „Debüt im Dritten“. „Autor, Produktionsfirma und ich selbst gelten als Debütanten, da wir zuvor an keinem Projekt dieser Größenordnung mitgewirkt haben“, erklärt Schmidt.

Die bekannteste Produktion in seiner Vita war bislang „Alle Jahre wieder“, sein Diplomfilm, mit dem er seine Ausbildung an der Filmakademie in Baden-Württemberg abschloss. 2010 wurde „Alle Jahre wieder“ erstmals im NDR ausgestrahlt. 2013 folgten drei weitere Teile der Weihnachtsserie, bei denen Schmidt als Drehbuchautor und Regisseur fungierte.

Im Gegensatz zu dieser Produktion, die ins Genre der Sitcoms fällt und in zwei Räumen spielt, wurde „Pälzisch im Abgang“ an mehreren Schauplätzen gedreht. „Es sind sowohl Innen- als auch Außenaufnahmen dabei. Das war durchaus anspruchsvoll“, erzählt der ehemalige Schüler des Max-Planck-Gymnasiums.

Auch sein nächstes Projekt dreht sich wieder um das Thema Weltuntergang. Rein zufällig, wie Matthias Schmidt betont. Anders als bei „Pälzisch im Abgang“ wird der Delmenhorster dafür auch wieder das Drehbuch schreiben. Auch einen Thriller hat Schmidt noch in der „Pipeline“. Darin geht es um einen Mann, der verzweifelt versucht, seine Familie aus den Fängen einer Sekte zu befreien. Beide Produktionen sollen in Spielfilmlänge erscheinen, kündigt Schmidt an.

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