Aufstallungspflicht in Diepholz aufgehoben Delmenhorster Geflügel weiter eingesperrt

Während im Landkreis Diepholz die Aufstallungspflicht aufgehoben wurde, müssen Hühnerhalter in Delmenhorst ihre Tiere weiter einsperren: Es muss eine physische Barriere zu wild lebenden Vögeln vorhanden sein.
23.04.2021, 19:00
Lesedauer: 3 Min
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Delmenhorster Geflügel weiter eingesperrt
Von Gerwin Möller

Die Stallpflicht für Freilandgeflügel gilt in einigen Landkreisen Niedersachsens weiterhin. So beantwortet Natascha Manski, Pressesprecherin im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, eine Anfrage des DELMENHORSTER KURIER. Grund: Während in den Landkreisen Diepholz und Verden die Aufstallungspflicht für Geflügel aufgehoben wurden, gilt diese Schutzmaßnahme gegen die Verbreitung der Vogelgrippe im Stadtgebiet von Delmenhorst weiterhin - betroffen sind 165 Geflügelhalter mit insgesamt 3500 Tieren.

Die Mühle Unger an der Syker Straße ist Treffpunkt für viele Hühnerhalter. Dort berichtet Margit Unger, dass sie beim Verkauf von Getreidemischungen fürs Geflügel in Gesprächen mit ihren Kunden mancher Verärgerung zuhört: „Das Unverständnis über die unterschiedlichen Regeln in Stuhr und Delmenhorst ist groß.“ Kopfschütteln herrscht genauso beim Vorsitzenden des Delmenhorster Geflügelzuchtvereins Egon Heuer.

Seit Mitte November sind neben den wirtschaftlich betriebenen Großställen auch Hobbyhühnerhalter von den Regelungen zur Vogelgrippe betroffen. „Es muss alles getan werden, um mögliche weitere Infektionen von Nutzgeflügelbeständen zu verhindern“, sagt Nicolin Niebuhr, Fachdienstleiterin Veterinär- und Ordnungswesen im Delmenhorster Rathaus. Die entsprechende Schutzvorrichtung muss mindestens aus einem Dach oder einer Plane bestehen und an den Seiten gegen das Eindringen von Wildvögeln gesichert sein, zum Beispiel durch Netze.

„An den Tierschutz wird dabei wohl kaum gedacht“, ärgert sich Heuer. Gerade im Frühjahr benötigten Hühner, Enten und Ziergeflügel eine größere Bewegungsfreiheit, schließlich befänden sie sich in ihrer Phase der Vermehrung. Auf engem Raum eingesperrte Hühner reagierten beispielsweise mit Federpicken und Kannibalismus, sagt Unger. „Hühnerhalter haben bei uns schon nach sogenannten Picksteinen gefragt, um ihr Geflügel zu 'beschäftigen'.“

„Die Landkreise sind gehalten, die Aufstallung nach ihrer eigenen Risikobewertung anzuordnen“, sagt die Ministeriumssprecherin. Seit dem 17. November habe es in Niedersachsen 33 Ausbrüche der Geflügelpest in Hausgeflügelbeständen in sechs Landkreisen gegeben. Dabei wurden allein seit dem 19. Februar 2021 sechs Seuchenausbrüche in Puten- und Legehennenhaltungen in drei Landkreisen festgestellt.

„Die Aufstallung von Geflügel in Freilandhaltung wird nach aktueller Rücksprache mit dem Friedrich-Löffler-Institut empfohlen“, rechtfertigt Rathaussprecher Timo Frers das Festhalten auf Delmenhorster Seite an der Verordnung. Dort gehe man nach wie vor von einem hohen Infektionsdruck aus der Wildvogelpopulation auf das Hausgeflügel aus. Das Institut werde Anfang Mai das Risiko neu bewerten und eine aktualisierte Risikoeinschätzung zum Auftreten der Vogelgrippe veröffentlichen, erwartet Frers. „Auf Basis der aktualisierten Risikoeinschätzung kann dann eine erneute Risikobewertung zur Anordnung der Aufstallung von Geflügel vorgenommen werden.“

An der Grenze zu Stuhr wird neidvoll auf die Diepholzer Seite geschaut. Da kann schon einmal der Eindruck entstehen, seinen Hühnerstall auf der falschen Gemeindeseite gebaut zu haben. Und auch die Veterinärbehörde des Landkreises Verden hob die Aufstallungspflicht für ihr Gebiet auf. Seit diesem Freitag dürfen die Hühner dort wieder im Freien scharren. Man ist der Meinung, dass der überwiegende Teil der Zugvögel den Landkreis verlassen habe. Nunmehr könne in Abwägung zwischen Seuchengefahr und dem Tierschutz wieder grünes Licht für eine Freilandhaltung der Tiere gegeben werden. Wichtig bleibe nach wie vor die Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen: Es dürfe kein Oberflächenwasser für Tränken benutzt und auch nur an für Wildvögel unzugänglichen Stellen gefüttert werden. Futter, Einstreu und alle für die Geflügelhaltung erforderlichen Gegenstände müssen für Wildvögel und Schadnager unzugänglich aufbewahrt werden.

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