Neues Projekt zum Bienenschutz

Bienen brauchen mehr als eine Brut- und Lagerstätte

Der Bauverein schickt seine Bewohner und Mitglieder in die Lehre. Imker Uwe Roselieb bietet dafür jetzt Imkerkurse an.
22.04.2021, 15:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Wolff
Bienen brauchen mehr als eine Brut- und Lagerstätte

Imker Uwe Roselieb zeigt ein Rähmchen, das er aus dem Bienenstock herausgenommen hat.

INGO MÖLLERS

Der Bauverein schickt seine Bewohner und Mitglieder in die Lehre. Einige der Angesprochenen sind zwar schon in Rente - aber man lernt ja nie aus. Und wer weiß schon, was eine Bienenbeute ist, wie viele Eier eine Bienenkönigin legt oder was man aus Drohnenwaben machen kann? Das sind Themen, die Uwe Roselieb in seinen Imkerkursen anbietet.

Der nebenerwerbliche Imker betreibt ehrenamtlich den Bienenlehrpfad an der Graft und kooperiert jetzt mit der Wohnungsbaugenossenschaft. Roselieb und Bauvereinsgärtner Carsten Gotthardt haben hinter dem Verwaltungsgebäude an der Strehlener Straße 10 B zwei Bienenstöcke aufgebaut. „Wer sich konkret für die Imkerei interessiert, kann bei Uwe Roselieb in die ‚Lehre‘ gehen“, sagt Nicole Zakrzewski vom Mietertreff des Bauvereins, der auch unter dem Namen „Wir Zuhausemacher“ agiert. „In den kommenden Tagen wird ein Blühstreifen angelegt. Die Saat dazu kommt vom Umweltzentrum Hollen. Wir kooperieren in den nächsten vier Jahren mit dem Umweltzentrum und beteiligen uns an allen Aktionen, wie zum Beispiel der Insektenzählung.“

Wer sich zum Freizeit-Imker ausbilden lassen möchte, muss aber jetzt nicht zwingend in ein Objekt von „Wir Zuhausemacher“ umziehen. Imker Roselieb bietet seine Kurse allen Menschen an, die sich für Bienen interessieren. Im Mai zum Beispiel beginnt ein neuer Anfängerkurs und auch ein Zuchtlehrgang. „Wer sich für einen der beiden Kurse interessiert, kann sonntags zwischen 10 und 13 oder zwischen 15 und 18 Uhr mal in der Graft vorbeikommen, mich ansprechen und mir sein Vorhaben vortragen“, rät der Imker.

Die Initiative für diese Zusammenarbeit sei von „Wir Zuhausemacher“ ausgegangen, sagt der Imker. „Nicole Zakrzewski ist auf mich zugekommen und fragte, ob ich auch Völker vermieten würde.“ Und warum soll man nicht auch mal einem Vermieter ein Zuhause vermieten? Also erkundigte sich Roselieb nach den Bedingungen, also ob beispielsweise das Grundstück groß genug sei. „Das ist nämlich ein beliebter Fehler in der sogenannten urbanen Imkerei, also dem Stadtimkern“, ist ihm aufgefallen.

Denn es nützt nichts, Bienen mit einem Bienenstock eine Brut- und Lagerstätte zu bieten, es müssen auch genug blühende Pflanzen vorhanden sein. So lernen die Teilnehmer der „Einführung in die Hobbyimkerei“ beispielsweise, wie sie das Futter kontrollieren und welche Möglichkeiten der Notfütterung es gibt. Wie behandele ich mein Volk bei Varroabefall? Wie schleudere und rühre ich Honig? An welche rechtlichen Grundlagen muss ich mich halten, und was steht in der Honigverordnung? Diese und andere essenzielle Fragen zur Imkerei beantwortet Roselieb in seinen Kursen.

Roselieb holt ein Rähmchen aus dem Bienenstock und schabt überstehende Drohnenzellen ab. In diesen etwas größeren Wabenzellen sollen die männlichen Bienen, die Drohnen, heranwachsen. Da Drohnen aber später schlüpfen als die weiblichen Arbeiterinnen sind sie anfälliger für die Varroamilbe, dem weltweit gefährlichsten Bienenparasiten. Aus dem Wachs dieser leeren Baurahmen können Imker Kerzen herstellen. Und da ist es passiert: Eine Biene hat ihn erwischt – schon der zweite Stich in einen Finger während des Interviews. „Ach, das tut mir schon gar nicht mehr weh“, winkt Roselieb ab. „Im Gegenteil, das tut mir ganz gut. Dann weiß ich wieder, dass ich nächstes Mal vorsichtiger sein muss.“ Was hilft am besten gegen den starken Juckreiz und dieses lästige Wehwehchen? „Ach, da helfen ganz verschiedene Mittel“, antwortet er, ohne eines davon anzuwenden. „Manchmal drücke ich den Smoker gegen den Stich. Die Hitze lässt das Eiweiß aus dem Bienengift verfallen, dann tut der Stich nicht so weh. Kühlen hilft aber auch.“ Der Smoker erinnert ein bisschen an eine Gießkanne, aus der allerdings kein Wasser, sondern Rauch herauskommt. „Der Rauch täuscht den Bienen einen Waldbrand vor“, erläutert der Imker. So sind die Bienen damit beschäftigt, die Flucht aus dem Stock vorzubereiten und sind dadurch so abgelenkt, dass sie kaum merken, dass da jemand Imker-Arbeiten vornimmt.

Übrigens sind nicht nur die Kurse coronakonform, sondern auch der Besuch des Bienenlehrpfads. Wer dorthin geht, erfährt mehr über die Lebensweisen der Honig- und der Wildbienen sowie ihre unersetzliche Bedeutung für die Natur und den wirtschaftlichen Nutzen für die Menschen. Schautafeln mit vielen Bildern zeigen zum Beispiel, welche Bienen es gibt, und auch echte Bienen schwirren um die Bienenstöcke, den sogenannten Bienenbeuten herum. Und auch an die Wildbienen ist gedacht. Sie können in einer Nistwand Eier ablegen und so für eine neue Wildbienengeneration sorgen.

Info

Zur Sache

Imkerkurse

Uwe Roselieb bietet seine Imkerkurse allen Menschen an, die sich so sehr für Bienen interessieren, dass sie 240 Euro (zuzüglich der Kosten für die Anschaffung der Arbeitsmittel, Imkerjacke, Smoker, Stockmeißel, Bienenbesen und Bienenbeute) und ein Jahr investieren möchten, um mehr über das Verhalten der Bienen, die biologischen Zusammenhänge und den Aufbau eines Bienenstocks zu lernen. Ein eigenes Bienenvolk beziehungsweise ein selbst erstellter Ableger ist im Preis inbegriffen. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 0176-83069425.

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