Image von Delmenhorst Besser als ihr Ruf

Der Ruf von Delmenhorst ist nicht der Beste. Bei Auswärtigen. Aber auch bei den Städtern selbst. Das soll sich ändern. Und zwar mithilfe eines im Standortmarketingkonzeptes ausgearbeiteten Plans
13.12.2017, 19:06
Lesedauer: 4 Min
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Besser als ihr Ruf
Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. Delmenhorst hat ein Imageproblem. Dem wahrscheinlich jeder, der sich als Delmenhorster zu erkennen gibt, schon begegnet ist. Verstärkt wird das zusätzlich durch die Lust vieler Einwohner, sich selbst über ihre Heimatstadt in Rage zu reden. Doch das soll sich ändern. Das sperrige Zauberwort dazu heißt: Standortmarketingkonzept. Das hat die Beratergesellschaft Cima seit Oktober 2017 ausgearbeitet. Die gute Botschaft: Delmenhorst bietet sehr viel, um sein ramponiertes Image aufzupolieren.

Das Bild, das es von Delmenhorst gibt, ist in der jüngeren Vergangenheit vor allem durch Ereignisse geprägt, die die Stadt nicht besonders gut dastehen ließen: Da war der Streit mit den Besitzern von zwei Wollepark-Wohnblöcken, die ihre Mieter monatelang ohne Gas und Wasser leben ließen. Natürlich waren da immer wieder die Geschichten des Krankenhaus-Killers Niels Högel, dem wohl größten Serienmörder der bundesrepublikanischen Geschichte. Oder auch die drohende Insolvenz des Josef-Hospitals. Aber die Cima findet: „Das Bild, welches durch diese Berichterstattung schon früher entstand und aktuell entsteht, wird der Stadt nicht gerecht.“ Die Berater sind sich zudem sicher, dass es nicht die Schwächen der Stadt sind oder eine falsche Kommunikation nach außen, die das „tendenziell eher negative Stadtimage“ bestärkt haben. „Tatsächlich ist die Ursache vielmehr die fehlende Kommunikation dessen, was Delmenhorst eigentlich ausmacht.“

Rund 2000 Menschen waren in irgendeiner Form daran beteiligt, das Standortmarketingkonzept mit ihren Anregungen, ihren Äußerungen oder ihrer aktiven Mitarbeit in der Lenkungsgruppe zu entwickeln, erzählte Cima-Beraterin Regina Schroeder. Und dabei stellte sich heraus, dass es zwei ganz unterschiedliche Blickwinkel gibt, den von außen und den von innen. Wobei Regina Schroeder und ihre Kollegen, wenn sie mit Besuchern in der Stadt waren, selbst immer das erlebt haben, was viele Delmenhorster sicherlich auch kennen, wenn sie Freunden oder Bekannten die Stadt zeigen: Überraschung. Die Cima hat das so zusammengefasst: „Echt. Unerwartet.“ Denn in der Stadt gibt es mehr zu entdecken, als es das eher traurige Image vermuten lässt. Vor allem das Industriedenkmal Nordwolle oder die Graft gefallen. Aber auch die Innenstadt kann überzeugen – wenn man nicht gerade vor Hertie steht. „Wer sich auf Delmenhorst einlässt, bekommt mehr, als er erwartet“, finden die Experten.

Das Innengefühl umschreibt die Cima so: "Natürlich Wir!". Was sich vor allem aus Beobachtungen speist. „‚Wir‘ ist die Antwort auf viele Fragen, die gestellt werden", sagte Regina Schroeder, die durchaus beobachtet hat, dass sich die Delmenhorster eng mit ihrer Stadt verbunden fühlen und dass die Menschen zusammenhalten. Von daher passe der bisherige Stadtslogan "Delmenhorst verbindet" auch perfekt – allerdings wurde er im Sinne des Standortmarketingkonzeptes nun fortgesetzt: "Delmenhorst verbindet auf kurzen Wegen im Herzen der Stadt alles, was ein Zuhause lebenswert macht: Sport und Freizeitspaß im Grünen, eine bunte Gemeinschaft, eine aktive Wirtschaft und eine lebendige Stadtkultur."

Ein markantes Beispiel für den Zusammenhalt in der Stadt ist in den Augen der Cima die Hotelwiese als Zeichen des Widerstandes gegen die Bestrebungen, das Hotel am Stadtpark in ein rechtsradikales Schulungszentrum umzuwandeln. „Jetzt liegt die Hotelwiese brach.“ Stattdessen sollte sie als Identifikationsort inszeniert werden, „sie ist ein wichtiges Symbol für das, was Delmenhorst ausmacht“ – was vor dem Hintergrund, dass die Verwaltung dort einen Übergangsparkplatz einrichten wollte, noch einmal besonders interessant klang. Insgesamt haben die Experten zwölf Handlungsfelder aufgezeigt, an denen konkret gearbeitet werden sollte. Die Hotelwiese ist eines davon.

Ein weiteres ist ein Baustellenmarketing, das in anderen Städten erfolgreich betrieben wird. Denn natürlich sind Anwohner und Besucher von Baustellen, die lange eingerichtet sind, nicht begeistert. Aber oft helfe es, mit Bildern aktiv darauf hinzuweisen, was kommen wird und wie etwas aussehen soll. Für die Innenstadt sei ein Leerstandsmanagement erforderlich, was Citymanagerin Nicole Halves-Volmer bereits in Angriff genommen habe. Dabei gehe es nicht nur darum, Ausstellungen in leeren Läden zu zeigen, sondern vielleicht dort Konzerte auszurichten. „Bei Hertie wäre eine Verhüllung unser Traum gewesen, zum Beispiel mit einem Riesenplakat. Auch wenn das natürlich viel Geld kostet“, lieferte Cima-Geschäftsführer Martin Kremming auch ein Beispiel, was andere Städte noch tun.

Als konkretes Projekt soll im Sommer 2018 ein Fest in der Innenstadt ausgerichtet werden, in dessen Rahmen die Stadt mit ihren Stärken für alle erlebbar gemacht wird. Die Organisation liegt auch in den Händen der Cima. „Dabei ist es uns besonders wichtig, die Delmenhorster einzubinden“, sagte Regina Schroeder. Es bringe nichts, wenn man die Nachricht nur mantraartig in Flyern oder Pressemitteilungen betone und wiederhole. Die Menschen müssen spüren, was Delmenhorst kann. „Denn die wichtigsten Markenbotschafter sind die Delmenhorster selbst“, erklärte Piet Tönjes, Chef des Delmenhorster Traditionsfamilienunternehmens J. H. Tönnjes, der Mitglied in der Lenkungsgruppe war. „Was wir brauchen, ist virales Marketing über Delmenhorster. Wir sollten alle gemeinsam Delmenhorst als positive Stadt darstellen.“


Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.marke-delmenhorst.de.

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