Delmenhorster Regionalpost Betrieb geht uneingeschränkt weiter

Delmenhorst. Es ist beschlossene Sache: Das Amtsgericht Delmenhorst hat die vorläufige Verwaltung des Regionalpost-Vermögens angeordnet, der vorläufige Insolvenzverwalter ist der Bremer Anwalt Bernd Peters.
16.02.2010, 06:00
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Von Andreas D. Becker

Delmenhorst. 'Wenn mir vor dem Hundertmeterlauf ein Bein auf den Rücken gebunden wird, ist es schwer für mich, zu gewinnen', sagt Carsten Steinhauer, Chef der in Delmenhorst ansässigen Regionalpost, bekannt durch die Flotte knallroter Autos. Auf dem Weg ins Ziel musste Steinhauer am vergangenen Freitag zudem einen großen Umweg einlegen, der ihn zum Amtsgericht Delmenhorst führte. Um 16.55 Uhr wurde dort die vorläufige Verwaltung des Regionalpost-Vermögens angeordnet, der vorläufige Insolvenzverwalter ist der Bremer Anwalt Bernd Peters.

'Die allgemeine wirtschaftliche Lage', antwortet Steinhauer auf die Frage, was seinem Unternehmen zu schaffen macht. 'Aber der Betrieb läuft in unveränderter Form weiter, die Kunden werden keine Veränderung merken', betont der Geschäftsführer, der sein Postunternehmen 1999 gründete, als die Liberalisierung des Postmarktes in Kraft trat und neben der Bundespost noch anderen Anbietern erlaubte, Briefe zu verteilen.

Laut Anwalt Peters sind zurzeit 73 Angestellte betroffen, Steinhauer selbst redet von knapp 100 Beschäftigten, die bereits kein Januar-Gehalt mehr bekommen haben.

Mehrwertsteuer und Mindestlöhne

Steinhauer sieht die Schwierigkeiten der Regionalpost auch darin begründet, dass eine echte Liberalisierung des Postmarktes nie stattgefunden habe. Zum einen ärgert es ihn maßlos, dass die gelbe Post noch immer mehrwertsteuerbefreit zustellt, während er mit seiner roten Post 19 Prozent Mehrwertsteuer abführen muss.

Zudem schimpfte Steinhauer über die 'unsittlichen Mindestlöhne' von 9,80 Euro, die er bis vor kurzem zahlen musste, dann entschied das Bundesverwaltungsgericht, dass die Mindestlöhne in der bis dahin geltenden Form nicht gesetzeskonform waren. Außerdem erklärte Steinhauer, dass er in der jüngeren Vergangenheit mit seinem Unternehmen auf Expansionskurs war. 'Auch das hat viel Geld gekostet.' Und irgendwann war die Liquidität nicht mehr gegeben.

Rechtsanwalt Bernd Peters konnte noch keine detaillierten Auskünfte geben. 'Ich habe erst am Freitagnachmittag von dieser Aufgabe erfahren.' Auf einer ersten Mitarbeiterversammlung erläuterte der Jurist den Beschäftigten dann, wie der weitere Ablauf in dem Verfahren aussieht. Wie es um den Post-Dienstleister steht und wie es mit dem Betrieb weitergehen kann, konnte der Anwalt aber noch nicht sagen, dazu habe er bisher zu wenig Einblick in das Geschäft gehabt. 'Ich schaue positiv in die Zukunft', meinte dagegen Steinhauer, er gehe davon aus, dass er sein Geschäft auf keinen Fall schließen muss.

Steinhauer machte sich bereits Mitte der 1990er Jahre selbstständig, damals verdiente er sein Geld mit einem auch heute noch existierenden Pressevertrieb. Da lag der Schritt nahe, sich auch ins regionale Postgeschäft einzumischen, als das Monopol der Deutschen Post fiel.

Steinhauer gelang es damals, auf einem schwierigen Markt zu überleben, denn nachdem die Liberalisierung des Postmarktes kam, herrschte Goldgräberstimmung, Postkonkurrenten versuchten überall, einen Teil des lukrativen Geschäftes zu ergattern. Fast alle scheiterten, Steinhauers Regionalpost setzte sich durch und erreichte sogar stattliche Wachstumszahlen. Die rote Post beliefert Kunden in Bremen, Delmenhorst, Hude, Ganderkesee, Weyhe, Berne, Lemwerder, Wildeshausen, Dötlingen und Harpstedt.

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