Großbrand auf Plexi-Möller-Gelände

Welse-Gau: Aufarbeitung geht weiter

Zwei Wochen nach dem Großbrand an der Oldenburger Straße in Delmenhorst steht die Aufarbeitung noch am Anfang. Am Freitag machte sich FDP-Landtagsabgeordneter Hort Kortlang ein Bild von den Folgen.
09.10.2020, 19:01
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Welse-Gau: Aufarbeitung geht weiter
Von Björn Struß

Zwei Wochen liegt es zurück, dass die Industriehallen auf dem ehemaligen Plexi-Möller-Gelände lichterloh brannten (wir berichteten). Die Aufarbeitung der Folgen für Natur und Anwohner steht aber immer noch am Anfang. Insbesondere bei der frisch gegründeten Bürgerinitiative blicken die Delmenhorster wohl mit Spannung auf die Bürgerversammlung im Com.media-Veranstaltungszentrum am kommenden Dienstag. Doch ist der zu erwartende Auflauf an Menschen überhaupt mit dem Infektionsschutz in einem Corona-Risikogebiet zu vereinbaren? „Die Versammlung wird stattfinden“, sagte FDP-Ratsherr Murat Kalmis am Freitag. Bis zum Redaktionsschluss ließ die Stadtverwaltung nichts gegenteiliges verlauten.

Die Anwohner kritisieren unter anderem, dass es nach dem Großbrand keine Informationen von der Stadt gab. Die Welse roch zwar wie eine Tankstelle, trotzdem fehlten Hinweise auf giftige Stoffe, die auch dem Menschen gefährlich werden können. Hier haben sich die Anwohner inzwischen selbst geholfen. An der Straße „Hinter dem Tiergarten“, die über die Welse fühlt, warnt nun ein selbst geschriebenes Plakat davor, dem Wasser zu nahe zu kommen. Messproben der Stadt haben inzwischen allerdings ergeben, dass die Wasserwerte wieder im Normalbereich liegen.

FDP-Landtagsabgeordneter vor Ort

Am Freitag bekam die Welse auch Besuch aus dem Landtag: Horst Kortlang, umweltpolitischer Sprecher der FDP, informierte sich vor Ort über den Stand der Dinge. „Natürlich war über den Brand und die Folgen viel zu lesen. Es ist aber immer am besten, sich an Ort und Stelle ein Bild der Lage zu machen“, sagte der Politiker. Von Detlef Roß, Vorsitzender des Fischereivereins und SPD-Politiker im Stadtrat, erfuhr der Abgeordnete, dass in den kommenden zwei Wochen der Fischereibiologe des Vereins das Ausmaß des Schadens für die Natur beurteilen wird. Von der Brandstelle bis zum Eintritt der Welse in die Delme waren sämtliche Fische gestorben.

Auch die Messwerte des Wassers sind laut Kortlang wichtige Daten, um bei einem möglichen Gerichtsverfahren das Ausmaß des Schadens genau zu bestimmen. „Ich habe den Eindruck, dass hier alles vernünftig aufgearbeitet wird. Für Schuldzuweisungen ist es jetzt noch zu früh“, betonte der FDP-Politiker. Als Problem benannte er aber, dass den Hinweisen der Anwohner über illegale Nutzungen des Geländes in den vergangenen Jahren offenbar nicht ausreichend nachgegangen wurde. „Da ist die Kommune, aber auch insbesondere das Gewerbeaufsichtsamt (GAA) gefordert“, betonte Kortlang. In ganz Niedersachsen sei die Gewerbeaufsicht aber stark unterbesetzt. Seine Fraktion hatte deshalb im Landtag gefordert, in diesem Bereich 55 neue Stellen zu schaffen.

Ein Teil dieses Personals wäre dann wohl auch im GAA in Oldenburg angekommen, das für Delmenhorst zuständig ist. Gegenüber dem DELMENHORSTER KURIER bestätigt die Gewerbeaufsicht, sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit dem Gelände an der Oldenburger Landstraße beschäftigt zu haben. „Anlässe waren asbesthaltige Abfälle, Beschwerden, zum Beispiel über Lärmimmissionen, unsachgemäße Autoverwertung und Abfallverbrennung, baurechtliche Nutzungsänderungen und Ermittlungen zum ungenehmigten Anlagenbetrieb“, schreibt das Aufsichtsamt. Bei ungenehmigten Nutzungen habe man die Stadt Delmenhorst informiert, damit diese Verfahren einleiten kann oder die Nutzung untersagt. Mit der Eigentümerin, einer Immobilienfirma, habe es zahlreiche Nutzungsänderungsverfahren gegeben.

Illegale Nutzung dort, wo es brannte

Die illegale Nutzung des Geländes steht auch in einem direkten Zusammenhang zum Brand. „Es gab auch widerrechtliche beziehungsweise illegale Nutzung, und zwar dort, wo es gebrannt hat“, heißt es von der Stadtverwaltung. Konkret seien es 20 000 Liter Reiniger, etwa 1000 Liter Altöl, 100 Liter Diesel und zahlreiche Paletten mit Reinigungstabletten gewesen, die das Feuer zusätzlich anfachten.

Es entstand ein Giftcocktail und machte in der Welse die 20-jährige Arbeit des Fischereivereins zunichte. Dieses Schicksal bewegte Klaus Döring von der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO). Drei Tage nach dem Brand rief er Detlef Roß an und fragte, wie viel Geld nötig sei, um wieder Fische anzusiedeln. „Da war ich erst mal sprachlos, aber auch unglaublich dankbar“, berichtet Roß. Mit den gespendeten 5000 Euro kann sein Verein nun damit beginnen, wieder kleine Fische anzusiedeln. Trotzdem wird es Jahre dauern, bis die Welse wieder ein lebendiges Gewässer sein wird.

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